Euro-Krise Bill Clinton fordert Ende der Sparsamkeit

Der ehemalige US-Präsident kritisiert die Sparpolitik der deutschen Regierung und fordert einen Wachstumskurs als Weg aus der Krise. Als Vorbild nennt er ein Beispiel aus den ebenfalls hochverschuldeten USA.
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Bill Clinton fordert Wachstums- statt Sparprogramme für europäische Krisenstaaten. Quelle: AFP

Bill Clinton fordert Wachstums- statt Sparprogramme für europäische Krisenstaaten.

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Los AngelesMit heiserer Stimme sprach Bill Clinton. Aber auch wenn der erkältete Ex-Präsident manchmal schwer zu verstehen war, seine Botschaft war klar: Europa muss runter vom Sparkurs. Kostenkürzungen und Steueranhebungen würden kurzfristig die Finanzmärkte beruhigen, wären aber auf lange Sicht unhaltbar. Die Sparmaßnahmen lähmen die Wirtschaft , womit letztlich die Verschuldung relativ gemessen an der Wirtschaftskraft steigen würde. „Sparsamkeit wird weiterhin verschrieben, trotz zahlreicher Belege, dass sie nicht weiter hilft“, sagte Clinton, der die deutsche Regierung nicht beim Namen nannte, aber sie damit meint. „Die Menschen brauchen Arbeit, etwas, das sie morgens aus dem Bett treibt“, mahnte Clinton.

Von Anfang an sei er vom Euro fasziniert gewesen, sagte der ehemalige US-Präsident auf der kürzlichen Milken Institute Global Conference in Los Angeles. Er habe in den Neunziger Jahren eines der ersten Euro-Stücke in der Hand gehalten, aber schon damals habe er der politischen Führung in Deutschland und Frankreich gesagt: „Der Euro wird ein guter Klub sein, so lange das Wachstum da ist – aber man braucht einen Ausweg, wenn die Dinge nicht mehr so gut laufen“.

Mit der Eurokrise sind seine Befürchtungen eingetreten. Jetzt könne Griechenland sich nicht vom Euro lösen, sagte Clinton, wie es Argentinien oder Ekuador vor zehn Jahren taten. Beide Länder hatten ihre Währung an den Dollar gekoppelt, doch als die USA mit dem Platzen der Internetblase 2001 in eine Rezession stürzte, lösten sie sich beide vom Greenback. „Den Leuten gefiel das nicht, aber es war möglich“, sagte Clinton.

Jetzt gibt es laut dem 65-Jährigen für Griechenland oder Portugal nur noch die „Alabama-Lösung“. Der US-Bundesstaat wurde besonders heftig von der Finanzkrise und der folgenden Rezession in den USA 2008 getroffen. Nach amerikanischem Recht kann sich ein Bundessstaat wie Alabama nicht verschulden. Aber laut Clinton half die Bundesregierung durch „externe Infusionen“ wie Arbeitslosehilfe oder Krankengeld, die in den USA aus dem Bundeshaushalt bezahlt werden. Solche „Gegengewichte“ brauche auch Europa. Im Klartext fordert Clinton eine Transferunion: Wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland sollen schwache Mitgliedsstaaten durch die Krise bringen.

 

  • tja
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13 Kommentare zu "Euro-Krise: Bill Clinton fordert Ende der Sparsamkeit"

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  • Wir Bürger sind nicht schuld, es sind ja immer wieder die "Großen" die Entscheidungen treffen und am Ende etwas in die eine oder andere Richtung bewegen. Wir sind dann manchmal die Leidtragenden.Und ob der Clinton in den Neunziger Jahren ein Euro Stück in der Hand hatte, beweist wieder mal wie gut sein Gedächtnis ist :)

  • Clinton wollte sagen: Wir (jeder Bürger der EU) haben uns für den Euro entschieden, also haben Wir uns auch entschieden, mal strengere Zeiten zu überwinden. Die strengen Zeiten wurden verursacht durch Bürger (Bürger führen Unternehmen, Bürger leiten die Politik und Länder) die mit Ihren Informationen negativ emotional umgegangen sind. Wichtig wird sein, dass wir nun in ganz klaren Bürgerschwärmen (Parteien, Unternehmen, Bürgergemeinschaften) uns aus Unser Eigenen eigenen verschuldeten Taten heraus arbeiten, und eine ganz klare Sicht beibehalten.

    Kaum vorzustellen wäre was passiert, wenn wir uns völlig gehen lassen und andere über unser eigenes Leben entscheiden lassen. (Das machen bereits schon weit mehr, als wir uns vorstellen) Zitat beim Mittagstisch bei Freunden ist doch immer dass selbe: "Ach und die Politik ist Schuld, der Konzern ist Schuld, der eine an der Ampel ist Schuld" - Immer geben Wir die Schuld dem anderen, fangen aber nie bei uns selber an!

    Jeder Einzelne, kann mit ganz klaren entscheidungen Leben retten (So wie in Extremsituationen, z.B. Unfälle)

    Wenn wir positiv denken, dann erreicht uns auch ein postives Ereignis.

    MFG
    Martin L.

  • Ich nehme dann auch an das die Arbeitnehmer in Alabama artig über die Einkommenssteuer ihre Bundessteuer begleichen also bis zu einem maximal Satz von 35% bei Gehaltern über $379.501.

    Ich begrüsse daher Clintons Vorschlag und bin gespannt wie die PIIGS auf eine solche europäische Bundessteuer regieren werden. Deutschland zahlt sie ja bereits faktisch durch allerlei Rettungspakete.

  • Denke eher ein Versuch mal wieder in die Zeitungen zu kommen.

  • OK, da mag ein Typ irgendetwas in 1950 gesagt haben. Und dann. Menschen sagen viel, wenn der Tag lang ist. Das dann 62 Jahre später irgendwo ausgraben und damit zu drohen, ist schon irgendwie seltsam.
    Was natürlich nicht bedeutet, dass es schon wichtig ist, Gerechtigkeit, Demokratie und Freiheit einzufordern. Aber bitte nicht mit irgendwelchen Typen aus den 50er Jahren antraben.

  • Ist das jetzt bloße Unkenntnis der rechtlichen und politischen Unterschiede zwischen der zentralisierten USA und dem Staatenbund EU, seinen völkerrechtlichen Verträgen und nationalen Souveränitäten - oder ist es ein Versuch, den Konkurrenten D gezielt in den Konkurs zu treiben? "Let the Germans pay!" ist jedenfalls das Einzige, was den in den USA tonangebenden Vulgärkeynesianern noch einfällt ...

  • .. man will die Leute im Griff haben... Das ist Fakt, aber wozu ? Das wollte man auch in der DDR und hatte nur die Armut letztendlich im Griff. In Wandlitz blätterte der Putz von den Wänden. Letztlich wird auch die Führung davon zeitverzögert betroffen. Sozialismus ist keine Idee, sondern ein unverschämtes Trauerspiel.

  • Bill Clinton hat in vielem Recht. Z. B. die Leute müssen wissen, warum sie morgens aufstehen. Ja, richtig, aber dazu gehören auch ordentliche Löhne. Aber in dem Punkt mit dem Festhalten am Euro widerspreche ich ihm
    Es kann nur noch heißen, das unselige Konstrukt Euro zu beenden und nach kurzer Zeit wird es allen europ. Ländern wieder besser gehen. Der Euro war eine Mißgeburt und hat gerade auch in Deutschland alles verteuert.
    Heute ist ein Gehalt für Leute mit wenig oder keiner Ausbildung von 1.000€ nichts wert, zu DM-Zeiten waren das 2.000 DM und davon konnte eine Familie leben und so könnte man die Liste unendlich erweitern.
    So lange aber mehr und mehr kommunistische Tendenzen von der Politik kommen,Ideologie und Fanatismus vorherrschen, werden klare Überlegungen keinen Raum haben.
    Frau Merkel und ihre kommunistischen/sozialistischen Freunde aus SPD und vor allem den Grünen, sind an der Verarmung des deutschen Volkes interessiert. Man will die Bürger im Griff haben
    Wenn das endlich mal begriffen wird, wären wir schon ein ganzes Stück weiter
    Zum Wohle unseres Landes und Volkes, wird schon lange nicht mehr Politik gemacht
    Und Bill Clinton liegt falsch, wenn er meint, Deutschland müsse ganz Europa finanzieren. Wir finanzieren schon genug


  • erst SPAREN , bis die ersten EU-Bürger und Firmen insolvent sind ,
    dann WACHSTUM - natürlich mit Krediten und für Zinsen
    aber es fehlt die Kaufkraft und das Vertrauen,
    die Kredite platzen die nächsten gehen insolvent
    - dann wieder SPAREN ,
    - dann WACHSTUM,
    - dann SPAREN,
    - dann WACHSTUM
    - das ergibt viele Zinsen für die Gläubiger
    bis VOLK und MITTELSTAND endgültig platt sind.
    BRAVO!

  • Vielen Dank, aus der Geschichtlichen Perspektive betrachtet ist es dann sogar "verständlich".

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