Euro-Krise
Brüderle warnt Paris vor „grandiosem Absturz“

Alle Augen sind auf Italien gerichtet, da macht der FDP-Fraktionschef noch einen Pleitekandidaten aus. Mit Frankreich stünde das zweitgrößte Euro-Land am Abgrund. Tatsächlich sind Frankreich und Italien eng verbunden.
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FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hat sich besorgt über die wirtschaftliche Schwäche des Euro-Schwergewichts Frankreich gezeigt. „Die sind gerade dabei, grandios abzustürzen“, sagte Brüderle am Mittwoch in Berlin mit Blick auf die düsteren Konjunktur- und Defizitprognosen für das zweitgrößte Euro-Land.

In Italien müssten die Parteien nun die Kraft aufbringen, im Interesse des Landes neue stabile Regierungsverhältnisse zu schaffen. Ein Zurückdrehen der Reformprozesse in Rom wäre keine gute Entwicklung für Europa, sagte Brüderle weiter.

Tatsächlich mehren sich die wirtschaftlichen Hiobsbotschaften aus Frankreich. So ist die Arbeitslosigkeit im Januar auf den höchsten Stand seit 15 Jahren gestiegen. Die Zahl der registrierten, nach Beschäftigung suchenden Franzosen wuchs auf 3,17 Millionen.

Der seit Mai amtierende Präsident Francois Hollande gerät damit weiter unter Druck. Er will Industriejobs erhalten, muss aber gleichzeitig Ausgaben kürzen und Steuern erhöhen, um das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen. Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen noch bis zu Beginn des kommenden Jahres steigen wird.

Zudem ist Frankreichs Wirtschaft besonders eng mit Italien verflochten. Nachdem das Wahlergebnis in Italien bekannt geworden war, war die Börse in Paris noch stärker eingebrochen als in Frankfurt. Bankentitel gaben sogar um rund fünf Prozent ein.

Italien ist für Frankreich nach Deutschland der zweitwichtigste Absatzmarkt für seine Güter. Auf 32 Milliarden Euro beliefen sich die französischen Exporte nach Italien im vergangenen Jahr. Klar an der Spitze der Handelspartner stand Deutschland mit 71,7 Milliarden Euro. Auch Krisenländer wie Spanien zählten zu den Top Fünf der französischen Exportmärkte. Bei den Importen lag Italien nach Deutschland, China und Belgien an vierter Stelle.

Die Abhängigkeit vom (süd-)europäischen Markt gilt als eine große Schwäche der französischen Wirtschaft. Kommt es in Ländern wie Spanien oder Italien wegen der Krise zu einem drastischen Rückgang der Nachfrage, dann trifft dies die Franzosen besonders stark.

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Kommentare zu " Euro-Krise: Brüderle warnt Paris vor „grandiosem Absturz“"

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  • Herr Brüderle kennt sich auch anderweitig mit Abstürzen aus: von 0 auf 1,3 Promille in 2 Stunden!

    Trotzdem hat er recht, denn Kindern und Betrunkene sagen die Wahrheit!

  • Wie hätten es denn Frankreich, Italien, Spanien, um nur die größten zu nennen, denn gern? Wir und ein paar kleinere Länder übernehmen/bürgen für deren Schulden und legen nun auch umfangreiche "Wachstumakete" für sie auf. Wir haben es ja und hier geht ein Teil der Rentner mit 700 € oder weniger heim. Wo leben wir denn? Überall dort gibt es Parteien, die offen das Währungssystem in seiner jetzigen Form ablehnen. Recht haben sie. Wen nur sollen wir jetzt wählen? Schwarz- no, rot - no, grün no, gelb - no. Alle haben diesen Unfug mitgemacht und uns Europa schöngeredet inkl. der Präsident, während die anderen die Verträge gebrochen haben. Und dafür werden wir in diesen Ländern auch noch so richtig durch den Kakao gezogen, um es freundlich zu sagen. Daher: Nichts wie raus aus diesem unglückseligen Bündnis Und zwar schnell - nur wie?

  • Brüderle warnt Paris vor „grandiosem Absturz“

    Was auf Italien zutrifft, gilt auch für Frankreich.

    Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, Griechenland und Zypern werden durch Brüssel gezwungen ihre nationalen Währungen wieder einzuführen. In Brüssel sitzen unsere Helden, die der gesamten Welt weiterhin großen Schaden zufügen.

    Als Erfinder und Patentinhaber kam ich zu dem Schluss, dass mein Patent nichts wert ist. Meine Einsicht hat mich vor Schlimmerem bewahrt. Darum frage ich mich immer wieder, wie verbohrt unsere Politiker in Brüssel an dem T-Euro festhalten können. Wenn Fehler gemacht wurden, können diese auch wieder abgestellt werden. Der Euro ist eine sehr teure Leiche, die seit Jahren am Leben gehalten wird.

    Ich gebe zu, die Beerdigungskosten werden hoch sein. Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

    Die Lebenserhaltungskosten am Tropf werden immer gewaltiger und das endlos. Es gibt keine Euro-Heilung!

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