Euro-Krise

Der Druck auf Deutschland steigt

Deutschlands Rolle in der der Euro-Krise steht immer mehr im internationalen Fokus – und in der Kritik. Europa erwartet von Deutschland Führungsqualitäten bei der Krisenbekämpfung. Dafür müssten sich einige Dinge ändern.
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Eine schwarz-rot-gold beleuchtete deutsche Euromünze. Quelle: dpa

Eine schwarz-rot-gold beleuchtete deutsche Euromünze.

(Foto: dpa)

DüsseldorfTrotz Sommerpause kann sich die deutsche Regierung nicht zurücklehnen. Sie gerät von allen Seiten immer stärker unter Druck. Immer neue Erwartungen werden an die Bundesrepublik herangetragen.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung kritisierte Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker den deutschen Populismus in der Euro-Debatte. Für billige innenpolitische Punkte werde die gebotene Ernsthaftigkeit geopfert. Diesen „Luxus“, die Krise für Innenpolitik zu nutzen, könne er nicht verstehen.

Mit seiner Kritik zielt Juncker vor allem auf Wirtschaftsminister Rösler und die von ihm forcierte Diskussion um einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Juncker hält die Folgen eines Euro-Austritts für dramatisch. „Das Ansehen der Euro-Länder weltweit würde erheblich geschädigt, es würden enorme Folgeschäden entstehen.“

Auch der frühere britische Premierminister Tony Blair fordert in einem Gastbeitrag in der „Bild“-Zeitung die Deutschen zu schmerzhaften Kompromissen auf. Neben weitreichenden Reformen der EU-Institutionen müsse die Bundesregierung auch einer Art von Vergemeinschaftung der Schulden in der Währungsunion zustimmen.

Doch für Deutschland ist dies kaum denkbar. „So lange ich lebe“ werde es keine Euro-Bonds geben, hatte die Kanzlerin gesagt. Dieses kategorische Nein ist Merkels letztes Bollwerk gegen die Vergemeinschaftung der Schulden in der Euro-Zone und gegen den Druck aus Brüssel und den Partnerländern.

Doch nicht nur Europa, sondern auch die USA schauen in der Euro-Krise vor allem nach Deutschland. US-Finanzminister Timothy Geithner drängte seinen Amtskollegen Schäuble zu einem Treffen in dessen Urlaubsquartier auf Sylt. Und Schäubles Ferienerlebnisse sind nicht das bestimmende Thema der Sitzung. Die USA fürchten einen weltweiten Konjunktureinbruch und erwarten ein entschiedenes Vorgehen der Europäer gegen die Euro-Krise. Ihr Blick richtet sich dabei vor allem auf Deutschland.

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85 Kommentare zu "Euro-Krise: Der Druck auf Deutschland steigt"

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  • @W.Fischer
    Dies ist britischer Humor. Wie, denken Sie, könnten die Briten sonst das enorme Haushaltsdefizit ihres Landes ertragen? Das enorme soziale Gefälle? Ihre korrupten Banken? Man sagt, im Alter wird man geduldig. Der Engländer erhält seine Portion Geduld bereits mit der Muttermilch verabreicht.

  • Juncker faselt von Populismus und spricht selbst permanent mit gespaltener Zunge.
    Ein Forist hat davon gesprochen, UNSERE Goldvorräte aus Fort Knox zurück in die Heimat zu holen. Ja, da werden wir wohl James Bond beauftragen müssen, denn freiwillig geben die Amis uns unser Gold nicht zurück. Vorausgesetzt, es ist überhaupt noch vorhanden.

  • 'PEL' sagt
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    Die Anleihekäufe durch die EZB sind unbestreitbar direkte Staatsfinanzierungen und damit der EZB definitiv verboten.
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    Dem ist nicht so.

    Anleihekäufe an Zweitmärkten sind der EZB nicht verboten.

    Sie darf sie in Verfolgung ihrer geldpolitischen Ziele durchführen.

  • Es ist schon verwunderlich, wenn der Ex Premierminister von England fordert, die BRD müsse den EURO-retten. Es ist immer das gleiche, wen es um Geld geht, sind wir deutsche recht!!! Der Euro wurde auf Druck von Frankreich und England eingeführt. Dies wird in der ganzen Diskussion vergessen. Nun rächt sich, dass beim Beitritt der DDR zur BRD kein Friedensvertrag mit den Siegermächten abgeschlossen wurde, somit sind wir weiter unter der Kuratel der Sieger, was für sogenannte Freunde haben wir in EUROPA, alles nur Diebe , Betrüger und Verbrecher, und vor diesen kuschen unsere sogenannten Politiker in Berlin.
    Ich bin für den Ausstieg der BRD aus dem EURO.

  • Der ESM und der Fiskalpakt werden vom Bundesverfassungsgericht gestoppt. Anleihekäufe in Form einer Schuldenunion über die EZB sind vom Bundestag bis Dato nicht abgesegnet und schon deshalb verfassungsrechtlich nicht zulässig. Die nächste Klage erhebt sich über die Veruntreuung von Staatsgeldern über die EZB. Der Text ist schon geschrieben.

    Sollten die Herren in Brüssel weiterhin Deutschland bedrohen und erpressen, wird Deutschland sehr schnell aus der Eurozone austreten. Es gibt andere Handelspartner außerhalb Süd-Europa mit qualitativ hochwertigen Produkten.

    Banken erhalten kein Geld mehr, sie müssen klar kommen mit dem was sie haben. Die Rettungspakete werden eingestellt, das sieht die freie Marktwirtschaft so vor.

    Das wäre die Kampfansage von Politikern die Deutschland vertreten, aber stattdessen schleimen unsere Volksvertreter und bewegen sich wie Schnecken von einer Krisensitzung zur anderen und fressen das letzte Gemüse weg.

  • Die Anleihekäufe durch die EZB sind unbestreitbar direkte Staatsfinanzierungen und damit der EZB definitiv verboten. Ein Verbot gilt natürlich auch dann, wenn die Anleihekäufe als weiteren Nebeneffekt auch positive geldpolitische Wirkungen haben, für die die EZB zuständig ist. Auch die EZB darf nur mit erlaubten Mitteln handeln.

    Es ist in vielen Bereichen so, daß verbotene Handlungen auch mal positive Nebenwirkungen haben können - aber trotzdem bleiben diese verbotene Handlungen. Wenn ich in die Kasse meines Arbeitgebers lange und das Geld den Armen gebe, mache ich mich trotzdem strafbar und fliege natürlich sofort und ohne Gnade raus.

    Jeder Firmenchef in der Privatwirtschaft müßte mit einer Strafanzeige wegen Veruntreuung mit vielen Jahren Freiheitsentzug rechnen, wenn er sich so unverfroren wie Mario Draghi über Verbote hinwegsetzen würde. Das sollte man auch mal Herrn Draghi unmißverständlich sagen.

  • Wann wied endlich wieder mobil gemacht und die verstaubten Guillotine aus dem Keller geholt? Nieder mit der Aristokratie!

  • Der Zug fährt gegen die Wand, Deutschland wird von den anderen heruntergezogen und wird selbst ertrinken, wenn es auf der Euroschiene so weitermacht. Deutschland muss sich also erst einmal freischwimmen, und das heisst, eine eigene Deutsche Währung.

    Das Gegenargument der Aufwertung muss man auch ein wenig differenzierter betrachten:

    1. Deutschland hatte auch zu DM Zeiten Handelsüberschüsse, nicht -defizite.

    2. Eine DM Aufwertung hatten wir ständig seit der DM Einführung und hat Deutschlands wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufstieg nach dem Krieg doch nicht aufgehalten, sondern ganz in Gegenteil das Deutsche und in der ganzen Welt bewunderte Wirtschaftswunder erst hervorgebracht!

    3. 40% der Exportprodukte kommen selbst aus Importprodukten und werden also billiger durch eine Aufwertung der DM.

    4. Führt eine Aufwertung der DM zu mehr Kaufkraft der Deutschen Bevolkerung, das heisst, der deutsche Arbeitnehmer kriegt wieder etwas für sein Geld statt ständig zu verlieren, wie unter dem Euro! Das ist die sogenannte Sozialdividende. Deshalb ist ja auch der Lebensstandart in starken Wahrungsländern wie der Schweiz und in der Bundesrepublik zu DM Zeiten so hoch gewesen!

    5. Eine stärkere DM führt zu mehr Innenkaufkraft und damit mehr Importen, was anderen Ländern zugute kommt und deren Wirtschaftleistung fördert und hilft, von Transferleistungen unabhängig zu werden.

    6. Die Abwertungen, zB der Drachme und der Lira, führen zu deren Wettbewerbsstärkung und damit der Möglichkeit, nicht auf Pump anderer, sondern eigenständig zu wachsen.

    7. Summa summarum werden Europa und die Welt nicht stärker, wenn die letzten noch funktionierenden Wirtschaften auch noch kurzsichtig kaputtgemacht werden.

    Deswegen sind als Minimum der ESM Stopp, der deutsche Euroaustritt und die Wiedereinführung der DM notwendig und selbstverantwortliche Länderwährungen in Europa, so wie vor dem Euro, um wirtschaftlich wieder in Fahrt zu kommen.

  • Wenn denn Griechenland statt Deutschland aus dem Euro geht, rast der Zug nur weiter auf die Wand zu und wird der Schrecken am Ende noch größer für Deutschland und Europa.

    Nur Deutschlands Austritt aus dem Euro jetzt und die neue DM mit Heimholung der deutschen Goldreserven aus dem Ausland retten Deutschland vor immer weiteren wahnwitzigen Geldforderungen der anderen und geben gleichzeitig dem Resteuro bzw den Strukturschwachen die nötige Abwertung, um wirtschaftlich wieder wettbewerbsfähig zu werden und die finanzielle Notwendigkeit, die Ausgabenpolitik wieder realistisch an das Maß anzugleichen, daß man sich wirklich volkswirtschaftlich leisten kann. Und dann bekommen wir wieder Boden unter den Füssen.

  • Der Euro ist nicht die EU und die EU nicht einmal Europa und die Bankenrettung fur die plutokratische Hochfinanz bedeutet ganz sicher nicht die Rettung, sondern nur die Verarmung und grosse Ausplünderung der Menschen Deutschlands und Europas! und den beabsichtigten Marsch in die EUdSSR in der gemachten Krise!

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