Euro-Krise
Der Griff in die Kasse

In der Euro-Zone kommen immer neue Ideen auf, wie man Deutschland dazu bewegen kann, gemeinsam für Staatsschulden und marode Banken zu haften. Handelsblatt Online nimmt die Optionen unter die Lupe.
  • 43

Düsseldorf/BerlinAuf Michel Barnier sind deutsche Banker derzeit nicht sehr gut zu sprechen. Der EU-Binnenmarktkommissar befinde sich auf einem "Irrweg", beschwerte sich Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Stein des Anstoßes ist Barniers Gesetzentwurf zur Sanierung und Abwicklung von Banken. Laut Artikel 91 plant Barnier den Einstieg in die europäische Bankenunion: Die nationalen Banken-Rettungsfonds sollen sich gegenseitig mit Krediten aushelfen, falls irgendwo in der EU eine Großbank in Schwierigkeiten gerät.
Euro-Bonds, eine Banklizenz für den ESM - und jetzt die europäische Bankenunion: immer mehr Modelle werden auf den Markt geworfen, wie man die Bundesregierung doch dazu bewegen kann, zur gemeinsamen Haftung für Staatsschulden und marode Banken Ja zu sagen. Barniers Pläne für eine Bankenunion schüren in Deutschland die Sorge, dass es die klammen Euro-Länder und deren Banken auf das Vermögen der deutschen Sparer abgesehen haben könnten.

EU-Kommissionschef José Manuel Barroso nährte solche Befürchtungen mit der Forderung, die Banken-Abwicklungsfonds und die Einlagensicherungsfonds in der Euro-Zone zusammenzulegen. In Deutschland wäre davon nicht nur der Restrukturierungsfonds betroffen, in den die Banken seit 2011 eine Abgabe einzahlen müssen. Auch die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken, zuständig für den Schutz der Spareinlagen, würde in einen EU-Fonds eingehen.
In einem europäischen Einlagensicherungsfonds müssten nach Schätzung der Citigroup bis zu 197 Milliarden Euro liegen, um alle Einlagen bis zu 100 000 Euro pro Kopf abzusichern. 55 Milliarden Euro davon müssten aus Deutschland kommen.

Kommentare zu " Euro-Krise: Der Griff in die Kasse"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ncht nur das beim ESM die Quote anteilig auf die noch zahlungsfähigen Länder übergeht. Mit diesem Vertrag geben wir auch unsere Fiskalhoheit an einen gesichtslosen Gouverneursrat ab. Dieser entscheidet dann vieviel ein Land innerhalb sieben Tage in den ESM einzuzahlen hat. Bei Nichtzahlung drohen hohe Strafen und Klage. Dies wird der Ausverkauf unseres Volksvermögens. Damit ist der Knall aber trotzdem nicht aufzuhalten. Das Siechtum wird nur auf Kosten der Bevölkerung verlängert.

  • Island hat die dortigen (mehr oder weniger gleichen) Probleme damals mit Bravour gelöst. In unseren Mainstreammedien liest man üblicherweise aber nichts davon - könnte ja als positives Vorbild dienen und zum Nachmachen einladen ...

  • Irland hatte Zockerbanken und mußte dafür geradestehen. Das klappte natürlich nicht, weil das Land viel zu klein ist und deshalb mußte es unter den Schirm mit seinen vielen Bedingungen. Spanien ist die Nr 4 in Europa. Deren mittlere Banken haben nur den Immobilienwahnsinn der Spanier finanziert - ein jeder wollte ein eigenes Dach über dem Kopf - und stellen jetzt fest, dass die Immobilienwerte viel zu hoch angesetzt worden sind und die Schuldner mangels Arbeit den Kapitaldienst nicht leisten können. Warum spanische Banken direkt gerettet werden und irische Zockerbanken indirekt (über den Staat), das verstehen die Götter. Hat es vielleicht etwas mit Macht und Größe in der Reihe der EU-Länder zu tun?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%