Euro-Krise

Der Juncker-Plan

Der luxemburgische Premier geht in die Offensive. Beim bevorstehenden EU-Gipfel will er seine Amtskollegen davon überzeugen, dass die Euro-Zone nur mit gemeinsamen Staatsanleihen aus der Krise finden kann. Wenn Europa einen großen und liquiden Bondmarkt schaffe, dann würden flüchtige Anleger zurückkommen und den Euro stabilisieren. Auch Deutschland profitiere davon.
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Jean-Claude Juncker: Luxemburgs Premierminister geht in die Offensive. Quelle: Reuters

Jean-Claude Juncker: Luxemburgs Premierminister geht in die Offensive.

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BRÜSSEL. Seit einem Jahr kämpft die Euro-Zone darum, die Einheitswährung zu stabilisieren. Doch bisher war alles vergebens. Die Politik mobilisierte bis dahin unvorstellbare Milliardenbeträge, um die hochverschuldeten Euro-Staaten aus der Schusslinie der Märkte zu bekommen. Genützt hat es nicht viel. Im Februar musste die EU Griechenland auffangen. Kostenpunkt: 110 Milliarden Euro. Im Mai hat sie gemeinsam mit dem IWF einen riesigen Rettungsschirm für die Euro-Zone aufgespannt. Volumen: 750 Milliarden Euro. Im November wurde Irland schwach und musste gestützt werden. Umfang: 85 Milliarden Euro.

Und so wird es weitergehen. Portugal wird mit großer Wahrscheinlichkeit Anfang nächsten Jahres beim Euro-Rettungsfonds anklopfen. Spanien könnte bald folgen. Spätestens dann müsste die EU den Rettungsschirm ausweiten und noch mehr Milliarden Euro lockermachen. Belgien wackelt schon, und auch Italien hat Angst. "Sobald wir ein Buschfeuer gelöscht haben, bricht woanders ein neues aus. Wir müssen weiter aufpassen, dass daraus kein Flächenbrand wird", warnte EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn noch Anfang dieser Woche.

Der hilflose Kampf gegen die Krise hinterlässt immer mehr Kollateralschäden. Die Unabhängigkeit der EZB wurde schwer beschädigt. Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Kanzlerin Angela Merkel zwangen die Notenbank zum Ankauf von Staatsanleihen - ein schwerer Verstoß gegen die geldpolitischen Grundsätze der Europäischen Währungsunion. Und die politische Stimmung ist mittlerweile total vergiftet. Die hochverschuldeten Länder klagen über mangelnde Solidarität ihrer besser situierten Partner. Deutschland und die anderen Länder wiederum befürchten, von den armen Vettern an der Peripherie der EU ausgenutzt und um die Früchte ihrer eigenen Sparanstrengungen betrogen zu werden. Die Euro-Zone erweckt weniger denn je den Eindruck, an einem Strang zu ziehen. Die Krise spaltet, was wiederum an den Finanzmärkten zu ihrer Verschärfung führt.

Der Luxemburger Jean-Claude Juncker ist fest davon überzeugt, dass er einen Weg gefunden hat, die Problemlage zu entschärfen. Der Chef der Eurogruppe wirkte in der Krise oft selbst wie ein Getriebener, doch nun will er das Heft in die Hand nehmen. Sein Zauberwort heißt "Euro-Bonds". Im kommenden Jahr solle die EU eine Schuldenagentur gründen, forderte der Luxemburger gemeinsam mit dem italienischen Finanzminister Giulio Tremonti. Die neue Behörde solle den 27 EU-Staaten einen Teil ihrer Schuldenlast abnehmen und an den Märkten refinanzieren. Gelten solle dies für alle Staatsschulden bis zu 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Alle darüber hinausgehenden Schulden sollen die EU-Mitgliedstaaten wie bisher individuell an den Märkten mit nationalen Staatsanleihen beschaffen.

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7 Kommentare zu "Euro-Krise: Der Juncker-Plan"

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  • uns reichts langsam von Juncker und Konsorten..

  • Was ist der Effekt des Junker-Planes ?
    Alle Länder werden möglichst schnell 40% ihrer Schulden über die Agentur umfinanzieren.
    Diese 40% sollen dann von der Gemeinschaft garantiert werden.
    Wir haben jedoch eine weltweite Schuldenkrise die im System kapitalistischer Mehrwertprodukion wurzelt.
    Das Gesamtsystem wird weiter genötigt sein überschüssiges Kapital zu vernichten.
    Diese Probleme werden von Junker nicht einmal im Ansatz wahrgenommen.
    Wir brauchen grundsätzliche Lösungsansätze für die Verteilung der weltweit nötigen
    Abschreibungen - die Vermögensbesitzer müssen die Abschreibungen tragen.

    Fazit:
    Verbesserte politische Zusammenarbeit : JA , dringend nötig
    Finanzielle Rosstäuscherei : NEiN

  • @Euro sofort und unmissverständlich abschaffen. Den Partnern klar machen das DE,die EU verlassen wirde und den Euro in einer Frist von 2 jahren als Währung beendet alles andere sind verdammt teure Luftschlösser.Juristische Aufarbeitung und Abwicklung vieler banken.Vom Zahlenmaterial ist es eindeutig, Hyperinflation lässt sich nicht mehr vermeiden.54 billionen weltweit an Guthaben stehen 683,7 ungedeckte Derivate gegenüber sie sind real in den bank-bilanzen da, wirklich da.Sie müssen real bedient werden.Frankreich hatte ein intresse an den Schrotteuro,wir uberhaut nicht.Wir reden vom EURO und vergessen die gesammte Verschuldung.Werte Partner uns die Unterschicht geht es genau so wie Euch wir sind Geringverdiener Sklaven 1 Eurojober Arbeitslos Harz 4ler,unterliegen sozialterrorismus durch eine von der Leyen haben in diesen Leben keine Hoffnung mehr Menschenwürdig zu arbeiten unser Leben zu gestalten.So 1.8 billionen Staatsschulden sind auch noch zu bezahlen.Angehäuft von Krimminellen Politikern und ökonomen man stelle sich mal vor sie sind gescheitert und wollen nun einfach so weiter machen wie davor.Unbedingt in die Therapie und weg von Geld und von Zündhölzern,den sie sind Wahnsinnig,und haben fieberglänzende Augen von den Katzengold das sie sehen.bofinger ist so einer,heilbar in einer Zeitarbeitsfirma,Praktikant ein Euro jobber das hilf unwahrscheinlich.läutert ungemein,dazu Graupensuppe jahrelang.Danke

  • Man muss sich das wirklich in Ruhe durchlesen. Was Juncker da vorschlägt ist HartziV für PiiGS. ich denke Deutschland sollte da mitmachen.

  • Guten Tag,..... Fast befuerchte ich dass der gute Mann Recht hat. Es ist eine Flucht nach vorne. Aber sage einer mir eine andere Loesung. Weder der Zwerg aus Paris noch die ahnungslose intrigantin haben eine Loesung. besten Dank

  • Dass bei Herrn Juncker die entsprechenden Personen der Pleitekandidaten von Griechenland, Portugal und Spanien aufkreuzen und für die Eurobonds werben, ist ja klar! Und zeigt genau, wie gefährlich das für Deutschland ist. Deutschland gerät mit in den Sog und wird durch einen Staatsbankrott vernichtet. Das hört sich so dramatisch an, aber diese Worte sind leider die treffendsten.
    Leute, die nach allem, was augenblicklich zu beobachten ist, noch an den Euro glauben, sind in einem Ausmass naiv, dass einem fast die Worte fehlen. Wenn Eurobonds kommen, dann kommt ganz sicher die Anti-Euro-Partei als Korrektiv zu den blinden deutschen Politikern.


    interessenten melden sich bitte: ondoron@yahoo.de

  • Und nach zwei Monaten käme Juncker an, der Anteil an Eurobonds muss von 40 auf 60% angehoben werden. Dass alte Schwüre nichts gelten, haben die Herrschaften ja zur Genüge bewiesen. Es ist erstaunlich, wie sie immer wieder das Wort Vertrauen zu benutzen wagen.
    Und erstaunlich ist auch, dass sie sich überhaupt nicht mehr erinnern, wie sie vor ein paar Tagen noch "tss-tss" machten, wenn die FED Anleihen aufkaufte.

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