Euro-Krise
Deutsche-Bank-Chefvolkswirt für weitere Griechen-Hilfe

Die bisherigen Maßnahmen reichen nicht aus, Griechenland muss durch ein drittes Hilfspaket gestützt werden. Zu diesem Schluss kommt laut einem Medienbericht David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt der Deutschen Bank.
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DüsseldorfDer Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, hat sich laut einem Medienbericht für ein weiteres Hilfspaket für Griechenland ausgesprochen. „Griechenland ist zahlungsunfähig“, sagte Folkerts-Landau der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Es sei bereits an der Grenze dessen, was politisch noch verkraftbar sei angekommen und könne daher die Sparanstrengungen nicht noch mehr verschärfen.

„Griechenlands braucht mehr Zeit, aber nur gegen strikte Auflagen“, sagte Folkerts-Landau im FAZ-Interview. Entweder müsse es ein weiteres Hilfspaket oder einen neuen Schuldenschnitt geben. An diesem Schuldenschnitt müssten sich aber auch die öffentlichen Gläubiger beteiligen, auch wenn das unmittelbar Verluste für die Steuerzahler bedeute.

Ein gestreckter Zeitplan für die Budget-Konsolidierung bedeute neue Finanzierungslücken. Wenn man den Euro in der jetzigen Form erhalten wolle, müssten die europäischen Länder und auch Deutschland das finanzieren, sagte Folkerts-Landau.

Bereits jetzt spaltet der Streit um weitere Unterstützung für das hoch verschuldete Griechenland die Euro-Länder. Trotz intensiver Gespräche zeichne sich bislang keine politische Einigung über neue Maßnahmen ab, um die Finanzierungslücke Athens zu schließen, berichteten EU-Diplomaten am Freitag in Brüssel. Ein für den 8. November ins Auge gefasstes Sondertreffen der Euro-Finanzminister werde voraussichtlich nicht nötig werden. „Wir haben keine politische Einigung, deshalb brauchen wir uns auch nicht zu treffen“, sagte ein EU-Diplomat.

Somit werden die Minister erst wieder zu ihrem regulären Treffen am 12. November zusammenkommen. Dann werden sie über die Freigabe der nächsten Kredittranche von 31,5 Milliarden Euro beraten. Ohne diese Hilfe wäre Griechenland noch im November pleite. Da die Euro-Länder einen Staatsbankrott und das Verlassen Griechenlands aus dem Euro ausgeschlossen haben, steht de facto aber fest, dass Athen das Geld auch bekommt.

Nach der Telefonkonferenz der Euro-Finanzminister am Mittwoch sind aber die Zweifel gewachsen, ob bis zum nächsten Treffen eine tragfähige Lösung zustande kommt. Als Optionen gelten ein erneuter Schuldenschnitt, weitere Hilfen des Euro-Krisenfonds ESM, Anleihenkäufe oder auch die Verlängerung der Laufzeiten von Krediten für Athen. Insbesondere Deutschland lehnt einen teilweisen Schuldenerlass unter Beteiligung der öffentlichen Gläubiger ebenso wie ein drittes Hilfspaket ab.

 
Sebastian Schaal
Sebastian Schaal
Handelsblatt Online / Redakteur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Aktuelle Umfrageergebnisse:

    Sozialdemokraten PASOK 6,5%
    Konservative Nea Dimokratia 20%
    Vereinte Soziale Front Syriza 23%
    Faschisten Goldene Morgenröte 11,5%
    Gemäßigte Rechte Unabhängige Griechen 6,5%
    Demokratische Linke Dimar 4%
    Kommunisten KKE 5%

    Das bedeutet:

    • Stärkste Kraft sind z.Zt. die Syriza mit dem Parteiführer Tsipras (23%).
    • Die nächsten sind die Nea Dimokratia (Samaras, 20%),
    • dicht gefolgt von den beiden rechten Parteien (18%), wovon die eine (Goldene Morgenröte) bekannt ist für gewalttätige Ausschreitungen gegen Ausländer,
    • PASOK und Demokratische Linke machen zusammen nur noch 10,5% aus. Die PASOK ist offenbar dabei sich aufzulösen.
    • Die Kommunisten sind mit 5% unwichtig, zumal sie sich traditionell an keiner Koalition beteiligen und jede Verantwortung ablehnen.

  • Wenn GR mit nun dem auskommen muss, was es selbst einnimmt, so werden Löhne von max. 300,-€ normal sein. Davon KANN aber niemand leben. Die Unruhen sind vorprogrammiert.
    Eine eigene Währung ließe sich abwerten, die Menschen hätten zwar auch dann niedrige Einkommen, aber immerhin könnten sie ihre eigenen Produkte wieder kaufen. Und die dann teureren Importe wären ein Ansporn, selber zu günstigeren Preisen zu produzieren.
    So könnte es ganz langsam aufwärts gehen.
    Aber die Rettungswut von EU und IWF nimmt dem griechischen Volk die Luft zum Atmen.
    Die da demonstrieren, sind die, die am meisten zu verlieren haben – die bestverdienenden Beamten, vor allem die der DEKO. Das arbeitslose und rentengekürzte Volk ist nicht auf der Strasse.
    Mit jedem Rettungseuro wird dieses parasitäre System von 60% Beamten, die von 40% Selbständigen, privaten Arbeitern und Angestellten ernährt werden, weiter unterstützt. Samaras WIRD keine Beamten entlassen – das sind doch seine Wähler!
    Muss denn hier erst ein Bürgerkrieg ausbrechen oder geputscht werden, bevor die Rettungsbesessenen aus EU und IWF endlich kapieren, dass sie falsch handeln??

  • Toller Vorschlag von einem Banker! Die Lösung könnte wesentlich einfacher sein: Sämtliche Banken verzichten auf sämtliche Zinsen- und Zinseszinsen. Da verlieren sie höchstens ein wenig durch die Inflation. Die griechischen Bürger könnten wieder ein wenig Hoffnung schöpfen und der deutsche Steuerzahler wäre auch aus der Haftung raus.

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