Euro-Krise
Deutsche Bank erwartet Umschuldung in Griechenland

Die EZB will von einer Umschuldung in Griechenland nichts wissen, doch Deutsche-Bank-Vorstand Fitschen erwartet sie sogar noch vor 2013. Auch Peer Steinbrück glaubt nicht, dass die Griechen ihre Schulden begleichen.
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Das deutsch-spanische Forum ist eine Veranstaltung für die Elite aus Politik und Wirtschaft der beiden Länder, bei dem der ruhige Meinungsaustausch gepflegt wird. Gegenseitige Freundschaftsbekundungen gibt es viele, raue Töne wenig, und ein Mittagessen mit dem spanischen König ist der Höhepunkt des Treffens.

Ganz anders war es diesmal: Defilée und Mittagessen mit "Rey Juan Carlos I." und Bundespräsident Christian Wulff auf Schloss Bellevue am Donnerstag waren zwar der protokollarische Höhepunkt, doch das wirkliche Highlight gab es am Freitag. Bei einem Panel über "Solidargemeinschaft - Die Zukunft der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion" lösten Steinbrück und Fitschen eine handfeste Kontoverse mit der EZB aus.

Steinbrück griff die Zentralbank frontal an: Sie argumentiere nur deshalb gegen eine Umschuldung für Griechenland - die er befürwortet - weil sie mittlerweile "zu einer Art Bad Bank für Staatsanleihen" geworden sei. Sie halte mehr als 70 Milliarden Euro an Staatsanleihen der notleidenden Euro-Länder, vor allem Griechenland. Unter einem Schuldenschnitt würde sie deshalb selber leiden.

Die beiden anwesenden EZB-Direktoriumsmitglieder ließen diese erste Salve über sich ergehen. Gonzalez Paramo antwortete im gewohnten EZB-Sprech: "Auch die unkonventionellen Maßnahmen der EZB dienten nur dazu, alle Kanäle offenzuhalten, über die die Geldpolitik wirkt."

Doch Deutsche Bank-Vorstand Fitschen legte nach: "Ich hätte mir gewünscht, im April letzten Jahres sofort die Gläubiger zur Verantwortung zu ziehen". Er räumte ein, dass es ein Dilemma gebe: die Furcht, das dann das "Bankensystem auf einen Schlag nicht mehr funktionsfähig gewesen wäre". Mittlerweile sei diese Sorge aber übertrieben: "Viele gute Banken haben Abschreibungen gemacht. Es gibt genügend Erfahrungen mit Umschuldungen, jetzt muss man die Phantasie spielen lassen."

Dem Handelsblatt gegenüber ging Fitschen sogar noch weiter: "Das hält nicht bis 2013", sagte er nach der Diskussion. Bundeskanzlerin Angela Merkel verweise auf den vereinbarten Mechanismus für die Einbeziehung privater Gläubiger, der ab 2013 gelten soll. Die Frage sei aber, wie man mit der bereits aufgelaufenen Schuld umgehe. Das, so Fitschens Ansicht, lässt sich nicht bis 2013 aufschieben.

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  • Zitat:"Bitte erläutern, warum es dem Steuerzahler seit dem Euro besser gehen soll als vor dem Euro."

    Soll das ein Witz sein? Wer wollte in Deutschland denn den Euro? Niemand! Den Euro wollten nur die Schmarotzer PIGS&FROGS!

  • Wie bitte? Es ist doch hinlänglich bekannt, dass der Schuldenstand GR’s während der langen, langen Pasok-Zeit entstand. Nicht zuletzt Ministerpräsident Simitis hat dafür gesorgt, dass es heute unbezahlbare Schuldenberge gibt. Er hatte – unbemerkt von Brüssel und der Öffentlichkeit – Milliarden von Dollars geliehen, die Zinsen gleich bezahlt, das Geld in den Staatshaushalt getan und damit die Bilanz aufgebessert. Dadurch wurde erst der Beitritt zur Währungsunion möglich. Weil er mit Goldman und Sachs ausmachte, dass die Rechnung erst etwa 8 Jahre später auftaucht, erfuhr Brüssel nichts davon. Erst mal.
    Dass dann später auch die Nea Demokratia sich noch an den EU-Geldern bediente, ist ein offenes Geheimnis.
    Die Misere aber damit zu begründen, dass die eine Partei den Schaden verursacht habe, während man die andere Partei heilig spricht, nützt gar nichts. So war es nicht und so ist es nicht. Alle Griechen haben schön mitgemacht beim Ausgeben vom fremden Geld, der eine mehr, der andere weniger. Und alle haben ihren Mund gehalten, denn sie waren ja Profiteure. Und wenn sie es nicht selbst waren, dann waren es ihre Kinder oder ihre Eltern oder ihre Kumbaras (Paten) und Cousins. Solange etwas für sie selbst dabei abfiel, haben sie den Betrug nicht sehen wollen. Jetzt ist das Entsetzen groß und niemand will es gewusst haben. Dabei zückt auch heute jeder automatisch seine Geldbörse, wenn er einen Arzttermin möchte. Bestechen gehört zum Alltag. Erzählen Sie mir bloß nichts vom Pferd.
    Leo Rose, GR

  • STEUERZAHLER und WIR
    Zitat aus dem Artikel: den Steuerzahlern klar machen, wie sehr wir davon profitieren.

    Das ist wieder einer dieser Belege, wie abgehoben unsere Politiker und Banker mittlerweile sind, wie wenig sie wissen, was das Volk, die Wähler, bewegt. Also, wer STEUERZAHLER sind, weiß ich. Das bin ich. Ich zahle. Aber wer ist WIR? Das sind doch bisher nur die großen Unternehmen. Von den tollen europäischen Vorteilen bekommen doch die deutschen Bürger kaum etwas ab. Oder sind Sie nur mit den geöffneten Grenzen zufrieden? Ich nicht. Ich hätte auch gern etwas von den finanziellen Vorteilen der Exportunternehmen gesehen, für die ich dauernd zur Kasse gebeten werde. In Deutschland arbeiten sehr viele Menschen für ein Einkommen unterhalb des Existenzminimums. Erwarten Sie allen Ernstes da noch Begeisterung für ein geeintes Europa mit einer Währung, die so schlecht konzipiert ist, dass sie ständig irgendwie mit dem Geld der Steuerbürger - eben NICHT mit dem Geld der Euro-Profiteure - gerettet werden muß?
    Solche Leute wie mich als "zurückgebliebene Gesellschaft" zu bezeichnen, ist unverfroren.

    Leo Rose

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