Euro-Krise

„Deutschland muss Vorbild bleiben“

Deutschland muss Stabilitätsanker in Europa bleiben, mahnt Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Denn immer größere Rettungsschirme könnten auch die Bundesrepublik überfordern, die letzte Bastion gegen den drohenden Euro-Crash.
Update: 27.09.2011 - 00:34 Uhr 29 Kommentare
Deutschland muss in Europa mit stabilen Haushalten ein Vorbild bleiben, fordert Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Quelle: dapd

Deutschland muss in Europa mit stabilen Haushalten ein Vorbild bleiben, fordert Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

(Foto: dapd)

Washington/BerlinDeutschland muss nach Ansicht von Bundesbankchef Jens Weidmann in der Schuldenkrise haushaltspolitisch als leuchtendes Vorbild für die Staaten der Euro-Zone dienen. Da das Land einen Großteil der Unterstützungsleistungen für Partnerländer mit Refinanzierungsproblemen aufbringe, sei „die Zahlungsfähigkeit Deutschlands von vitaler Bedeutung in der jetzigen Situation“, mahnte Weidmann am Montag in einer Rede vor dem „American Council on Germany“ in Washington.

Die Bundesregierung müsse daher bei der Umsetzung nachhaltiger Fiskalpolitik ein Beispiel geben. „Das bedeutet glaubwürdige Konsolidierungsbemühungen und nicht nur bloße Bekenntnisse zu künftigen Schritten“, mahnte Weidmann, der Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) ist. Er gilt im EZB-Führungsgremium als letzter stabilitätsorientierter Geldpolitiker. 

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte davor gewarnt, dass sie bei einer Stärkung des Euro-Rettungsschirms EFSF unter Umständen auch Deutschland ins Visier nehmen würde. Die verschiedenen Alternativen zur Reform des Rettungsschirms könnten sich auf die Kreditwürdigkeit in unterschiedlicher Weise auswirken, sagte S&P-Experte David Beers. Dies könne sich auch in führenden Euro-Zonen-Ländern wie Deutschland oder Frankreich bemerkbar machen.   

Weidmann erinnerte daran, dass die deutsche Schuldenstandsquote von 2007 bis 2010 um 19 Prozentpunkte auf 84 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach oben geschnellt ist. „Das meiste davon war auf die Unterstützung für den Finanzsektor zurückzuführen“, fügte der Bundesbank-Präsident vor der Nicht-Regierungsorganisation hinzu, die sich der Förderung der deutsch-amerikanischen Beziehungen verschrieben hat.   

Die Verankerung einer Schuldenbremse im Grundgesetz sei grundsätzlich ein gutes Mittel, um eine Konsolidierung zu erreichen. Weidmann begrüßte es ausdrücklich, dass Frankreich, Spanien, Portugal und Italien in dieser Frage dem deutschen Vorbild folgen wollten. Allerdings hänge die Effizienz der Schuldenbremse davon ab, wie sie im Einzelnen ausgestaltet werde. In Deutschland komme es darauf an, dass das Vorhaben auch wie vorgesehen umgesetzt werde. Die Schuldenbremse sei jedoch kein Allheilmittel, um die Krise zu bewältigen, betonte der Bundesbankchef.

Weidmann sprach sich gegen präventive Aktionen der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. Diese verringerten den Druck auf die Politik, die Schuldenkrise selbst anzugehen, sagte Weidmann am Montag auf einer Veranstaltung in Washington. „Mit allen unseren Maßnahmen setzen wir Anreize für Politiker“, ergänzte er.

Weidmann bekräftigte zugleich, dass die von den USA empfohlene Finanzierung des Euro-Rettungsschirms EFSF durch die EZB kaum infrage komme. Würde sich die Zentralbank darauf einlassen, kämen von der Politik gewiss keine weiteren Schritte mehr, argumentierte Weidmann. Bereits am Wochenende hatte er deutlich gemacht, dass das Verbot der monetären Staatsfinanzierung eine Finanzierung des EFSF durch die EZB ausschließen dürfte.

  • rtr
  • dapd
Startseite

Mehr zu: Euro-Krise - „Deutschland muss Euro-Musterschüler bleiben“

29 Kommentare zu "Euro-Krise: „Deutschland muss Euro-Musterschüler bleiben“"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Und genau deshalb muss man einen Schuldenschnitt machen, weil das Geld nicht den Arbeitenden, sondern einer korrupten Oligarchie zufließt. Der Rettungsschirm erhält korrupte Systeme, verhindert strukturelle Reformen und hetzt die Völker gegeneinander auf und zerstört damit auf Jahrzehnte Europa. Das Gegenteil von gut ist gut gemeint!

  • Der Rettungsschirm erlaubt zwar der Politik um Zeit zu gewinen, aber nicht den Bürgern in den betroffenen Ländern. Da viele Mittelständler in den betroffenen Ländern wie z.B. freie Berufe (Architekten etc.) und Einzelhandel erhebliche Einbrüche ihrer Einkünfte zu verzeichnen haben und seitdem vom Ersparten leben, um noch das Nötigste kaufen zu können. Was wenn sie auch nicht mehr auf das zurückgreifen können? Da es im Sommer noch Einkünfte aus dem Tourismus gibt, kann man sich auf einen äusserst bitteren Winter einstellen, wenn man nicht endlich umzudenken beginnt.

  • Auferstanden aus Ruinen... Wäre im Moment der falsche Text. Es geht doch gerade in die andere Richtung, Herr Scholz.

  • @ Adolf,
    es fliest aber auch Geld aus Deutschland raus, was denken Sie wie viel Geld die Deutsche in Thailand für Kinderprostitution ausgeben.

  • zugegeben, Der Euro ist nicht richtig geplant worden, eine Währungsunion ohne Fiskalunion ist nicht lebensfähig.
    Das Problem ist dass den Euro abzuschaffen wesentlich schwieriger ist als ihn einzuführen.
    Daher diese Unentschlossenheit über die Vorgehensweise.
    Richtig wäre gewesen den Euro nur bei den Gründerländer einzuführen mit einer Fiskalunion und dann nach und nach andere Länder aufzunehmen zu den gleichen Bedingungen. Wir hätten jetzt nur 8 oder 9 Länder im Euroland dafür keine Probleme.
    Dafür ist es jetzt zu spät. Wir müssen aus dieser heutiger Perspektive eine Lösung finden.
    Der Rettungsschirm ist keine Lösung es erlaubt aber erst Mal Zeit zu gewinnen oder besser Zeit zu kaufen bis wir uns darüber einig sind welche Reparatur notwendig ist.
    Und bitte, kommen Sie mir jetzt nicht mit einem Vorschlag „à la mord moi le noeud“!

  • Wenn Deutschland, mit einem Leistungsbilanzüberschuss von 14 Milliarden Pro Monat, keinen ausgeglichenen Haushalt schafft, wie sollen es die Länder schaffen die ein Leistungsbilanzdefizit haben? Dies ist absolut unverständlich, irgendwo muss der Schlendrian mächtig aktiv sein. Es fällt nicht auf weil Geld im Überfluss aus dem Ausland nach Deutschland fließt. Man bedenke aber dass wegen des Prinzips der kommunizierenden Röhren, dieses Geld zurück fließen muss und wird.

  • Nun mal nicht übertreiben. Sonst kommt der nächste noch Trillionen. Richtig ist nur, daß wir über das wahre Ausmaß an Schulden der Zweckverbände, Zweckunternehmungen, Beteiligungsfirmen und Altersvorsorge nichts wissen.

  • Wie wäre es denn mit der Becher-Hymne?

  • Und weil das so durchsichtig ist, wird auch Merkel durchschaubar.

  • Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt. Als Benchmark in der Krise. Als Staatskonstrukt im Ganzen. Als Innovationsschmiede und Lösungspool internationaler herausforderungen und Fragestellungen !

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%