Euro-Krise Die Griechen entdecken das Plastikgeld

Bisher hieß es in Griechenland: Bargeld lacht. Während die Banken geschlossen waren, wurde das vor allem Rentnern zum Verhängnis. Jetzt entdecken die Hellenen den bargeldlosen Zahlungsverkehr – und finden Gefallen daran.
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Die National Bank of Greece und andere bieten ihren Kunden ab sofort Bankkarten an. Quelle: dpa
Griechische Bankkarte

Die National Bank of Greece und andere bieten ihren Kunden ab sofort Bankkarten an.

(Foto: dpa)

FrankfurtOlga Mastoraki steht ungeduldig vor einem Geldautomaten der Eurobank an der Vouliagmenis Avenue im Athener Küstenvorort Glyfada. Eine Kunde ist noch vor ihr dran, dann ist es soweit. Vorsichtig schiebt die 72-jährige Rentnerin ihre neue Bankkarte, die sie gerade in der Filiale abgeholt hat, in den Schlitz. Von einem kleinen Zettel tippt sie die vierstellige Geheimzahl ein. Und nach ein paar Knopfdrucken und Pieptönen gibt der Automat tatsächlich 50 Euro aus. „Geht doch“, sagt die alte Dame zufrieden.

Die Bankenschließungen und die Kapitalkontrollen, die Ende Juni in Griechenland eingeführt wurden, bescheren der Wirtschaft des Landes Woche für Woche Milliardenverluste. Immerhin konnte so das Bankensystem vor dem drohenden Zusammenbruch bewahrt werden. Und noch eine andere positive Nebenwirkung hat der Ausnahmezustand: Die Griechen entdecken Bankkarten als Zahlungsmittel.

Bisher wurden in Hellas die allermeisten Transaktionen in bar abgewickelt. Mit ihren Banknoten stehen die Menschen auf der Post an, um ihre Strom- oder Wasserrechnung zu bezahlen. Auch in den Restaurants und Geschäften wird fast alles mit Scheinen bezahlt. Sogar die Steuern zahlen viele beim Finanzamt in bar. Vor allem viele ältere Menschen hatten bisher gar kein Plastikgeld und keinen Zugang zum Phone- oder Internat-Banking.

Während der Bankenschließung standen sie buchstäblich mit leeren Händen da. Während Kartenkunden wenigstens am Geldautomaten anstehen konnten, um ihre maximale Tagesration von 60 Euro abzuheben, waren viele Rentner aufgeschmissen.

Sie mussten mitunter viele Stunden vor den wenigen eigens geöffneten Bankfilialen warten, bevor sie einen Teil ihrer Rente ausgezahlt bekamen. „Das war eine furchtbare Erfahrung, die ich nicht noch einmal machen möchte“, stöhnt die Pensionärin Olga Mastoraki. Deshalb hat sie sich jetzt eine Bankkarte besorgt. „Es ging schneller als ich dachte“, freut sich die Frau.

Griechenlands größtes Geldinstitut, die Piraeus Bank, wirbt jetzt sogar in Radiospots für das Plastikgeld: Kunden, die ein Konto bei der Bank haben, können die neue Karte beantragen und nach kurzer Wartezeit sofort mitnehmen. Die Nachfrage ist enorm: Während die griechischen Banken normalerweise in einem Monat rund 100.000 Karten ausgeben, waren es im Juli dieses Jahres eine Million.

Rund 400.000 neue Karten gab allein die National Bank of Greece aus, die traditionell viele Rentner und ältere Menschen zu ihren Kunden zählt und deshalb den größten Nachholbedarf hat. Auch beim Internetbanking gibt es einen Boom: 150.000 neue Nutzer ließen sich im Juli Zugangsdaten geben, fünfmal so viele wie im Vormonat.

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16 Kommentare zu "Euro-Krise: Die Griechen entdecken das Plastikgeld"

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  • Wo es nicht kontrollierbar ist, wird es Opfer der Kriminalität. Ob das nun Schwarzarbeit ist oder Bandendelikte, spielt da keine Rolle. Wer sowas undurchsichtiges fordert, hat anscheinend etwas zu verbergen. Mir persönlich ist es ziemlich rille, wenn der Staat was von meinem Pornoabo weiß. Soller doch.

  • ja ja, ganz bargeldlos...

    und meinen Enkeln schick ich dann zukünftig in der Geburtstagskarte ein Stückchen Plastik?

  • Papalapap, das mit den Karten soll heissen "sie kommen als Kunde und gehen als Freund". Was haben Sie den jemals erlebt meine Damen?

  • Sozusagen per Ratten-Klick in Klick(Glück)

  • Bei der Diskriminierung der Schiffsratte hört bei mir der Spass auf. Selbstverständlich erhalten alle Ratten die Platinkarte vom Amt für soziales.

  • Ich finde es wesentlich interessanter, dass die Kartenherausgeber oft Assoziationen zu Waren schaffen, die offiziell jedoch weniger als der letzte Dreck wert sind:
    Also etwa die Silber-Karte für den Normalo, die Gold-Karte für den Kunden mit besonders guter Bonität und die Platin-Karte ohne Kreditlimit für den VIP´ler. ;-))

  • Nix wie wech..
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    neeee, nur die Depots sollte man im Ausland halten. Der Transfer läuft dann über eine internationale Kredit-Karte.

  • He Leute, schaut mal auf das neue Foto, selbst in der Antike gab es schon Blöd-Karten.

  • Ich hab nix gegen bargeldloses Bezahlen, wenn sich die Marktteilnehmer FREI dazu entschlossen haben (und nicht vom Staat dazu gezwungen wurden), und es vor allem auch ANONYM tun können - wie etwa bei Bitcoin, was damals für die Zyprioten die weitgehend einzige Möglichkeit war, die Kapitalverkehrskontrollen zu umgehen. In der Ökonomie ist Bitcoin genaugenommen eine vom freien Markt erfundene Proto-Zeichenwährung, während der Euro etwa eine vom Staat durchgesetzte Zeichenwährung ist.
    Noch wesentlich besser ist es allerdings, wenn es ein vom freien Markt geschaffenes, digitales, anonymes, nicht von der Staatskrake kontrolliertes Zahlungsmittel gibt, das auch noch wertgedeckt ist, wie beispielsweise BitGold.

  • menno, es gibt doch offensichtlich eine Order von "oben", dass man dem Volk das Bargeld mies machen soll. Gerade die Griechen wissen, wie schlimm es sein kann, wenn man kein Bargeld / Gold gebunkert hat.

    Aber wers glaubt, den bestraft das Leben.

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