Euro-Krise
Die Not der Spanier

Die Krise erreicht die Spanier. Viele sind arbeitslos und können ihre Kredite nicht bedienen. Die Sozialhilfe kann die Not kaum abfangen - sie beträgt in Spanien 450 Euro pro Familie. Zwei Schicksale.
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MadridBankia, immer wieder Bankia. Schon wieder braucht die viertgrößte spanische Bank frische Staatsgelder. Luz Maria Reyes hat dafür nur ein verächtliches Schnauben übrig. Die 52-jährige Frau mit dem breiten Mund und dem praktischen Kurzhaarschnitt weiß genau, warum Bankia Probleme hat. Spaniens Banken waren zu großzügig bei der Vergabe von Hypothekenkrediten. Inzwischen ist die Immobilienblase geplatzt, die internationale Finanzkrise trocknete die Kreditmärkte zusätzlich aus - die spanische Wirtschaft schrumpfte um 3,7 Prozent. Und wegen der hohen Arbeitslosenquote von fast 25 Prozent können viele Spanier ihre Kredite nicht mehr bedienen.

Luz Maria ist gebürtige Ecuadorianerin, eine der vielen, die der Perspektivlosigkeit in ihrem Land entflohen und allein nach Spanien aufbrachen. Das war vor 14 Jahren. Mittlerweile hat Luz Maria die spanische Staatsbürgerschaft - und Schulden in Höhe von rund 150.000 Euro, bei Bankia. Zunächst lief alles gut für die resolute Frau, sie fand einen festen Job als Putzfrau, nachts hütete sie eine ältere Dame, kam auf 2.500 Euro pro Monat. Doch 2005 beging Luz María einen folgenschweren Fehler. Sie kaufte eine kleine Dreizimmerwohnung im Arbeiterviertel Aluche im Süden der Hauptstadt.

Die Bank ließ die bescheidene Behausung auf stolze 196.000 Euro schätzen und bewilligte eine Hypothek über hundert Prozent des Kaufwerts mit einer monatlichen Rückzahlungsrate von 1.350 Euro. Bis 2008 zahlte Luz María brav. Doch ein Jahr später endete der Wirtschaftsboom in Spanien abrupt. Luz Marías Arbeitgeber reduzierte plötzlich ihre Arbeitsstunden und entsprechend den Lohn. Die Rentnerin, die sie nachts gehütet hatte, zog zu allem Übel in ein Altersheim. Luz Marías Einnahmen schrumpften auf knapp 600 Euro pro Monat.

Die stämmige Ecuadorianerin ist eine Kämpfernatur, sie verhandelte mit der Bank, schloss sich der in der Krise geborenen „Plattform gegen Zwangsräumungen“ an, die einen Anwalt bereitstellte. Vergeblich. Dann wurde klar, dass Bankia sich nicht nur bei Luz María verschätzt hatte. Die Bank hatte vor allem auch Bauträger, die in der Krise auf ihren Wohnungsprojekten sitzen blieben und in die Pleite schlitterten, mit großzügigen Krediten unterstützt.

Mitte Mai musste Bankia verstaatlicht werden. Die Risikoprämien auf spanische Staatsanleihen stiegen auf Rekordhöhen, Spanien musste einen EU-Rettungskredit beantragen. Die erste Zwangsräumung bei Luz Maria Ende Mai konnten die Aktivisten der „Plattform gegen Zwangsräumung“ noch verhindern. Sie organisierten eine Demo am Haus, holten die Presse. Das zweite Mal schickte der Gerichtsvollzieher seine Leute im Juli, Luz Maria war allein mit ihrer Tochter und dem zweijährigen Enkel. Es war der Tag nachdem die Minenarbeiter aus dem Norden ihre große Kundgebung in Madrid abgehalten hatten.

„Da waren wir alle bis drei Uhr nachts auf den Beinen, die Aktivisten haben noch geschlafen, als die anrückten“, erzählt Luz Maria, der bei der Erinnerung die Tränen in die Augen schießen. „Nur 20 Minuten haben sie mir gegeben, um meine Wohnung zu räumen.“ Mittlerweile wohnt die Familie in einer kleinen Mietwohnung, die warm 800 Euro kostet. Selbst das ist schon grenzwertig für Luz María und ihre 21-jährige Tochter, die als Verkäuferin in der Supermarktkette Dia 700 Euro pro Monat nach Hause bringt.

Das Schlimmste aber: Mit der Rückgabe der Wohnung ist es nach spanischem Recht nicht getan. Der Hypothekenkreditnehmer muss die Differenz aus dem Versteigerungswert und dem Kreditwert plus die aufgelaufenen Zinsen zurückzahlen. Ein Grund, warum die Spanier ihre Hypothekendarlehen um jeden Preis zu bedienen suchen und die Ausfallraten in diesem Segment erst jetzt, in der zweiten Rezession der Krise, steigen.

Bankia fordert insgesamt 150.000 Euro von Luz María. Nach Definition von Eurostat ist die Ecuadorianerin unter die Armutsgrenze gerutscht - ebenso wie 10,5 Millionen Menschen oder knapp 22 Prozent der spanischen Bevölkerung. „Das ist eine der höchsten Raten in der EU“, weiß Francisco Lorenzo, Leiter der Research-Abteilung der Caritas Spanien.

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Eine normale Mittelstandsfamilie

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  • in deutschland wirds aber anders laufen, da wird es eher eine kreditkartenblase geben, da hier der eigentümeranteil nicht so groß ist. die spanier haben es aber auch selbst verbockt. jeder normalo weiß doch, dass eigentum verpflichtet. in deutschland dagegen wird man lieber mieter und lässt sich alles gefallen vom staat und von den vermietern. und verarmt so dann halt später, wenn man als rentner horrormieten in der city zahlen muss.

  • Wo genau haben Sie das schon so gemacht? Was mich angeht, habe ich mir das nicht zurechtgelegt, sondern es im Rechnungswesen-Unterricht so gelernt. Forderungen sind Teil des Umlaufvermögens. Meinten Sie vielleicht die Verbidlichkeiten? Das sind Passiva. Falls Sie mir noch nicht glauben: Im Zweifel mal Google fragen.

    Viele Grüße

  • @Duden
    LERNEN SIE ERSTMAL MANIEREN!!! ODER BESSER EINE FREMDSPRACHE!!!

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