Euro-Krise
Die Risiken der EZB steigen

Die Europäische Zentralbank kämpft seit drei Jahren mit der Krise. Vieles hat sich geändert: Die Liquidität wird nicht länger gedeckelt, sie akzeptiert andere Sicherheiten als früher. Welche Folgen haben diese Risiken?
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Düsseldorf/BerlinDie Europäische Zentralbank (EZB) kämpft an mehreren Fronten gegen die Euro-Krise - und geht dabei bewusst immer höhere Risiken ein. Schon seit drei Jahren ist sie im Krisenmodus. Ihre Bilanzsumme hat sich seither auf drei Billionen Euro mehr als verdoppelt.

Seit Oktober 2008 können sich private Banken in unbegrenzter Höhe bei der Notenbank refinanzieren - zuvor war die Gesamtmenge der Liquidität, die die Notenbank bereitstellte, gedeckelt und wurde unter den Banken versteigert. Die neue Strategie heißt Vollzuteilung. Die EZB hat sie am Mittwoch abermals um ein halbes Jahr bis Januar 2013 verlängert. Noch dazu akzeptiert die EZB heute im Gegenzug für die Liquidität von den privaten Banken Sicherheiten, die sie früher zurückgewiesen hätte.

Ohne die Nachsicht bei den Sicherheiten und die Großzügigkeit bei der Zuteilung der Liquidität wäre es nach Ansicht vieler Beobachter reihenweise zu Bankenpleiten gekommen - denn viele Institute bekommen auf dem Geldmarkt von anderen Banken keinen Cent mehr. Diese Politik birgt aber auch Risiken: je schlechter die Qualität der Sicherheiten, desto höher die Gefahr, dass sie platzen und die EZB Verluste hinnehmen muss. Diese
würden nach dem Anteil der nationalen Notenbanken am Grundkapital der EZB aufgeteilt - die Bundesbank müsste rund 27 Prozent aller Verluste tragen. Um das zu kompensieren, könnte sie entweder die Verluste über viele Jahre abschreiben oder sie über eine Kapitalerhöhung vom deutschen Staat ausgleichen lassen.

Neben den normalen geldpolitischen Geschäften hat die EZB seit Mai 2010 auch Staatsanleihen von Krisenländern auf dem Markt aufgekauft. Derzeit hat sie Anleihen für 212 Milliarden Euro in den Büchern, darunter Griechenland-Anleihen mit einem Nennwert von schätzungsweise 55 Milliarden Euro. Der deutsche Haftungsanteil daran wären 57 Milliarden Euro. Doch die EZB hat nicht zum Nennwert gekauft, sondern zum erheblich niedrigeren Marktpreis. Das begrenzt die möglichen Verluste. Am griechischen Schuldenschnitt beteiligte sich die Zentralbank nicht. Es müsste schon zu chaotischen Zahlungsausfällen wie bei einem Kollaps der Euro-Zone kommen, damit die EZB die Anleihen abschreiben müsste.

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Die Target-2-Forderungen

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  • Herr Storbeck,

    Anfang Mai führten Sie im Handeslblog eine heftige Auseinandersetzung über den Charakter der Target-2-Salden gegen Herrn Professor Sinn. Jetzt schreiben Sie selbst, dass die Bundesbank ihre Target-2-Forderungen abschreiben müsse, wenn die Euro-Zone auseinanderfliege. Davor hat Professor Sinn doch schon vor Monaten gewarnt und wurde deshalb heftig angegriffen.

    Sie mögen damals theoretisch recht gehabt haben, dass es sich bei den Target-2-Forderungen nicht um Kredite handelt. Aber wichtiger war doch, dass die Euro-Problemstaaten mit Hilfe der deutschen Devisenüberschüsse weiter über ihre Verhältnisse leben und die Gegenforderungen, die Deutschland dafür erhält, im Ernstfall nichts wert sind.

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