Euro-Krise
EU-Finanzminister beraten über Not-Patienten

Während Griechenland die Euro-Zone verlassen könnte, braucht Spanien nach IWF-Angaben mehrere Milliarden Euro an Hilfen. Was ist das richtige Vorgehen? Die EU-Finanzminister wollen telefonieren – noch heute.
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Washington/Madrid/BerlinDie Schwäche des spanischen Bankensektors und die anhaltende Krise in Griechenland bereiten der Eurozone weiter Kopfzerbrechen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) teilte am Freitag mit, die spanischen Banken bräuchten Finanzhilfen in Höhe von mindestens 40 Milliarden Euro. Für den Fall eines Ausstiegs Griechenlands aus dem Euroraum warnte die US-Ratingagentur Moody's unter anderem auch Deutschland vor einer Herabstufung seiner Bonität.

Der IWF teilte mit, der ermittelte Kapitalbedarf sei das Ergebnis eines Stresstests bei den spanischen Finanzinstituten. Eine IWF-Verantwortliche verwies zugleich darauf, dass der Wert nur die untere Grenze des Finanzbedarfs darstelle und höhere Zahlungen nötig sein könnten. Häufig sei das 1,5- bis Zweifache des errechneten Bedarfs notwendig, um Geldhäuser krisenfest zu machen.

Bisher will Madrid keine Darlehen aus dem Eurorettungsschirm EFSF beantragen. Berichte zu möglichen Verhandlungen über europäische Hilfen am Wochenende wies die spanische Regierung am Freitag unter Verweis auf die IWF-Untersuchungen zurück. Der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager schloss aber nicht aus, dass schon am Wochenende über die Lage des Landes verhandelt werden müsse.

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger warnte davor, Spanien mit Hilfe des EFSF beizustehen. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Bofinger: „Es bringt unter den derzeitigen Bedingungen nicht viel, wenn das Geld zunächst über den Staat geleitet wird und sich damit seine Schulden weiter erhöhen.“ Die Hilfe durch den Rettungsschirm sei mit einer Stigmatisierung verbunden. „Es wird danach für ein Land noch schwieriger, sich über die Märkte zu finanzieren.“
Bofinger plädiert hingegen für direkte Hilfe an die Banken. „Wenn man jetzt den spanischen Banken schnell und direkt hilft, liegt das auch im Interesse des deutschen Steuerzahlers“, sagte er. Die Krise der spanischen Banken könne das gesamte Bankensystem des Euroraums in eine Schieflage bringen. „Wahrscheinlich würden zunächst französische Banken ins Schlingern kommen und damit auch deutsche Institute.“

Angesichts der Bankenkrise in Spanien wollen die Finanzminister der Eurozone am Samstag um 16.00 Uhr MESZ eine Telefonkonferenz abhalten. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus europäischen Regierungskreisen in Brüssel erfuhr, rechnet die Eurozone "jederzeit" mit einem Antrags Spaniens auf europäische Hilfsgelder. Wegen seiner Bankenkrise und der schwächelnden Wirtschaft gilt Spanien seit längerem als Kandidat für Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm EFSF.

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Ratingagentur droht mit Herabstufung

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  • Die EU und somit ganz Europa steht in diesen Zeit am Scheideweg seiner Zukunft. Griechenland haben wir bereits seiner selbst überlassen und sobald die Radikalen die offizielle Mach erhalten wird ein Land über Jahrzehnte seine Anschluss an die Gemeinschaft verlieren.

    Aber sind Spanien usw in einem Jahr auch an dieser Stelle? Erwartet uns zukünftige der nächste Schuldenschnitt?
    Und der Steuerzahler soll dafür wieder bezahlen?

    Ein Unternehmen in der freien Wirtschaft wäre bereits vor Jahren vor die Hunde gegangen. Doch wer entscheidet das bei einem Staat? Rating Agenturen die nur auf den Profit seiner Besitzer aus sind oder Politiker die mit Ihren Entscheidungen die Krise erst verursacht haben. Politiker die wussten, dass das Land jahrelang über seine Verhältnisse gelebt hat. Doch jede Neuverschuldung wurde im Blick auf die Wiederwahl genehmigt.

    In spätestens 10 Jahren wir das System aus Banken, Staaten und Schulden nicht mehr in der weise bestehen wie wir es heute kennen.

    Dafür das Deutschland die meisten Mittel zur Verfügung stellen soll aber das wenigste Entscheiden darf steht in keiner Relation. Ein Unternehmen welches in schweren Zeiten Kredite von seiner Bank erhält muss sich auch an Auflagen halten.

  • Wann begreifen die Kommentatoren, dass die Politiker die Banken nicht freiwillig fallen lassen können? Das ist unmöglich, weil die Banken sonst keine Staatsanleihen mehr kaufen und andere Käufer gibt es nicht! Keine Staatsanleihenkäufe, kein Geld für die Staaten, keine Rentenzahlung nix mehr. Aus die Maus! Dies ist die logische und unumstößliche Schlußfolgerung. "Alle" Papierversprechen werden gebrochen, wir sehen es jeden Tag. Ergo: Kauft wahres ehrliches (Metall)Geld und speichert es so, das die staatlichen Räuber es nicht finden. Dann abwarten, bis dieser ganze Schuldenscheiss zusammenfällt und anschließen der Neustart des 100m Laufes erfolgt. Die Edelmetallbesitzer sind dann schon an der 50m Linie und werden logischerweise die Gewinner sein!

  • @Ben

    Da wollen wir doch mal noch eine Schippe drauflegen:

    Spanien hat Verpflichtungen für DIE EZB von derzeit etwa € 332 Mrd, garantiert mit rund € 67 Mrd. für die EIB [Europäische Investionsbank], steuert p.a. € 20 Mrd. zum EU-Budget bei und hat last but not least runde € 150 Mrd. als Haftung für die EU Stabilisierungs Fonds im Feuer.

    Wie sollen diese Haftungsrisiken weiterhin glaubhaft vertreten und bewertet werden, wenn Spanien unter einem dem Rettungsschirm einnistet (?)

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