Euro-Krise
EZB stellt Zypern ein Ultimatum

Zyperns Politiker haben keinen „Plan B“ zur Hand, um die Staatspleite zu verhindern. Jetzt erlebt die abgelehnte Zwangsabgabe wieder ein Comeback. Viel Zeit bleibt nicht: Die EZB garantiert seine Nothilfe nur bis Montag.
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NikosiaDie Europäische Zentralbank erhöht den Druck auf Zypern: Die EZB will die finanzielle Notversorgung des krisengeplagten Bankensektors Zyperns nur noch bis Montag gewährleisten. Danach würden die Gelder nur noch fließen, wenn ein Rettungsplan von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds (IWF) in Kraft sei, der die Solvenz der Banken sichere, teilte die Notenbank am Donnerstag mit.

Dabei herrscht nach dem Scheitern der geplanten Zwangsabgabe auf Bankeinlagen im zyprischen Parlament auf der Insel zunehmend eine von Ratlosigkeit und Verzweiflung geprägte Katerstimmung. „Die Dinge laufen nicht gut, sie laufen gar nicht gut“, sagte eine Person, die mit dem Gang der Beratungen vertraut ist. Diese Situation brachte auch die eben verworfenen Zwangsabgaben wieder ins Gespräch – möglicherweise in abgemilderter Form. Andernfalls drohe der Zusammenbruch des Bankensystems – mit Totalverlusten für die Kontoinhaber, gaben manche zu bedenken.

Wäre da nicht eine Abgabe von zehn Prozent für größere Guthaben eher zu verschmerzen? Zunächst waren es Finanz- und Wirtschaftsexperten, die in Diskussionsrunden zyprischer Fernsehsender diese Ansicht vortrugen. Inzwischen äußerten aber auch Politiker aus dem Regierungslager, wenn auch hinter vorgehaltener Hand und im Schutz der Anonymität, solche Überlegungen. Beobachter in Nikosia schlossen deshalb nicht aus, dass die umstrittene Zwangsabgabe möglicherweise in den nächsten Tagen erneut das Inselparlament beschäftigen könnte.

Die Hinweise, das dies Teil eines Plans ist, der morgen präsentiert wird, verdichten sich. Mehreren Politikern zufolge, will der zyprische Präsident unter anderem eine „gemilderte“ Zwangsabgabe für Bankeinlagen vorschlagen. Summen unter 100 000 Euro würden dabei nicht angetastet, berichteten einige Politiker. Andere meinten, diese Einlagen sollen mit drei Prozent belastet werden.

Der ursprüngliche Rettungsplan, der mit den Euro-Ländern und dem Internationalen Währungsfonds ausgearbeitet wurde, sah eine Abgabe von 6,75 Prozent auf Einlagen unter 100 000 Euro und 9,9 Prozent auf höhere Summen vor. Das sollte 5,8 Milliarden Euro einbringen. Das Hilfsprogramm wurde vom zyprischen Parlament aber abgelehnt.

Der neue Plan sieht den Angaben zufolge auch einen Fonds vor, der Staatsanleihen ausgibt. Sie sollen demnach von Rentenkassen und der Kirche sowie anderen Institutionen Zyperns gekauft werden. Außerdem hofft Zypern nach wie vor auf Unterstützung aus Russland - die Banken des Mittelmeer-Landes sind ein beliebte Adresse bei russischen Investoren. Immer wieder wurden auch Geldwäsche-Vorwürfe laut, die Zypern zurückweist. Das Treffen des Präsidenten mit den Parteivorsitzenden soll um 9.30 Uhr Ortszeit (8.30 MEZ) beginnen.

Kommentare zu " Euro-Krise : EZB stellt Zypern ein Ultimatum"

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  • Der Bezug war auf @Rechner!

  • Schön, dass Sie die Antwort auf Ihren Kommentar schon vorformuliert haben. Copy and Paste hat schon seine Vorteile.

    "Vielleicht sollten Sie sich Ihre dümmliche Propaganda in Zukunft sparen."

    Jetzt hoffe ich aber, dass bei Ihnen "Ruhe" ist!

  • @Rechner
    Sind Sie immer noch aktiv?

    "Ruhe!" hatte ich Ihnen gestern schon geschrieben.

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