Euro-Krise

Finnland will Darwin-Prinzip in der Eurozone

Die Starken sollen den Ton angeben: Finnlands Europaminister fordert für die Zahlmeister der Eurozone mehr Einfluss auf die Wirtschaftspolitik - nur so könnten die Schuldenländer des Südens zur Räson gebracht werden.
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Die finanzstarken Länder sollen in Europa den Ton angeben, findet der finnische Europaminister Alexander Stubb. Quelle: AFP

Die finanzstarken Länder sollen in Europa den Ton angeben, findet der finnische Europaminister Alexander Stubb.

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BrüsselFinnlands Europa-Minister Alex Stubb hat gefordert, die Euro-Zone nach darwinistischen Prinzipien zu führen. Die sechs Staaten mit dem höchsten AAA-Rating - zu denen Deutschland gehört - sollten mehr Einfluss auf die Wirtschaftspolitik haben, sagte er am Donnerstag. „Für mich ist der Euro ein darwinistisches System, es gilt das Überleben des Stärkeren“, erklärte Stubb. „Dafür sorgen die Märkte, und ich glaube, auf diese Weise können wir am besten den Druck des Marktes aufrecht erhalten.“

Nur eine Kombination aus starkem Druck der Märkte und politischem Druck aus dem Inland könne sicherstellen, dass die elf Euro-Staaten ohne ein AAA-Rating ihren Verpflichtungen nachkämen. Zwar sollten die Staaten mit einer Top-Bonität nicht die Regeln diktieren können, sagte der ehemalige Außenminister, der seine Doktorarbeit über eine differenzierte Integration der Euro-Zone schrieb. Allerdings sollten sie zumindest ein starkes Mitspracherecht haben.

„Denn warum sollten wir Staaten zuhören, die sich nicht um ihre eigenen öffentlichen Finanzen kümmern?“ sagte Stubb. Ziel müsse es sein zu verhindern, dass es jemals wieder eine Krise wie die gegenwärtige gebe. „Man braucht Zuckerbrot und Peitsche, und ich glaube, das Zuckerbrot muss vom Markt kommen.“

Diskussionen über einen „politischen Kern“ Europas wies Stubb zurück. „Um ehrlich zu sein, das ist eine Menge heißer Luft. Der wirkliche Kern wird meist von den Staaten gebildet, die in diesem speziellen Fall ein „Triple-A'-Rating haben und in der Euro-Zone sind“, sagte er. „Daher ist es ein marktgetriebener Kern.“ Von den 17 Staaten in der Euro-Zone haben Deutschland, Frankreich, Österreich, die Niederlande, Luxemburg und Finnland von den drei großen Ratingagenturen das höchste Rating erhalten.

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28 Kommentare zu "Euro-Krise: Finnland will Darwin-Prinzip in der Eurozone"

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  • AAA dass ist ein Betrug von die FEDERAL RESERVE !

  • Es wird immer merkbarer, dass Europa zur Diktatur umgebaut werden soll, weil eingie wenige das wollen und mit Vehemenz daran arbeiten.
    Denn auch Merkels ohnehin schlimmer Ton wird ja immer schriller.
    20 Jahre nach der Einheit gehen wir auf neue kriegerische Auseinandersetzungen zu, denn genau darauf wird es hinaus laufen.
    Oder glauben wirklich Merkel und die paar anderen heir besonders Sarozy und die Finnen, die Völker lassen sich so einfach eine neue Diktatur andrehen?

  • Auch auf die Gefahr dass ich mich wiederhole, es wurde zusammen gekloppt was überhaupt nicht zusammen passt. Das war das Werk von gelernten Dummköpfen und jetzt bekommen wir die Rechnung präsentiert und diese kassieren ihre überhöhten Pensionen wie der "größte Finanzminister" den Deutschland je hatte, Hans Eichel.

    Den Euro in einen Nord- und Südeuro aufteilen ist nach Ansicht vieler fachkundiger aus der Wissenschaft möglich. Es fehlt am politischen Willen. Es fehlt aber auch der politische Wille der Europäer sich gegen die ständigen Angriffe der Wall Street und der City zu verteidigen. Diese Angriffe erfolgen, und davon bin ich zu 100% überzeugt, mit der politischen Rückendeckung aus dem Weißen Haus und mit stillschweigender Billigung Londons.
    Wenn FDJ Merkel den Euro als alternativlos bezeichnet, so bescheinigt sich sich damit selber, dass sie entweder fachlich überfordert ist oder zu faul ist über Alternativen nachzudenken oder sogar beides zutreffend ist. Allerdings ist von Seiten der Opposition auch nichts, rein gar nichts zu erwarten.
    Ob Frankreich, die Grande Nation, nun zum Norden oder Süden zu rechnen ist, darüber kann man geteilter Meinung sein. Ich glaube, im Zweifel wird sich Frankreich dahin bewegen wo Frankreich entweder den meisten Einfluss ausüben kann oder es andere Vorteile für Frankreich bringt.

  • Die Finnen sind halt schlauer als unsere Angela Ferkel!

  • Wer zahlt schafft an! - das hat schon immer am besten funktioniert.

    Aber im Falle des Euro wird auch das nicht helfen. Die sinnvollste Möglichkeit ist ein Austritt Deutschlands und die Rückkehr zum EWS. Dieses hat jahrzehntelang gut funktioniert. Der Euro dagegen hat Europa schon nach 10 Jahren in eine Katastrophe gestürzt und Unfrieden gesät.

  • Das traut sich ja nicht einmal Deutschland zu fordern. Weil es zu dumm dazu ist. Die überschuldeten Südländer überstimmen jetzt schon in ihrer Geldgier die Nordstaaten in der EZB. Dabei wäre es einfach: Geldhahn zudrehen und gerechte Stimmverteilung fordern.

  • @alex: Ich habe nichts gegen eine Union mit Staaten, wenn die Verbindung wirtschaftlich, politisch, kulturell etc. sinnvoll ist. Nur weil die jetzige Euro-Konstruktion falsch war, kippe ich nicht gleich das Kind mit dem Bade aus.

    Gerne bin ich bereit, einem ähnlich gesinnten, verbündeten Staat zu helfen, wenn dort mal etwas verrutscht sein sollte. Auch zu Lasten meines eigenen Geldbeutels. Möglicherweise kommt der Tag, an dem ich auf die Hilfe anderer angewiesen bin.

    Wenn Sie sagen, dass wir vor dem Euro Verbündete hatten, so sollten Sie bedenken, dass wir jetzt mitten im bzw. fast schon nach dem Euro sind. Außerdem ist der Europa und die USA verbindende Ost/West-Konflikt behoben. Schlichtweg, wir können die Zeit nicht rückwärts drehen, sondern müssen von dem Status aus agieren, in dem wir uns aktuell befinden.

  • Und wenn Sie Kinderspielgeld nehmen würden: was dann?
    Dann könnten Sie mit Ihrer Kinderpost und Ihrer Spielzeugeisenbahn weiterspielen.

    sry.

  • @keepcool, wirtschaftsnationalismus? ich bin sicher das die meisten die zeit der DM nicht so empfunden haben - das gegenteil ist eher der fall. wenn ich etwas über den deckelrand schaue erkenne ich das nationalismus inzwischen europäisch funktioniert. Nationalismus pro EU und pro EURO ist politisch ok - den möchte jedoch nur eine kleine minderheit - nämlich die die davon profitiert.
    du schreibst: Verbündete und Freunde zu haben tut gut - hatten wir die vor der euro einführung nicht? Hat nicht die gemeinschaftswährung erst den "good will" komplett versaut und ad absurdum geführt?

    du schreibst das man mit wirtschaftsnationalismus und isolationismus in der globalisierten welt nicht weiter kommt - wie kommst du darauf? keine gemeinsame währung zu haben bedeutet nicht das man im umkehrschluss nationalistisch, geizig und isolationistisch ist. die abkehr von unserer eigenen währung, die aufgabe von souveränität an übernationale strukturen hat uns doch erst an den rand der sklaverei gebracht. du sagst da kommen wir nicht weit - willst du da überhaupt hin - ich denke da waren wir schon.

  • Fein, wenn Frankreich zu den PIIGS gehören sollte, dann hieße das nicht mehr PIIGS, Sie Held.
    Eine kaum denkbare entsprechende Wortschöpfung sollte man Ihnen nicht überlassen wollen.

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