Euro-Krise
Griechenland darf mit weiteren Milliarden rechnen

Die Troika zeigte sich nach einer Prüfung der Bücher zufrieden. Grünes Licht für weitere Finanzhilfen muss aber die Euro-Gruppe geben. Staatsbedienstete bangen nun um ihren Job – und verprügelten Athens Bürgermeister.
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AthenDie Verhandlungen über die Auszahlung einer weiteren Kredittranche für Griechenland stehen vor dem Abschluss. „Wir haben sehr gute Fortschritte erzielt“, sagte der Griechenland-Beauftragte des Internationalen Währungsfonds, Poul Thomsen, nach Gesprächen mit der Regierung in Athen. Er hoffe, dass die Verhandlungen am Montagmorgen vor dem Treffen der Euro-Finanzminister abgeschlossen seien. Dabei sollen Kredite mit einem Volumen bis zu 8,1 Milliarden Euro für Griechenland beschlossen werden. Ein Teil der Summe wird benötigt, um Anleihen im Wert von 2,2 Milliarden Euro abzulösen. Ihre Rückzahlung wird im August fällig.

Auch EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte Reuters, man sei auf gutem Wege, eine Einigung zu erzielen. Die abschließende Entscheidung falle aber erst am Montag. Es liege an Griechenland, die verbliebenen Probleme auszuräumen.

Griechenlands Finanzminister Ioannis Stournaras äußerte sich vor Reportern zwar optimistisch, dass es am Montagabend zu einer Einigung in der Euro-Gruppe kommen werde. Da der Prüfbericht der Geldgeber-Troika erst in letzter Minute vorliegen wird, rechnen Brüsseler Diplomaten allerdings nicht mit schnellen Beschlüssen der Chef-Kassenhüter. Möglich ist eine Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt, beispielsweise bei einer Telefonkonferenz. Es wird auch damit gerechnet, dass die Hilfen in mehreren Teilbeträgen ausgezahlt werden.

Nach übereinstimmenden Berichten der griechischen Presse soll das wichtigste Thema, die sogenannte „Mobilitätsreserve“, abgehakt sein. Bis Ende September müssen demnach 12.500 Staatsbedienstete in andere Behörden versetzt werden, in denen es an Personal mangelt. Sollte kein Arbeitsplatz für sie gefunden werden, sollen sie gehen. Zu den Betroffenen zählen auch gut 3500 Kommunalpolizisten. Auch tausende Angestellte der Städte und Gemeinden sind betroffen.

Aus Protest gegen mögliche Massenentlassungen im Kommunalbereich haben Unbekannte den Bürgermeister der griechischen Hauptstadt Athen, Giorgos Kaminis, zunächst verbal und danach auch mit Faustschlägen attackiert und seinen Wagen beschädigt. Der Zwischenfall ereignete sich am späten Sonntagabend, wie Augenzeugen berichteten. Kaminis machte am Montag im Fernsehen die Gewerkschaft der Kommunen für die Attacke verantwortlich. „Ich will nicht in die Details gehen. Solche Attacken gegen gewählte Vertreter sind inakzeptabel“, sagte er. Sein Wagen sei schwer beschädigt worden, auch sein Fahrer sei angegriffen worden, sagte er. Die Regierung und der Verband der Kommunen Griechenlands verurteilten die Attacke. Die Gewerkschaft der Kommunen machte Rechtsextremisten verantwortlich.

Die Euro-Gruppe wird am heutigen Montag auch über Zypern beraten, das ebenfalls am Tropf internationaler Geldgeber hängt. Dabei wird es insbesondere um die Lage des Finanzsektors gehen. Bei der radikalen Verkleinerung der aufgeblähten Bankenbranche werden auf der Insel auch Großanleger mit Vermögen über 100.000 Euro in die Pflicht genommen. In einem Brandbrief bat Präsident Nikos Anastasiades im Juni um weitere Hilfen für die größte Bank des Landes, die Bank of Cyprus. Entscheidungen zu Zypern stehen bei dem Treffen nicht an.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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  • Darum ging es doch eben gar nicht.

  • @ Delinix

    Die Umfrage habe ich gesehen. Diese ist aber nicht für eine ganze Bevölkerung representativ. Natürlich würde die AfD hohe Prozente einfahren, wenn die Leser dieses Forums abstimmen dürften. Aber solche Umfragen finden Sie auch auf SAT1-Videotext, da hat morgens die AfD 90% abends 10% etc.
    Die Situation hier ist vergleichbar mit der Lage in der Türkei oder Ägypten. Ein kleiner Teil der Bevölkerung will westlich orientierte laizistische Staatsführung durchsetzen. Das nützt aber nichts, da der Großteil der Bevölkerung konservativ religiös ist, und dies ist das Ergebnis einer demokratischen Wahl gewesen.
    Sie müssen davon ausgehen, dass der Großteil der Bevölkerung in DE konservativ und vorsichtig ist, und somit "Angst" vor einer neuen Partei wie AfD hat.

  • @McGyros
    Der Artikel, den Sie gelesen haben, ist vom 15.05. Parallel dazu lief aber die UMFRAGE weiter. Die Umfrage sehen Sie auch auf dieser Seite, etwas weiter rechts im Bild. Wenn Sie darauf klicken, sehen Sie alle Zahlen, die von Vicario genannt wurden.
    Die 1,5% gehören zu den Piraten, nicht zur AfD. Es ist etwas blöd formatiert, daher das Missverständnis.
    Alles klar jetzt?

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