Euro-Krise
Griechenland kann Rentner und Beamte nicht mehr bezahlen

Griechenland will noch mehr sparen, um unbedingt an die nächste Rate des Rettungspakets zu kommen. Fließt das Geld nicht, ist Athen pleite: Angela Merkel versucht deshalb Umschuldungsgerüchte sofort zu zerstreuen.
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Athen/BerlinDas hoch verschuldete Griechenland drängt auf eine Auszahlung der nächsten Hilfstranche des Internationalen Währungsfonds. Andernfalls könne Griechenland seinen Verpflichtungen nicht nachkommen, sagte Finanzminister Giorgos Papaconstantinou am Montag dem TV-Sender Skai.

Der IWF habe gegenüber der Regierung klargemacht, dass die Hilfe nur ausgezahlt werde, wenn EU-Gelder für das kommende Jahr garantiert seien. Auf die Frage, was passiere, wenn Griechenland keine weitere Tranche erhalte, sagte Papaconstantinou: „Das Land wird seine Auszahlungen stoppen...Gehälter, Renten - alle Staatsausgaben werden nicht mehr erfolgen.“

Zuvor hatte Griechenland schärfere Einsparungen zugesagt, um die Milliarden-Hilfen von EU und IWF auch weiterhin ausgezahlt zu bekommen. Die Regierung beschloss einem Sprecher zufolge Maßnahmen im Volumen von sechs Milliarden Euro, um das Haushaltsdefizit 2011 auf die vereinbarten 7,5 Prozent zu drücken. Zudem will das Land will sofort mit dem Verkauf der staatlichen Anteile an der Telekommunikationsfirma OTE, der Postbank, der Häfen Athen und Thessaloniki sowie der Wasserwerke Thessaloniki beginnen. Außerdem gründet Griechenland einen neuen Staatsfond, in dem Immobilien und für Privatisierungen vorgesehenes Vermögen gebündelt wird.

EU und IWF als Krisenhelfer für Griechenland hatten zuletzt die Auszahlung von zwölf Milliarden Euro Hilfen an die Bedingung geknüpft, dass die Regierung in Athen ein plausibles Konzept vor allem im Hinblick auf Privatisierungen vorlegt.

Vor dem Hintergrund der dramatischen Lage in Griechenland haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Eurozonen-Chef Jean-Claude Juncker am Montagabend in Berlin ein vertrauliches Gespräch geführt. „Beim weiteren Umgang mit Griechenland war man sich einig, dass eine enge Abstimmung mit dem IWF und der EZB notwendig ist“, hieß es am Abend aus Teilnehmerkreisen. Weitere Details wurden nicht genannt. Der Hinweis auf die nötige Kooperation mit der EZB dürfte aber bedeuten, dass sowohl Merkel als auch Juncker die Debatte über eine mögliche Umschuldung des Landes unterbinden wollen.

Denn die EZB hatte unmissverständlich klar gemacht, dass sie diese ablehnt. Eine Verständigung mit der EZB ist aber auch deshalb wichtig, weil sich derzeit eine Troika aus EZB, IWF und EU-Kommission in Griechenland befindet. Sie prüft, ob es weitere Hilfen für Griechenland geben sollte - und die Voraussetzungen dafür vorhanden sind. Bereits mehrfach hatten sowohl die Bundesregierung als auch andere EU-Partner die Regierung in Athen aufgefordert, mehr zu tun, um die strukturellen Probleme des Landes zu lösen.

Ein weiteres Thema des Gesprächs Merkels mit Juncker, an dem auch Finanzminister Wolfgang Schäuble teilnahm, war der künftige Rettungsfonds ESM, der seine Arbeit Mitte 2013 aufnehmen soll. Hier hatten die Euro-Finanzminister vergangene Woche über einen Entwurf beraten. Der Vertrag soll auf dem EU-Gipfel Ende Juni beschlossen werden.

Strittig ist hier unter anderem, in welcher Form die Beteiligung privater Gläubiger an künftigen Krisenbewältigungen in der Eurozone in dem Vertragsentwurf erwähnt werden soll. Deutschland pocht auf sehr klare, bindende Formulierungen im Vertragstext selbst, viele EU-Partner möchten dies nicht. Als Vorsitzender der Eurozone nimmt Luxemburgs Ministerpräsident Juncker hierbei eine wichtige, vermittelnde Rolle ein.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • "Die Schaffung von Reichtum ist durchaus nichts Verachtenswertes, aber auf lange Sicht gibt es für den Menschen nur zwei lohnende Beschäftigungen: die Suche nach Wissen und die Schaffung von Schönheit. Das steht außer Diskussion - streiten kann man sich höchstens darüber, was von beidem wichtiger ist."

    Arthur C. Clarke (Profile der Zukunft)

    Wer in Kategorien von "gut" und "böse" denkt, bzw. darum noch gar nicht mit dem Denken angefangen hat, aber von sich glaubt, er wüsste schon was, mag die Tatsache, dass der seltene Reichtum in "dieser Welt" auf Kosten der Mehrarbeit anderer und nicht auf Apfelbäumchen wächst, als "unmoralisch" empfinden. Wer sich dagegen auf die Suche nach Wissen begibt und bereits eingesehen hat, dass die sinnvollste Verwendung von Gold die Vergoldung elektrischer Steckkontakte ist, stößt am Ende auf die Alles entscheidende Frage:

    Warum hat eine Menschheit, die bereits Raumfahrt betreibt, etwas im Grunde so Einfaches wie das Geld bis heute nicht verstanden?

    Die Ursache ist eine künstliche Programmierung des kollekiv Unbewussten, welche die halbwegs zivilisierte Menschheit überhaupt erst "wahnsinnig genug" für die Benutzung von Geld machte (Edelmetallgeld ist immer Zinsgeld), lange bevor diese seitdem grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung wissenschaftlich erforscht war. Anderenfalls hätte das, was wir heute "moderne Zivilisation" nennen, gar nicht erst entstehen können! Das - und nichts anderes - war (und ist noch) der eigentliche Zweck der Religion, die vom Wahnsinn mit Methode zum Wahnsinn ohne Methode mutierte, und die uns - unabhängig vom so genannten Glauben (Cargo-Kult) - alle zu Untertanen machte, die ihr eigenes Programm nicht kennen.

    Die Bewusstwerdung der Programmierung nennt sich "Auferstehung".

    Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert:

    http://www.deweles.de/willkommen/cancel-program-genesis.html

  • Es hilft nur eins, Griechenland muß das Bündnis verlassen,
    wir Deutschen können nicht und wollen auch nicht für alle EU-Staaten zahlen!!!
    Lieber ein Ende mit schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!!1

  • Wer denkt denn von Ihnen an die deutschen Rentner
    u.Pensionäre .
    Seit der Wiedervereinigung u. dem Euro gehen doch die
    Bezüge nur noch nach unten .
    Minus-Rentenerhöhung.Beiträge Kk. u.Pflege jedes Jahr hoch
    Allg.Abgaben immer höher ,usw.

    Armes Deutschland !

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