Euro-Krise in Griechenland: Das Ende der Tsipras-Show

Euro-Krise in Griechenland
Das Ende der Tsipras-Show

Der neue griechische Regierungschef Alexis Tsipras hat eine Woche seinen großen Auftritt zelebriert. Binnen weniger Tage verspielte er viel Vertrauen. Nun ist die Galavorstellung vorbei – und die richtige Arbeit beginnt.
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DüsseldorfAlexis Tsipras hat sich nicht lumpen lassen. Nach seinem Wahlsieg vor zwei Wochen ließ der neue griechische Ministerpräsident den Emotionen freien Lauf. Die „desaströse Sparpolitik“ sei ebenso beendet wie die Zusammenarbeit mit der Troika der Gläubiger aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF.

Griechenland werde tausende entlassene Beamte in den Staatsdienst zurückholen und mit seinen internationalen Kreditgebern über einen Schuldenschnitt verhandeln. Das waren starke Worte, vor allem vor dem Hintergrund, dass Griechenland weiter auf Finanzhilfen angewiesen ist.

Umso schneller steuert nun die griechische Regierung um. Im Interview mit der britischen „Financial Times“ deutet Finanzminister Yanis Varoufakis eine mögliche Abkehr vom geforderten Schuldenschnitt für sein Land an.

Statt des bisher geforderten Schuldenerlasses sei nun auch „eine Liste von Umschuldungsmaßnahmen“ möglich, um die Schuldenlast Griechenlands zu erleichtern, sagte Varoufakis. Dazu brachte der Minister neue Anleihen ins Gespräch, ebenso wie ein schärferes Vorgehen gegen Steuersünder. „Der Umschuldungs-Vorschlag des griechischen Finanzministers ist ein erstes Zurückrudern der neuen Regierung“, sagt Commerzbank-Analyst Christoph Weil.

Die Euro-Länder haben aus seiner Sicht durchaus starke Hebel gegenüber der griechischen Regierung. Zum Beispiel darf die EZB eigentlich keine griechischen Staatsanleihen als Sicherheiten akzeptieren, wenn sich das Land aus dem Hilfsprogramm zurückzieht. Genau das aber hat Tsipras angekündigt. Ohne die Staatsanleihen als Sicherheiten könnten sich die griechischen Banken nicht mehr bei der EZB refinanzieren.

„Sollte die Fortführung des Hilfsprogramms für Griechenland in Frage stehen, könnte dies bereits die geldpolitische Refinanzierung gefährden. Das hätte fatale Folgen für das griechische Finanzsystem“, hatte Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel im Handelsblatt-Interview gewarnt. Dies wäre zwar auch für die anderen Euro-Länder schlecht, vor allem aber träfe es die Griechen selbst.

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Drei Vorschläge des Finanzministers

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  • Am Beispiel Griechenland zeigen doch Merkle und Schäuble ganz offen, was sie von einer Politik für einen Normalbürger (der keine Millionen oder Milliarden ergaunert hat) halten. Welch ein Armutszeugnis christlicher, humaner Werte.

  • Ich habe biss jetzt das Handelsblatt gerne gelesen. Aber jetzt seht es aus wie ein deutsche national Zeitung anstelle von ein handelsblatt. Schade.

  • Herr Enrico "FatFinger" Caruso - 03.02.2015, 20:10 Uhr: Die Armut haben sie die Griechen selbst eingebrockt, in dem sie 40 Jahre Parteien gewählt haben, die den Staatsapparat aufgebläht und Korruption gefördert haben. Der dt. Steuerzahler und gar die Kanzlerin haben damit so überhaupt nichts zu tun.

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