Euro-Krise
Italiener streiken gegen Montis Sparkurs

Mit landesweiten Streiks und Demonstrationen haben die italienischen Gewerkschaften eine Aktionswoche gegen die Sparpolitik der Regierung eingeläutet. Betroffen war auch der Autobauer Fiat.
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RomMit Streiks und Demonstrationen haben in mehreren Städten Italiens am Montag zahllose Menschen erneut ihren Ärger über die Sparpläne der Regierung zum Ausdruck gebracht. Die Gewerkschaften kündigten eine Aktionswoche mit vielen kurzzeitigen Arbeitsniederlegungen in unterschiedlichen Branchen und Bereichen an.

Der Aktienindex der Mailänder Wertpapierbörse fiel um zwei Prozent. Der Richtpreis für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg um 0,52 Prozentpunkte auf 6,76 Prozent. Dennoch musste Italien bei der Herausgabe von Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit am Montag geringere Aufschläge zahlen als noch vor einem Monat.

Der Zinssatz fiel bei der Auktion zwölfmonatiger Anleihen von zuletzt 6,087 Prozent auf 5,92 Prozent. Italien konnte damit insgesamt sieben Milliarden Euro aufnehmen. Die Ausgabe der Anleihen wurde vom italienischen Bankenverband initiiert und ermöglichte es auch Privatanlegern, sich ohne die üblichen Gebühren nationale Schuldscheine zu sichern.

Den Auftakt der Streikwoche machten die Metallarbeiter, die für acht Stunden in den Ausstand traten. In Turin, dem Sitz des Autobauers Fiat, gingen hunderte Mitarbeiter des Konzerns sowie andere Metallarbeiter auf die Straße. Die von Ministerpräsident Mario Monti angestrebten Maßnahmen träfen vor allem die Rentner und Arbeiter, sagten Gewerkschaftsführer in einer Stellungnahme.

Das Mailänder Opernhaus La Scala musste ein Konzert absagen, weil auch Bühnenarbeiter in den Ausstand traten. Durch die Straßen von Genua marschierten Arbeiter gemeinsam mit Studenten, die gegen Kürzungen im Bildungshaushalt protestierten. Für den Abend riefen Gewerkschaften zu einer Demonstration vor dem Parlament in Rom auf. Es wird erwartet, dass die italienischen Abgeordneten noch vor Weihnachten die Sparpläne beschließen.

Der öffentliche Nahverkehr war von den Streiks noch nicht betroffen, allerdings riefen Gewerkschaften dieses Sektors für kommenden Donnerstag und Freitag zum Ausstand auf. Am Freitag werden voraussichtlich auch Bankangestellte die Arbeit niederlegen. Weite Teile des öffentlichen Dienstes sollen am kommenden Montag bestreikt werden.

Montis Regierung plant, ein Drittel der rund 30 Milliarden eingesparten Euro in die Infrastruktur und andere Projekte zu investieren, um damit die italienische Wirtschaft anzukurbeln. Arbeitsministerin Elsa Fornero sagte nach einem Treffen mit Gewerkschaftsführern, dass einige Teile der Rentenreform noch geändert werden könnten, aber im Grundsatz müsse im geplanten Umfang gespart werden. Auch die Wiedereinführung der Steuer auf Wohneigentum werde sozial abgefedert, sodass vor allem kinderreiche Familien nicht zu hart von der Steuer getroffen würden. Der ehemalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte die Steuer abgeschafft.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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