Euro-Krise
Italiens Unternehmer fallen Berlusconi in den Rücken

Der Premier verliert die Unterstützung seiner ehemals treuen Wähler. Die italienischen Unternehmer haben immer hinter ihm gestanden, doch nun fordert selbst der  Industrieverband seinen Rücktritt.
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RomEindeutig sind die Zahlen einer Umfrage, die das italienische Wirtschaftsmagazin „Il Mondo“ am Wochenende unter der Überschrift „Bye bye Silvio“ veröffentlicht hat: 78 Prozent der Unternehmer haben „wenig oder sehr wenig“ Vertrauen in Premierminister Silvio Berlusconi, 20 Prozent „viel oder sehr viel“ und zwei  Prozent haben sich nicht geäußert. Das war einmal anders. Seit 1984, als der Medienunternehmer und Multimillionär in die Politik ging, hatten die italienischen Unternehmer hinter ihm gestanden. Viele waren in seine neue Bewegung „Forza Italia“ eingetreten – keine Partei im klassischen Sinn, sondern eine auf ihn zugeschnittene Organisation, deren Programm nach Marktforschungen Berlusconis eigener Werbeagentur Publitalia geschrieben wurde mit dem Slogan „Weniger Steuern für alle, mehr Markt, weniger Staat“.

Wortführerin der Kritik  und täglich mit mehr als deutlichen Zitaten in den Zeitungen ist Emma Marcegaglia, die Präsidentin des einflussreichen Industrieverbands Confindustria, in dem 146.046 Unternehmen vertreten sind. „Das Sparpaket enthält nur mehr Steuern und keine Maßnahmen für Wachstum und es löst nicht die Probleme des Landes“, sagte sie in Rom bei der Vorstellung des Outlooks des Studienzentrums der Confindustria, in dem die Wachstumsprognosen drastisch nach unten korrigiert wurden. „Entweder die Regierung macht ernsthafte Reformen oder sie soll nach Hause gehen“, legte sie vor kurzem nach. „Wir sind es leid, als internationales Gespött angesehen zu werden.“

Das habe es noch nie in der italienischen Geschichte gegeben, dass Confindustria den Rücktritt der Regierung fordert, sagt Enrico Letta dem Handelsblatt, „Und Emma Marcegaglia hat alle hinter sich.“ Auch die Banker würden so denken. Der stellvertretende Parteivorsitzende der größten Oppositionspartei PD, ehemaliger Industrieminister und Staatssekretär beim Ministerpräsidenten in der Regierung Prodi, spürt den Bruch zwischen Berlusconi und den Unternehmern seit einem Jahr, „vor zwei Monaten ist er eskaliert, als die Unternehmer zu verstehen begannen, dass sich Italien Griechenland annähert.“ Wenn Italien Pleite gehe, würden die Unternehmer alles verlieren.

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Enttäuschte Hoffnungen

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  • Die Unternehmer brauchten 25 Jahre, um Berlusconi endlich zu durchschauen? Wer's glaubt...

    Jetzt erst, nachdem man so langsam seine Felle wegschwimmen sieht, verlassen die Ratten das sinkende Schiff. Sie haben dieses italienische Desaster mitverursacht, dann sollen sie auch mit dafür haften.

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