Euro-Krise
Klinkenputzen auf Griechisch

Stippvisite in Peking, bald in Moskau und auch in der Schweiz: Griechenlands Regierung sucht außerhalb der EU nach Kapital. Sechs Strategien, wie Athen an Geld kommen würde. Eine davon könnte die EU-Partner düpieren.
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DüsseldorfKlinkenputzen auf Griechisch: Aus Berlin und Brüssel brachte der griechische Premier Alexis Tsipras keine neuen Milliarden mit. Immerhin hat die Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Rahmen für Notkredite (ELA) für griechische Banken auf über 71 Milliarden Euroaufgestockt. Bei einer Telefonkonferenz der Notenbanker am Mittwoch wurde dieser Beschluss gefasst, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Zuvor lag der Rahmen bei 69,8 Milliarden Euro.
Auch dieses Mal gab es heftige Diskussionen, wie es in den Kreisen weiter heißt. Vor allem die Bundesbank sehe die Hilfen kritisch. Im Wochenrhythmus hebt die EZB das Limit an. Seit Anfang Februar sind griechische Banken von den normalen Refinanzierungsgeschäften der EZB ausgeschlossen, weil die EZB griechische Staatsanleihen und staatlich garantierte Bankanleihen nicht mehr als Sicherheit akzeptiert. Stattdessen bekommen die griechischen Banken hauptsächlich Geld über ELA-Notkredite der griechischen Notenbank.

Also müssen die Griechen weiter suchen, jetzt reisen der Regierungschef und seine Minister weiter um die Welt – nach Peking heute und bald auch nach Moskau. Das griechische Kabinett sucht nach Geldern, die einen „Graccident“ – einen ungeordneten und damit folgenschweren Austritt Griechenlands aus der Eurozone – verhindern könnten.

Das Krisenland hangelt sich bereits seit Wochen von Stichtag zu Stichtag und balanciert dabei ständig am Abgrund zur Staatspleite. Seit Beginn des Jahres sind die Steuereinnahmen eingebrochen und in den kommenden Wochen werden immer mehr Zahlungen fällig. Jeden Monat sind es etwa 4,5 Milliarden Euro, die Athen braucht, um seine Verpflichtungen zu erfüllen.

Vergangene Woche hat das Ministerium von Finanzminister Yanis Varoufakis bereits 560 Millionen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) überwiesen. Laut Experteneinschätzung von IWF und EU reicht das griechische Geld bis Anfang April aus. Dann werden weitere rund 467 Millionen Euro für den IWF fällig. Diese Woche muss die Regierung zudem Renten und Beamtenbezüge in Milliardenhöhe zahlen.

Überall und auf ganz unterschiedlichen Wegen versucht Athen nun, Geld zusammen zu kratzen. Sechs Strategien, wie das gelingen könnte:

1. Hilfen von den Genossen

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Den Besuch in Moskau haben Premier Tispras und Verteidigungsminister Panos Kammenos vom 9. Mai auf den 8. April vorverlegt – und das ist just der Tag, an dem nach Berechnungen der EU-Kommission dem Land das Geld ausgeht. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert dagegen eine „informierte Person“, nach der das Geld noch bis zum 20. April reichen wird. So oder so: Bei dem Antrittsbesuch der neuen Links-Rechts-Regierung bei Kremlchef Wladimir Putin geht es auch um russische Hilfskredite. Ein ähnliches Gesuch Zyperns vor genau zwei Jahren hatte Putin noch abgelehnt.

Den Hilferuf der Genossen aus Athen – wie viele führende Syriza-Politiker stammt Tsipras aus der sowjetischen Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) – wird er wohl nicht so leicht abweisen. Direkt nach Tsipras' Wahlsieg hatte der russische Finanzminister Anton Siluanow bereits Finanzhilfen in Aussicht gestellt. Putin könnte damit auch auf die Sanktionen seitens der EU reagieren. Diplomaten warnen sogar, dass der russischen Präsident damit einen Keil zwischen EU und Nato treiben könnte. Neben Darlehen erhoffen sich Tsipras und Co. von Moskau außerdem die Aufhebung von Importbestimmungen für griechische Agrarprodukte. Auch aus China bekommen die Griechen möglicherweise Hilfe in Form von Hilfskrediten – und Wertpapierkäufen: Chinesische Staatsfonds sind zudem als Käufer griechischer Geldmarktpapiere im Gespräch.

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  • Ach ja, die Russen und Chinesen werden sicher ihren Spass mit Griechenland haben, wenn sie denn so doof wären und sich dort echt einbringen. Und die Griechen? Würden wohl lernen, dass diese neuen möglichen Partner nicht besser sind und im Fall von Russland .... naja die Krim-Bevölkerung ist ja anscheinend auch nicht mehr so begeistert.

  • Nach wie vor raus mit Griechenland aus dem Euro und um nächsten Trouble zu vermeiden auch gleich aus der EU und NATO. Viel Spaß mit Russland und China, China will Geschäfte machen und wohl nicht gerade übermotiviert sein und Rußland? Naja Putin im im Sowjet Großmachtswahn und würde wohl die Chance ergreifen - so what? Die Grenze zu "verteidigen" wird weiterhin möglich sein, vielleicht sogar besser. Und Russland selbst wird wirtschaftlich wie zuvor einknicken.
    Am Besten wäre es doch wir kriegen unsere Kredite bezahlt, von mir aus Russland geht rein und wir haben ausreichend Geld für alles Mögliche.

  • Wenn Tsipras Geld von Putin bekommt und GR somit womöglich in der Eurozone bleibt, kann Putin nach Lust und Laune diese kranke Zone hinrichten oder zu aberwitzigen Zahlungen zwingen. Er braucht seinen Kreditvertrag nur so abzufassen wie den mit der Ukraine... z.B. kann er das Zahlungsziel so definieren, dass der Betrag fällig wird, wenn ein bestimmter Umstand eintritt.

    Herzlichen Glückwunsch, liebe EU-Polit-Mafia! Wenn wir Bürger Euch schon nicht richten können, weil Ihr Euch mit einem Wall von Immunität umgeben habt – PUTIN kann es. (Daumen drück :D).

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