Euro-Krise
Lettland fordert Athen zu Euro-Austritt auf

Griechenland soll die Euro-Zone verlassen und das „so bald wie möglich“, fordert der lettische Finanzminister Andris Vilks. Damit erhält die Debatte nach Röslers umstrittenen Äußerungen neuen Zündstoff.
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Riga/AthenDer lettische Finanzminister Andris Vilks hat Griechenland aufgefordert, die Euro-Zone „so bald wie möglich" zu verlassen. Dazu müsse „je schneller, desto besser" ein Weg gefunden werden, sagte Vilks am Freitag dem Radiosender LR1. Der konservative griechische Regierungschef Antonis Samaras verhandelte in Athen mit den internationalen Geldgebern über weitere Einsparungen in Höhe von 11,5 Milliarden Euro für 2013 und 2014.

Lettland ist seit 2004 Mitglied der Europäischen Union und hofft, 2014 auch den Euro einführen zu können. Anders als Griechenland erfüllt das Land seine von den Gläubigern vorgegebenen Sparverpflichtungen für ein 2008 gewährtes, internationales Hilfsprogramm. Lettlands Weg aus der Krise wird deshalb häufig als Vorbild für hochverschuldete Staaten bezeichnet.

Die griechische Regierung will in den kommenden beiden Jahren 11,5 Milliarden Euro einsparen. Dazu sind voraussichtlich weitere Kürzungen bei den Renten, der Sozialhilfe und bei den Ausgaben für das Gesundheitswesen nötig. Das hochverschuldete Land ist dringend auf eine Milliardentranche aus dem Hilfskredit der Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) angewiesen. Im Gegenzug muss es drakonische Sparauflagen erfüllen.

Einzelheiten über das Treffen von Samaras mit den Experten der Troika waren zunächst nicht bekannt. Der Chef der an der Regierung beteiligten sozialistischen Pasok-Partei, Evangelos Venizelos, sagte, er befürchte, dass einige dächten, „Griechenland muss wie Iphigenie aus der antiken griechischen Mythologie geopfert werden, damit erneut ein günstiger Wind in den Segeln der Eurozone weht".

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  • @Qwerz1
    Sie haben offenbar den Sinn der zahlreichen Rettungsaktionen verkannt. Es geht doch gar nicht darum, irgendwelchen Völkern zu helfen. Es geht allein darum, Vermögen umzuschichten. Und zwar von der Seite der Steuerzahler auf die Seite der Banken und damit der Anleger. Für so eine Aktion braucht man ein entsprechendes Schreckensszenario, denn ansonsten würden die Steuerzahler ja nicht mitmachen.
    Das Schreckensszenario entwirft man mithilfe der Börsen – dabei sind die hohen Schuldenstände und die unsoliden Wirtschaftspolitiken der Schuldenländer natürlich äußerst hilfreich. Und vor allem helfen die tollen Konstruktionsfehler des Euro. Ohne den ginge es ja praktisch gar nicht…

    So, und nun kommen Sie daher und fordern, dass man den Reichen etwas von ihrem sauer fort transferiertem Geld etwas wegnimmt.. tsss tss.
    Das wäre ja kontraproduktiv. Da müsste man das Geld ja noch mal für irgendeinen Luxuskonsum ausgeben, damit es danach wieder in die Schweiz geschafft werden kann etc. etc.

    Und außerdem – welch ein schlechtes Beispiel wäre das denn für die anderen Schuldenländer! Deren Einwohner würden doch womöglich auch auf den Gedanken kommen, ihre eigene reiche Oberschicht für den von ihnen meist selbst angerichteten Schaden bluten zu lassen!
    So etwas geht doch nicht. Nicht mit der Troika. ;)

  • Natürlich will die österreichische Regierung GR möglichst lange im € behalten... schließlich haben sie bergeweise griechische Staatsanleihen gebunkert. Die müssen erst noch vom europäischen Steuerzahler abbezahlt werde, bevor Österreich finden endlich auch wird, dass GR raus sollte.

  • Die griechische Elite nutzt in einer unverschämten Art und Weise große Teile der eigenen Bevölkerung als Schutzschild um ihre Macht und ihr Vermögen zu schützen. Ich verstehe voll und ganz, dass die bisherigen Anstrengungen für weite Teile der Bevölkerung sehr schlimm sind, und weitere Einsparungen kein Lösungsweg sind. Was die griechischen Eliten allerdings nicht sagen, ist dass viele reiche Griechen bisher praktisch kaum einen Rettungsbeitrag geleistet haben!

    Laut einer Studie des griech. Finanzministeriums liegen mindestens 200 Mrd. Euro auf griech. Konten in der Schweiz. Dabei wird vermutet, dass ein großer Teil dieser Vermögen unversteuertes Schwarzgeld ist. Warum wird hier kein Steuerabkommen zwischen Griechenland und der Schweiz ausgehandelt, wie es auch England und Deutschland gemacht haben? Mit einer einmaligen Quellenbesteuerung wird das Geld legalisiert und kann in Zukunft dann ganz regulär besteuert werden. Bei einer ähnlichen Besteuerung wie Deutschland oder England würde Griechenland auf einen Schlag 40-60 Mrd. Euro einnehmen können und zukünftig einige Mrd. Euro pro Jahr! Das schweizer Vermögen der Griechen trägt nicht zum Wachstum in Griechenland bei, und eine Besteuerung wird sich deshalb im Vergleich zu anderen Steuerhöhungen und Leistungskürzungen im Inland nicht negativ auf das griechische Wachstum auswirken!

    Dass die griechischen Politiker (praktisch aller Parteien) das nicht frewillig umsetzen ist klar, da ein Teil der schweizer Konten ja von den Politikern selbst sind, und ein weiterer Teil von ihren Freunden und Unterstützern. Aber warum zwingt hier die Troika (oder das griechische Volk) die griechischen Politiker nicht zu einem solchen Schritt? Anstatt das Geld von europäischen Steuerzahlern zu nehmen, sollte als erstes Mal Geld von den reichen Griechen genommen werden! Dann könnte man auch die Sparprogramme für große Teile der Bevölkerung sofort wieder etwas lockern und die Wirtschaft ankurbeln.

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