Euro-Krise
„Man muss den Schuldenländern gratulieren“

Paul De Grauwe gehört zu den weltweit führenden Forschern auf dem Gebiet der Währungspolitik. Im Interview erklärt er, warum harte Stabilitätskriterien der Eurozone wenig helfen und eine Transferunion unvermeidbar ist.
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Herr Professor De Grauwe, wie bewerten Sie die Ergebnisse des EU-Gipfels?

Die Ergebnisse sind leider ziemlich ernüchternd. Man ist nur in einem Punkt –  bei der Haushaltsdisziplin – weiter gekommen. Das aber hilft auf kurze Sicht überhaupt nicht - und bringt auch auf längere Sicht kaum Entlastung.

Was muss auf kurze Sicht passieren?

Die EZB muss am Anleihemarkt viel stärker eingreifen, um die Angst an den Märkten in den Griff zu kriegen. Gelingt dies nicht, droht eine Bankenkrise. Die Bedingung der EZB für ein stärkeres Eingreifen war, dass sich die Euro-Länder auf einen Fiskalpakt einigen. Das haben sie gemacht. Ich verstehe nicht, warum die EZB jetzt nicht reagiert.

Die EZB argumentiert, dass ein stärkeres Eingreifen zu Anreizproblemen führen würde. Der Antrieb zu sparen könnte bei niedrigeren Zinsen schnell erlahmen…

Dieses Argument ist nicht überzeugend. Die EZB gibt den Banken nach ihrer jüngsten Aktion fast zinslos Kredite. Das verursacht genauso Anreizprobleme, ist aber weniger effektiv als direkt am Anleihemarkt einzugreifen. Das Bilanzrisiko der Banken ist etwa dreimal so hoch wie das der Staaten. Es wäre billiger gleich am Anleihemarkt zu intervenieren, als später die  Banken zu retten.

Wie könnte das aussehen?

Das Problem ist die Unsicherheit über den Zusammenhalt des Währungsraumes. Diese Unsicherheit sorgt für Panik am Anleihemarkt. Deshalb muss die EZB klar machen, dass sie im Zweifel einspringt und angeschlagene Euro-Länder vor einer Pleite bewahrt.

Reicht das?

Ein weiterer Punkt ist die Mechanik der Anleihekäufe. Bisher entzieht die EZB dem Markt die gesamte Liquidität, die sie für Anleihekäufe aufwendet. Es ist nicht nötig, dass sie das in vollem Umfang macht. Das Geldmengenwachstum in der Eurozone liegt unter dem angestrebten Referenzwert der EZB von 4,5 Prozent. Es wäre durchaus möglich ein höheres Geldmengenwachstum zuzulassen, ohne dadurch eine hohe Inflation zu riskieren.

Kommentare zu " Euro-Krise: „Man muss den Schuldenländern gratulieren“"

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  • ein höherer konsum dürfte wohl kaum durch angebote aus den PIGS gedeckt werden, da diese schlicht die wohl nachgefragten produkte nicht herstellen, vielleicht sollte man die währungsunion einfach gegen die wand fahren lassen, frei nach dem motto lieber ein ende mit schrecken, als ein schrecken ohne ende. letztlich wird der nationale wähler, auch in den geberstaaten, irgendwann das letzte wort haben.

  • KeepCool

    Darf ich fragen und tippen? Sie bleiben gelassen. Sie sind pensionsberechtigt und zählen zu den 52 % der deutschen Bevölkerung, die selbst nicht vorsorgen müssen.

  • Dokumentation zur finanziellen Lage von Privaten in Europa:

    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/kapitalbilanz-sehr-hohe-geldvermoegen-im-euroraum-11563426.html

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