Euro-Krise
Portugal stemmt sich gegen den Schuldenschnitt

Griechenlands Entschuldung setzt Portugal unter Druck - aber hier ziehen Regierung und Bevölkerung an einem Strang. Das Land hat eine Chance, auf den Kapitalmarkt zurückzukehren. Doch es gibt noch einige Hürden.
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„Portugal wird weder mehr Geld noch mehr Zeit verlangen“, betont der portugiesische Finanzminister Vítor Gaspar bei jedem seiner Auftritte und Interviews. Damit tritt er Befürchtungen entgegen, Portugal könne dem Beispiel Griechenlands folgen, ein neues Rettungspaket und sogar einen Schuldenschnitt benötigen. Solche Ängste sind auf dem Markt für Kreditausfallversicherungen (CDS) ablesbar: Nach dem griechischen Schuldenschnitt kletterte Portugals Ausfallrisiko um fast einen Prozentpunkt auf 63,96 Prozent und liegt damit deutlich höher als das Risiko für Irland (40,8 Prozent) oder Spanien (29,08 Prozent). Das deutet daraufhin, dass Gaspar sich irren könnte. Wenigstens zur Hälfte.

Gegenüber den Partnern in der Euro-Zone gibt sich Portugal als Musterschüler. „Wir werden das Rettungsprogramm gemäß den vereinbarten quantitativen und zeitlichen Grenzen umsetzen“, beharrt Gaspar. In der Tat bescheinigte auch die sogenannte Troika aus EU, IWF und EZB, die Portugal im letzten Frühjahr einen Rettungskredit über 78 Milliarden Euro bewilligte, den Portugiesen gerade gute Arbeit bei der Haushaltssanierung und der Umsetzung von Strukturreformen. Portugals Program sei „on track“, lobten die Kreditgeber in einer kurzen Presseerklärung Ende Februar, nach Abschluss der jüngsten vierteljährigen Überprüfung des Rettungsprogramms.

Als wesentlichen Unterschied zu Griechenland heben die internationalen Kreditgeber nämlich stets hervor, dass das Rettungsprogramm eine breite politische Unterstützung genießt und auch von großen Teilen der Bevölkerung als unumgänglich akzeptiert wird. Zwar gibt es auch in Portugal den einen oder anderen Generalstreik vor allem gegen die Kürzungen im öffentlichen Dienst, wo die Gewerkschaften gut organisiert sind. Doch gewalttätige Proteste wie in Griechenland blieben bisher aus.

Portugal habe sich das Programm sehr zu eigen gemacht, heißt das in der Sprache der Troika, die diese Tatsache nun auch gegenüber der Öffentlichkeit betonen wollte, indem sie sich selbst aus dem Rampenlicht zurückzog.

Kommentare zu " Euro-Krise: Portugal stemmt sich gegen den Schuldenschnitt"

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  • Seit das Handelsblatt im Mai 2010 durch Gabor Steingart eine großangelegte Werbeoffensive für den Kauf griechischer Staatsanleihen gestartet hat – http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/handelsblatt-aktion-wir-kaufen-griechische-staatsanleihen/3426508.html -
    hat dieses Blatt zu dem gesamten Thema nichts mehr zu sagen - außer:

    "Entschuldigung, wir haben uns geirrt."

    Es waren übrigens gerade Kleinanleger, an die sich der Kaufappell richtete.
    Die gehen jetzt leer aus.

  • Bevor man sich an das "Familienbild" EU gewöhnen sollte, macht es Sinn, dass die Länder für alle wirksame ökonomische Strukturen entwickeln. Denn die Ökonomie hat die Kernaufgabe, die Lebensgrundlagen zu gewährleisten. Dann wird ein Schuh daraus.

  • KAUM IST GRIECHENLAND ABGESCHLOSSEN, GEHTS MIT PORTUGAL WEITER !? ZIEL DIESER AKTIONEN IST, DASS DIE LEUTE IN STÄNDIGE ANGST VERSETZT WERDEN SOLLEN, DIE UNGERECHTIGKEIT WIE Z.B. ( WULFF) SOLL AUFGEZEIGT WERDEN UND DIE MENSCHEN DAZU GEBRACHT WERDEN, IHR GANZES GELD AUSZUGEBEN FÜR JEDEN SCHWACHSINN DEN ES FÜR GELD ZU KAUFEN GIBT. SO ARBEITET DIE KATHOLISCHE KIRCHE (HIMMEL UND HÖLLE) WIE AUCH DIE POLITIK UND DIE BANKEN (DOMINO-EFFEKT, MASSENARBEITSLOSIGKEIT, TERROR) USW..

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