Euro-Krise
Portugiesische Bank schreckt Europa nur kurz

Europas Börsen haben sich vom gestrigen Schock erholt. Kurzzeitig hatten Probleme bei der größten Privatbank Portugals das Gefühl von Euro-Krise wieder aufleben lassen. Wie konnte es soweit kommen?
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MadridEuropas Börsen haben sich vom Schock am Donnerstag erholt. Auslöser waren Spekulationen über Finanzprobleme von Portugals größter Privatbank Espirito Santo (BES). Der spanische Ibex und die Mailänder Börse sind am Freitag im Plus, auch in Portugal selbst stiegen die Kurse. Selbst die Titel von Telefonkonzern Portugal Telecom, der knapp 900 Millionen Euro an kurzfristigen Schuldtiteln von GES hält, waren wieder im Aufwind.

Die portugiesische Zentralbank war der BES zuvor beigesprungen. „Die Liquidität von BES ist ausreichend“, sagte ein Sprecher der Notenbank am Donnerstagabend. „Anhand aller Informationen von BES sowie von seinem externen Wirtschaftsprüfer KPMG verfügt BES über ausreichend Kapital, um etwaige negative Auswirkungen aus der Exposition gegenüber dem Finanzarm der Gruppe Espirito Santo aufzufangen, und gleichzeitig das gesetzlich geforderte minimale Kapitalkissen einzuhalten.“ Kurz vor Mitternacht bereits hatte die BES in einem Kommunique mittgeteilt, dass sie über ein Kapitalkissen von 2,1 Milliarden Euro verfüge.

Die Sorgen vor einer weiträumigen Ansteckung des Euroraums oder zumindest innerhalb Portugals scheinen also vorerst abgeebbt. Die Sorgen um Espirito Santo jedoch nicht. Die Aktien der Banco Espirito Santo (BES) sind allerdings weiterhin vom Handel suspendiert. Die portugiesische Börsenaufsicht CMVM will die von BES zur Verfügung gestellten Informationen noch „auswerten und den Investoren Zeit geben, um diese Informationen aufzunehmen”, hieß es von dem Aufsichtsgremium.

Das Hauptproblem ist die extrem komplexe Struktur der Gruppe Espirito Santo, welche die gleichnamige Familie in mehr als hundert Jahren aufgebaut hat. Was nicht dem Staat gehört, so heißt ein traditioneller Spruch in Portugal, das gehört bestimmt der Familie Espirito Santo. Der Noch-Präsident der Bank BES, Ricardo Espirito Santo Salgado, hält seit 22 Jahren diesen Posten inne, und saß bis vor kurzem auch im Verwaltungsrat der Luxemburger Espirito Santo International, die jetzt in Schwierigkeiten ist.

Die Familie ist eines der herausragenden Mitglieder jener Unternehmerelite, die Portugal seit dem Mitte des 19. Jahrhunderts mehr oder weniger regieren, fast immer in engem Schulterschluss mit der jeweiligen Regierung. Einzig die Nelkenrevolution 1974 vertrieb die Espirito Santos für einige Jahre ins Exil nach Brasilien. Doch Anfang der 90er Jahre konnten sie ihre Besitztümer in Portugal zurückerlangen - und dehnten ihr kompliziertes Firmennetzwerk fortan auf Brasilien, Mozambique, Angola und Luxemburg aus. Die unterschiedlichen Firmenteile, finanzierten sich zum guten Teil, indem sie die Bank BES Schuldtitel an ihre Retailkunden sowie die institutionellen Klienten verkaufen ließen.

Auf Druck der Banco de Portugal, die schon im letzten Jahr eine Wirtschaftsprüfung des Espirito Santo-Konglomerats angeordnet und damit die schwierige Finanzlage von Teilen der Gruppe zu Tage gefördert hatte, wird die Familie Espirito Santo jetzt aus dem Management und der Führung der Bank BES entfernt. Bei der Hauptversammlung am 31. Juli wird der Ökonom Vítor Bento zum neuen Präsidenten der BES gewählt werden, ein Mann des Vertrauens der Zentralbank. Bento war nach den letzten Wahlen 2011 auch als möglicher Finanzminister gehandelt worden und ist derzeit CEO der von den Banken getragenen Gesellschaft SIBS, die in Portugal das automatische Zahlungssystem leitet. Die Familie Espirito Santo stimmte dem Kandidaten zähneknirschend zu, auch die Großaktionäre Crédit Agricole, die mit 15 Prozent an BES beteiligt ist, sowie die brasilianische Bank Bradesco, haben ihre Einwilligung gegeben. Mit der neuen Führung, so ist zu hoffen, wird die enge Verzahnung der Bank mit den restlichen Teile der Espirito Santo Gruppe aufgelöst.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Ich bin Portugiesischer.
    Was ist passiert mit diesem Leute???
    Wir Portugiesen haben eine zunehmend kleines Gehalt und Banker sagte, diese Profis im Casino zu spielen. Werden alle Portugiesisch (der portugiesische Staat) wird die Laster und Unehrlichkeit einiger tragen?
    Ich bitte um Gerechtigkeit.

  • Kurz vor der Euro Wahl verkündete Portugal den "Clean Exit" aus dem Hilsprogramm der Troika. Das war reine Propaganda um zu versuchen einige Stimmen bei der Wahl zu retten. Portugal, portugiesische banken, die portugiesische Wirtschaft, die portugiesische Politik etc BENOTIGEN eine Troika ! Ohne eine Troika kann das Land nie und nimmer überleben. Die Politiker sind korrupt, das bankensystem ist unterlaufen und die Wirtschaftsbosse haben nichts dazugelernt und beharren weiterhin auf traditionelle, längst überholte Methoden.

  • Portugals Banco Espirito Santo war erst der Anfang, weitere marode Finanzhäuser aus dem Club Med werden wanken ebenfalls.

    Rechtzeitig vor den Ergebnissen des EZB-Banken-Stresstests ist der ESM schon mal rechtswidrig für die Bankenrettung umfunktioniert worden.

    Im Juni haben die Finanzminister im Euro-Klub den Sack zugemacht und alles für den Herbst vorbereitet.

    So vereinbarten die Euro-Finanzminister die Leitlinien für eine direkte Bankenhilfe durch den Euro-Schuldenschirm ESM.

    Lange galt eine direkte Hilfe durch den ESM für in Schieflage geratene Banken als Tabu. Die Krisenstaaten sollten selbst die Verantwortung tragen, wie sie mit ihrem maroden Bankensystem umgehen.

    Nur wenn dies nicht möglich ist, sollten Gelder des ESM oder seiner Vorgänger an die jeweiligen Staaten, aber nicht direkt an die Banken fließen. So war es bei Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Zypern. Die direkte Bankenhilfe durch den ESM war bei seiner Ratifizierung durch den Deutschen Bundestag am 29. Juni 2012 noch ein absolutes „No-Go“.

    Doch schon am gleichen Abend beim Europäischen Rat in Brüssel öffnete Angela Merkel die ‚Büchse der Pandora’. Damals stimmte Merkel einem Satz in der Gipfelerklärung zu, der die direkte Bankenbeteiligung durch den ESM ermöglicht.

    Darin heißt es:

    „ [...] sobald unter Einbeziehung der EZB ein wirksamer einheitlicher Aufsichtsmechanismus für Banken des Euro-Währungsgebiets eingerichtet worden ist, hätte der ESM nach einem ordentlichen Beschluss die Möglichkeit, Banken direkt zu rekapitalisieren.“

    Jetzt geht es zack, zack, zack. 6000 Prüfer durchleuchten derzeit die Großbanken in der Eurozone im Rahmen eines Bankenstresstests. Das Ergebnis soll im Oktober veröffentlich werden, steht aber wohl bereits fest.

    Die Bankster brauchen Geld, viel Geld.

    Deutsches Steuergeld!

    In Spanien, Griechenland und Zypern sieht es noch viel schlimmer aus.
    Alle Beteiligten setzen auf den ESM und seine direkte Rekapitalisierung.

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