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Euro-Krise: Ratingagentur rechnet mit Griechenland-Pleite

Griechenland wird zahlungsunfähig werden, meint die Ratingagentur Fitch. Denn Athen kämpft verzweifelt um die nächste Rate der Notkredite, schon im Oktober droht das Aus - und vielleicht der Austritt aus der Euro-Zone.

London/Athen/BrüsselGriechenland wird nach Einschätzung der Rating-Agentur Fitch aller Voraussicht nach zahlungsunfähig werden, aber dennoch in der Euro-Zone verbleiben. Die Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone sei völlig übertrieben, erklärte der für staatliche Bonitätseinstufungen zuständige David Riley am Dienstag. Es sei zudem unwahrscheinlich, dass eine Zahlungsunfähigkeit systemisch wichtiger Finanzkonzerne oder Staaten zugelassen werde. Zuletzt war an den Finanzmärkten die Sorge gewachsen, dass auch Italien und Spanien in den Sog der Schuldenkrise geraten könnten. Eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands gilt an den Märkten seit langem als ausgemachte Sache.

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Wie die Euro-Krise die Märkte beeinflusst

  • Welche unmittelbaren Folgen hat ein schwächerer Euro?

    Ein Blick auf den Ölmarkt zeigt das recht anschaulich: Denn auf einem globalisierten Markt wie diesem ist ein schwächerer Euro gleichbedeutend mit einem stärkeren Dollar. Da auf dem Ölmarkt in US-Dollar gehandelt wird, muss in Euro logischerweise mehr für ein Barrel Rohöl bezahlt werden. Das kann auf längere Sicht auch Folgen für die Verbraucher haben: Denn wenn der Ölpreis steigt, verteuern sich auch andere Produkte wie Benzin und Heizöl. „Generell gilt: Was nicht in Euro gehandelt wird, wird teurer“, erläutert Adalbert Winkler, Professor für Development Finance an der Frankfurt School of Finance & Management.

  • Wie heftig ist der Kursrutsch denn?

    Die aktuelle Schwäche am Devisenmarkt ist relativ: Der Euro ist in den vergangenen Monaten stark gesunken und lag am Dienstag zeitweise unter 1,36 Dollar - der Rekord liegt bei fast 1,60 Dollar im Jahr 2008. Allerdings hatte die Gemeinschaftswährung ihren Auftritt 1999 mit nur etwa 1,18 Dollar - und war dann sogar bis auf etwa 0,83 Dollar im Jahr 2000 abgesackt, bevor ein mehr oder weniger stetiger Aufwärtstrend einsetzte.

  • Gibt es denn auch positive Effekte eines schwächeren Euro?

    Ja, das gilt etwa für den Export deutscher Produkte in Länder außerhalb der Eurozone wie etwa in den Dollar-Raum: „Denn Waren mit einem festen Europreis sind für den Abnehmer nun günstiger, was die Nachfrage steigert“, sagt Professor Michael Frenkel, Rektor der WHU - Otto Beisheim School of Management in Vallendar. Viele Produkte „Made in Germany“ sind seiner Ansicht nach bei einem schwachen Euro in Kombination mit ihrem hohen
    Qualitätsstandard dann noch stärker gefragt. „Hiervon profitiert die stark auf den Export ausgerichtete deutsche Wirtschaft.“ Auf der anderen Seite verteuern sich natürlich die Importe.

  • Werden die Währungsschwankungen denn eins zu eins weitergegeben?

    Das kann man so pauschal nicht beantworten. „Es ist immer die Frage, ob beispielsweise Importeure die Preisanpassungen auch mit Blick auf künftige Marktanteile wirklich umsetzen können“, gibt Professor Winkler zu bedenken. Das kann man sich in etwa so vorstellen wie bei den Discountern: Diese geben Preissteigerungen angesichts den gnadenlosen Konkurrenzkampfes in der Branche in aller Regel auch nicht im Alleingang weiter - aus Furcht, die Kundschaft abzuschrecken.

  • Hat die Euro-Schwäche auch Auswirkungen auf Geldanlagen und Kredite?

    Ja. „Ist Geld in ausländischer Währung angelegt, macht sich dies im Depot positiv bemerkbar“, erläutert Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Er rät aber ab, die Geldanlage einzig und allein auf Währungsgeschäfte auszurichten. „Hier sollte immer das Prinzip der vernünftigen Streuung des Vermögens auf unterschiedliche Anlageformen gelten.“ Ein schwacher Euro ist für Kredite, die in Fremdwährung laufen - etwa manche Immobilienfinanzierungen - schlecht. „Denn sie werden je nach Restschuld entsprechend teurer.“

Dennoch stemmt sich das hoch verschuldete Land weiter mit aller Macht gegen den Finanz-Kollaps und kämpft um die nächste Rate der Notkredite von Europartnern und Internationalem Währungsfonds (IWF). Eine am Montagabend ergebnislos abgebrochene Telefonkonferenz von Finanzminister Evangelos Venizelos mit den Troika-Experten von EU, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) soll am Dienstagabend fortgesetzt werden. Noch ist es Venizelos noch nicht einmal gelungen, dass die Troika wieder nach Athen reist und vor Ort die griechischen Sparbemühungen überprüft. „Dazu wird es auch erst kommen, wenn genügend Elemente dafür vorliegen“, hieß es dazu am Dienstag aus der EU-Kommission.  

Die Lage bleibt vertrackt. Athen braucht im Oktober acht Milliarden Euro aus dem laufenden Kreditprogramm über 110 Milliarden Euro, sonst droht noch im selben Monat die Pleite. Ohne positiven Bericht der Troika über die Sanierung gibt es kein frisches Geld. Eigentlich sollte das Geld im September fließen.

Währungskrise Die Lebenslügen des Euro

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Doch nach dem Abbruch der Troika-Mission in Athen vor drei Wochen vertagten die Euro-Finanzminister am Freitag ihre Entscheidung auf den kommenden Monat. Die Entscheidung der Regierung, eine klaffende Finanzierungslücke durch eine eilige Eigentumssteuer zu füllen und diese per Stromrechnung einzuziehen, hat noch nicht alle Partner überzeugt. Der IWF-Vertreter in Griechenland, Bab Traa, hatte Ministerpräsident Giorgos Papandreou am Montag zur Beschleunigung der Strukturreformen gedrängt und auch mehr Tempo bei der Reform des Öffentlichen Dienstes angemahnt. Gegen diesen Plan wollten am Abend in Athen abermals tausende Angestellte auf die Straße gehen.

  • 21.09.2011, 07:41 Uhrleser2003

    Mir war es bislang schleierhaft, wieso Griechenland noch Kredite vom "Markt" erhält. Sie erklären das so:

    "Die Käufer dieser Papiere gehen damit kein Risiko ein, da diese durch den internationalen Rettungsschirm gedeckt sind."

    Zunächst verstehe ich nicht, wieso Griechenland überhaupt Kredite vom Markt benötigt/aufnehmen darf, wenn es doch Geld von der "Troika" erhält.

    Andererseits: wieso sind die Kurzfristkredite durch die Troika gesichert, wenn die Auszahlung der nächsten Tranche doch noch streitig ist?

    Ich (und zweifellos viele andere Leser) verstehe die Hintergründe nicht; insoweit wäre es gut, wenn Sie noch einmal vertieft recherchieren und die o. a. (Schein-?)Widersprüche ausräumen würden!

  • 21.09.2011, 02:19 UhrAnonymer Benutzer: Italiano

    Die Folgen eines schwachen(?) Euro kann man nicht nur über den Ölmarkt beurteilen.
    Der eigentliche Wechselkurs des Euro sollte nach Meinung von neutralen Experten bei 1,20$ liegen.
    Die Vorteile eines realistischen Wechselkurs liegen auf der Hand. Dadurch werden Produkte aus der Eurozone preiswerter was sich positiv auf die Beschäftigung in der Eurozone auswirkt und folglich auch auf die Steuereinnahmen.
    Man bedenke dass in Spanien, Portugal und Italien, alle hochverschuldet, die Jugendarbeitslosigkeit sehr hoch ist, auch unter hochgebildete Facharbeiter, viele sind schon in die USA, Kanada, Australien und sogar Südamerika ausgewandert. Das ist für Europa doch ein Verlust (für die andere ein Gewinn)
    Die deutsche Industrie, besonders die Autoindustrie, hat außerhalb der Eurozone viele Zulieferer, diese obwohl in der EU werden dadurch teurer, die deutsche Industrie wird mehr Zulieferer im Euroland finden müssen, was ich sehr positiv sehe.

  • 21.09.2011, 00:33 UhrPandora0611

    Und warum ist Griechenland pleite???
    ----------------------
    Das liegt am System!!!
    - Wenn in Staatsbetrieben 16-18 Jahresgehälter gezahlt werden.
    - Wenn ein Nachtwächter 72.000 Euro im Jahr verdient.
    - Wenn jeder Angestellte auf Firmenkosten fünf Tage im Jahr mit seiner ganzen Familie in einem Luxushotel verbringen darf.
    - Wenn bei der Stadtbahngesellschaft ISAP Triebwagenführer die Hälfte der Achtstundenschicht mit Pausen, ganz offiziell verbringen verbringen dürfen.
    - Wenn bei den Staatsbahnen OSE die freien Tage der Lokführer nicht 24, sondern 28 Stunden haben.

    Nachzulesen hier:
    http://www.tagesspiegel.de/politik/der-gepluenderte-staat-/4162448.html

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