Euro-Krise

Raus aus den Schulden – aber wie?

Die Ausweitung des Euro-Rettungsfonds ist fast durch, doch Zweifel sind angebracht. Reichen 440 Milliarden Euro aus? Muss Griechenland in die Insolvenz? Welche Alternativen gibt es? Es gibt diverse Vorschläge.
Update: 01.10.2011 - 15:33 Uhr 26 Kommentare
Freier Fall: Viele Länder der Euro-Zone sind stark verschuldet. Quelle: dpa

Freier Fall: Viele Länder der Euro-Zone sind stark verschuldet.

(Foto: dpa)

Berlin, AthenAuch nach der Zustimmung Deutschlands zum erweiterten Euro-Rettungsschirm wirbt die Bundesregierung für ihre Europa-Politik. Die CDU-Vorsitzende, Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte auf einer CDU-Regionalkonferenz: „Damit der Euro insgesamt stabil bleibt, müssen wir uns gemeinsam unterstützen“.

Vor Delegierten der CDU-Landesverbände Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern in Neumünster forderte Merkel am Freitagabend auch stärkere Anstrengungen der Euro-Staaten. Der Weg müsse „aus der Schuldenunion hinein in eine Stabilitätsunion“ führen. Das dauere zwar, werde am Ende aber dazu führen, dass Europa unabhängiger von Spekulanten und Finanzmärkten sei.

Merkel will Europa weiter stärken

Gemeinsames Ziel sei, dass „Europa besser aus der Krise herauskommt“, als es hineingegangen sei, sagte Merkel. Sie fügte hinzu: „Ein Scheitern des Euros und ein Zerfall Europas würde dazu führen, dass wir in der Welt keine gemeinsame Stimme mehr haben. Und das will ich nicht.“

Merkel warnte wegen des hohen Risikos einer möglichen Ansteckung anderer Euro-Staaten vor einer weiteren Debatte um eine Insolvenz Griechenlands. Die Schritte müssten kontrollierbar sein. „Ich habe den Mut erst, wenn ich weiß, was am nächsten Tag geschieht.“

Schäuble sagte, der von Bundestag und Bundesrat abgesegnete Rettungsschirm (EFSF) habe eine Obergrenze von 440 Milliarden Euro. „Auf Deutschland entfallen 211 Milliarden. Und das war es. Schluss. Bis auf die Zinsen, die kämen noch obendrauf“, sagte Schäuble der Zeitschrift „Super Illu“. Beim sogenannten Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), „der den EFSF spätestens 2013 ersetzen wird, werden es insgesamt sogar nur 190 Milliarden sein, für die wir einstehen müssen, was an der anderen Konstruktion liegt. Inklusive alle Zinsen“, betonte der Finanzminister.

Die gemeinsame Geldpolitik in der Euro-Zone muss nach den Worten des Finanzministers mit weiteren Schritten hin zur europäischen Integration einhergehen. „Die Antwort auf die Krise kann nur ein Mehr an Europa bedeuten“, schreibt Schäuble in einem Beitrag für die „Welt am Sonntag“. „Ohne unsere Einbettung in die Europäische Union wäre die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands unendlich schwieriger geworden - wenn nicht unmöglich“, argumentierte er mit Blick auf den Tag der Deutschen Einheit am Montag.

Westerwelle will Durchgriffsrechte

Westerwelle schlug in der „Süddeutschen Zeitung“ neue Befugnisse für die EU vor: „Staaten, die in Zukunft die Solidarität des Rettungsschirms in Anspruch nehmen wollen, müssen in dieser Zeit der europäischen Ebene verbindliche Durchgriffsrechte in ihre Haushaltsentscheidungen einräumen“. Ziel müsse eine „europäische Stabilitätsunion“ sein. „Wir müssen den Stabilitätspakt weiter stärken in Richtung automatischer Sanktionen“. Im Idealfall sei dies mit einer Änderung der europäischen Verträge zu erreichen.

Gegen eine Stärkung der Europäischen Institutionen wandte sich dagegen die CSU: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich sagte dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“: Wer aus der Schuldenkrise den Schluss zieht, dass der europäische Zentralismus jetzt noch verstärkt werden müsse, macht sich auf den völlig falschen Weg„. Der wachsenden Europa-Skepsis könne man nicht dadurch begegnen, dass die durch das Volk gewählten nationalen Parlamente und Regierungen noch weiter entmachtet werden.

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26 Kommentare zu "Euro-Krise: Raus aus den Schulden – aber wie?"

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  • Mir ist unverständlich, warum die Massen darauf warten, aber es sind Schlafschafe, unfähig, dumm, feige...

  • Merkel diktiert, alle gehorchen - schändlich, wie dumm udn unfähig die Menschen in Deutschland sind!

  • Prof. Sinn hat in seinen neuesten Vorträgen darauf hingewiesen, daß GR seit längerem Gold kauft, wovon wohl?

  • Merkel, Schäuble und die Ackermänner müssen schnell laufen können, falls der Karren vor die Wand fährt.
    Möglicherweise erleben wir dann endlich so etwas, wie vor 222 Jahren in Frankreich.

  • Europa kann sehr gut ohne Griechenland - ohne Erpressung, Betrug und Trickserei

  • Nachdem die "Troika" nicht die Regierungsgebäude wegen Streiks betreten konnte, hat man sich in einem nahe gelegenen Starbucks Coffee Shop getroffen, um über Milliarden zu verhandeln - gehts noch?

  • Es wird noch teurer!!!
    Ein geheimer EU - Plan zur Rettung des Euro ist aufgetaucht: Griechenland soll pleite gehen, Deutschland Billionen garantieren. Kostenpunkt: 2,5 Billionen Euro. Der "Firebreak" - Plan sollte erst am 4. November bei der G20-Konferenz in Cannes vorgestellt werden.
    Deutsche und französische EU-Beamte haben einen geheimen Plan zur Euro-Rettung aufgestellt, berichtet der englische http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/8786665/Multi-trillion-plan-to-save-the-eurozone-being-prepared.html

  • Das ewige Gerede von der Stabilität des Euro kann man bald nicht mehr hören. Der Euro hat jedenfalls innerhalb des letzten Jahres in den Devisenkursen gegenüber vielen anderen Währungen an Wert verloren.
    Das kann man leicht nachvollziehen, wenn man im Handelsblatt unter Finanzen die Kurstabellen ansieht.

    Der Verbraucherpreisindex als Ausdruck des Eurowertes für die Konsumenten lag 8/11 bei 2,5 % ; in 8/10 waren es 1,6 %. Für 9/11 geht die Vorausschätzung in Richtung 3 %. Also muß man nun nicht in Panik verfallen, aber wirklich stabil ist der Euro nicht.

    Die ganzen Finanzhilfen und Rettungsschirme zeigen jedenfalls nicht eine deutliche Verbesserung des inneren und äußeren Wertes des Euro; offensichtlich hängen Inflationsraten und Wechselkurse von anderen Gegebenheiten ab.

    Fazit: Die Begründung, man müsse Staatsschulden anderer Euroländer übernehmen, um den Euro vor dem Untergang zu bewahren, war und ist nur ein Scheinargument.

    In Wirklichkeit geht es um die Sorge der Politiker, man würde ihnen keine weiteren günstigen Kredite geben bzw. ihre Anleihen nicht mehr kaufen wollen.

  • Die Welt.online. Ist aber logisch, sie brauchen eine Asset gedeckte neue Währung. Sehen sie es als Abfindung für die Griechen.

  • Mich überraschen die offenen Worte der Bundeskanzlerin. Schließlich gibt sie offen zu, dass sie den Euro will, um das europäische (und damit das eigene) Gewicht in der Welt zu stärken. Ziemlich persönliche Sache also, den meisten Deutschen dürfte es recht egal sein, ob wir nun ganz oben auf der weltpolitischen Bühne dabei sind, oder nicht.

    Da Frau Merkel erst dann die Risikokarte Schuldenschnitt spielen will, wenn sie genau weiss was dann am nächsten Tag passiert (wofür sie eine Glaskugel bräuchte), wird dieser Schritt wohl nie kommen. Wo sind eigentlich die Politiker hin, die auch mal unter Risiko entscheiden können? Der Vergleich mag unpassend erscheinen, aber die Entscheidungsfähigkeit selbst war z.B. bei der 'Landshutentführung' oder den 'Natodoppelbeschluss' eine ganz andere. Heute scheint man zu so "grundsätzlichen" Standpunkten nicht mehr in der Lage...

    Und Schäuble ist am allerbesten; der glaubt tatsächlich, nach 211 Mrd. sei Schluss??? Wie soll das denn gehen? Na ja, wenn er meint...

    Fazit: Wenn alle den Euro so toll finden und wollen, dann sollten wir Deutschen das Recht haben via Volksabstimmung der totalen Transferunion zuzustimmen. Und wenn nicht, kommt eben wirklich ein Ende mit Schrecken, gefolgt von einer wiedererstarkenden DM-Wirtschaft!

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