Euro-Krise
Rogoff warnt vor Banken-Sturm in Europa

Auch den Sparern in den Schuldenstaaten bleibt die Euro-Krise nicht verborgen: Wenn sie plötzlich ihre Konten räumen, könnten die Banken in Griechenland & Co. zusammenbrechen, meint Harvard-Professor Kenneth Rogoff.
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Der Harvard-Professor Kenneth Rogoff hat in einem Interview mit dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe) vor einem Run auf südeuropäische Banken gewarnt. Die Gefahr, dass die Sparer dort ihre Konten leerten und das Geld in sichere Länder wie Deutschland überwiesen, sei aktuell das größte Risiko für die Euro-Zone, sagte der ehemalige Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, der als einer der weltweit führenden Experten für Staatsverschuldung gilt.

Was die Euro-Zone brauche, sei eine enge fiskalische Union, und das schnell. "Die Euro-Zone muss eine Evolution, die eigentlich eine Generation gedauert hätte, im Zeitraffer durchlaufen", sagte Rogoff. Deutschland müsse dabei auf strenge Regeln achten, um nicht "noch in hundert Jahren für Süditalien zu zahlen."

Eine Umschuldung einzelner Euro-Staaten dürfe kein Tabu sein, sagte der Autor des Wirtschafts-Bestsellers "Dieses Mal ist alles anders". Die Regierungschefs der Euro-Zone müssten aufhören, unhaltbare Positionen einzunehmen und eine glaubwürdige rote Linie ziehen. Statt Klartext zu reden, hätten sie die Europäische Zentralbank für die Rettung der Krisenländer eingespannt und damit ihre Glaubwürdigkeit schwer beschädigt.

Rogoff warnte die Europäer, nicht zu sehr auf die Ratschläge der US-Regierung zu hören. Deren Interesse sei weniger eine langfristige Lösung der Euro-Krise. Sie wolle vor allem sicherstellen, dass die Währungsunion nicht vor der Präsidentenwahl Ende 2012 platze.

Der Ökonom bekräftigte seine Forderung, die Zentralbanken müssten Inflationsraten von vier bis sechs Prozent zulassen, um die Bekämpfung der Schuldenkrise zu erleichtern. "Im Vergleich zu einer neuen Finanzkrise, die womöglich einen Großteil der Ersparnisse ausradiert, wäre doch ein Verlust von fünf bis zehn Prozent durch höhere Inflationsraten ein gutes Geschäft", sagte er. Kenneth Rogoff erhält am Donnerstag in Frankfurt aus der Hand Josef Ackermanns den mit 50.000 Euro dotierten "Deutsche Bank Prize in Financial Economics".

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

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  • Es ist sicher richtig, dass man sich endlich mal entscheiden muss. Aber ebenso ist die Skepsis gegenüber der Politik angebracht, die in D in Gestalt von CDU, Rot-Grün und Linken alle den Stabilitätsmechanismus (ESM) befürworten, der auf eine totale, jedem Rechtszugriff und jeder Kontrolle entzogene Diktatur hinausläuft. Hier ein kurzer Auszug aus diesem Vertragswerk, die Immunität seiner Mitglieder betreffend:
    (Art. 27 und 30)
    „Der ESM, sein Eigentum, seine Finanzmittel und Vermögenswerte genießen unabhängig von ihrem Standort und Besitzer umfassende gerichtliche Immunität“.

    “Das Eigentum, die Finanzmittel und Vermögenswerte des ESM sind unabhängig davon, wo und in wessen Besitz sie sich befinden, von Zugriff durch Durchsuchung, Beschlagnahme, Einziehung, Enteignung und jede andere Form der Inbesitznahme, Wegnahme oder Zwangsvollstreckung durch Regierungshandeln oder auf dem Gerichts-, Verwaltungs- oder Gesetzesweg befreit.”

    “Die Archive des ESM und alle ihm gehörenden oder in seinem Besitz befindlichen
    Dokumente im Allgemeinen sind unverletzlich.”

    “Die Räumlichkeiten des ESM sind unverletzlich.”

    “Die Gouverneursratsmitglieder, stellvertretenden Gouverneursratsmitglieder, Direktoren, stellvertretenden Direktoren, der Geschäftsführende Direktor und das Personal genießen Immunität von der Gerichtsbarkeit hinsichtlich der in ihrer amtlichen Eigenschaft vorgenommenen Handlungen und Unverletzlichkeit in Bezug auf ihre amtlichen Schriftstücke…”.

  • Muss ein Bankenrun verhindert werden? Irgendwie vermag ich mir nicht vorzustellen dass dieser nicht längst im Gange ist. Jedenfalls in Griechenland.

  • Er hat schon recht damit, dass ein Bankenrun verhindert werden muss. Die Banken in Südeuropa sind nicht alle so schmächtig wie es vermutet wird. Es werden Reformen in ganz Europa benötigt, nicht nur im Süden. Wenn die Politiker jedoch unter Reformen verstehen die Läden dicht zu machen, dann weiss ich leider auch nicht weiter. Es muss doch eine Möglichkeit zu geben auf langfristiger Periode schulden abzubauen ohne die Wirtschaft abzutöten. Ich wäre eher dafür, dass die Banken und Versicherungen dicht machen anstatt die Existenzen von JEDEM.

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