Euro-Krise: Schwellenländer sollen Feuerkraft des IWF stärken

Euro-Krise
Schwellenländer sollen Feuerkraft des IWF stärken

IWF-Chefin Lagarde drängt hartnäckig, den Fonds besser auszustatten, um in der Euro-Krise intervenieren zu können. Im Gespräch mit zahlungskräftigen G20-Ländern werden erstmals konkrete - und hohe - Summen genannt.
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DüsseldorfDer Internationale Währungsfonds (IWF) will seine Kreditressourcen offenbar um 500 Mrd. Dollar erhöhen. Damit wolle der Fonds sich wappnen, um die Weltwirtschaft gegen eine mögliche Verschlimmerung der europäischen Schuldenkrise abzusichern, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Bezug auf einen Vertreter eines G20-Landes.

In vertraulichen Gespräche verhandele der IWF demzufolge derzeit mit den Schwellenländern China, Brasilien sowie mit Japan und einigen Ölexportländern. Diese solventen Länder sollten die größten Beiträge für die verstärkte Feuerkraft beisteuern. Auch die Europäische Union sowie Krisenländer wie Griechenland hatten sich um die Unterstützung dieser Länder bemüht, allerdings mit sehr begrenztem Erfolg. Der IWF wolle eine Vereinbarung dazu auf der Tagung der G20-Finanzminister und Zentralbanker am 25./26. Februar in Mexico City festzurren, heißt es weiter. Schon in dieser Woche treffen sich die stellvertretenden Finanzminister in Mexiko.

IWF-Chef Christine Lagarde hatte zuvor gesagt, ihre Mitarbeiter prüften Möglichkeiten, die Kriegskasse des Währungsfonds von derzeit 385 Mrd. Dollar auszuweiten - hatte das Volumen aber offen gelassen. Die Euroraum-Länder haben bereits Zusagen über 150 Mrd. Euro gegeben. Deutschland soll über die Bundesbank 45 Milliarden Euro tragen. Nicht-Eurostaaten sollten 50 Milliarden Euro beisteuern.

Das bisher zögerliche Großbritannien hatte zuletzt Entgegenkommen signalisiert. Die USA sind hingegen bis zuletzt bei ihrer strikten Ablehnung geblieben. Russland will vor dem Präsidentschaftswahlen im März keine Entscheidung treffen. Ende vergangenen Jahres hatten die Regierungschefs der G20-Staaten noch eine Aufstockung abgelehnt.

Sollte es zu einer Aufstockung kommen, dann dürfte wohl vor allem Italien profitieren. Italien wäre zu groß, um durch die bisher üblichen Programme von EU und IWF abgesichert zu werden. Die Gesamtverschuldung Italiens liegt bei knapp zwei Billionen Euro. An den Anleihemärkten wurde die Nachricht positiv aufgenommen. So gingen insbesondere die Risikoaufschläge für italienische Anleihen nach der Meldung zurück.

Das IWF-Direktorium hatte am Dienstag Lagardes Plan gebilligt, die seit einiger Zeit einen größeren finanziellen Spielraum für den IWF fordert. Das Leitungsgremium habe beschlossen, dem Fonds genug Mittel für die Überwindung der "aktuellen globalen Wirtschaftsschwäche" und die damit einhergehende "regionale Herausforderungen" zur Verfügung zu stellen, sagte Lagarde in Washington. In der IWF-Führung habe es zahlreiche Stimmen dafür gegeben, die Krise in der Euro-Zone einzudämmen, erklärte Lagarde weiter.

"Die größte Herausforderung besteht darin, angemessen auf die Krise zu reagieren. Viele geschäftsführende Direktoren haben die Notwendigkeit und die Dringlichkeit von kollektiven Maßnahmen zur Eindämmung der Schuldenkrise im Euroraum und zum Schutz der Volkswirtschaften rund um den Globus unterstrichen", zitiert Bloomberg aus einer per E-Mail verbreiteten Erklärung Lagardes.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Euro-Krise: Schwellenländer sollen Feuerkraft des IWF stärken"

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  • Schwellenländer sollen Feuerkraft des IWF stärken

    Na dann, feuert mal schön, damit das Feuer so richtig lodert. Durchhalten bis zum Ende, bis der letzte Strohalm verbrannt ist. Dann ist alles gut.
    Diese armen Würste. Ich lach mich kaputt.

  • Soll das ein Ausverkauf Europas werden?
    Und wie lächerlich das ist, zeigt doch, dass unsre dämliche Merkel an China immer noch Entwicklungshilfe zahlt. Aber China ist ja auch ein ehemaliges Freundesland unserer DDR-Kanzlerin
    Wir zahlen also Entwicklungshilfe und dann abe wollen wir von denen Geld?
    Noch blöder geht dieses ganze Euro-Theater wirkalich nicht mehr
    Ist auch schon gekläsrt, wer eines Tages über Europa zu bestimemn hat?
    Offenkundig bestimmen nur noch Franzosen wie die Euro-Sache zu machen sei.
    Deutsche werden offenbar gar nicht mehr gefragt.
    In der EZB sind wir ja auch nicht mehr vertreten

  • • IWF-Chefin Lagarde drängt hartnäckig, den Fonds besser auszustatten, um in der Euro-Krise intervenieren zu können? (Zitat)
    In Spiegel –online am 17.03.2010 hieß es noch von der selben lady :
    „Französische Ministerin legt im Export-Streit nach“Die Exportmacht Deutschland ist zu erfolgreich - das findet zumindest die französische Wirtschaftsministerin Lagarde. In einem Radiointerview erneuert sie ihre Kritik: Berlin müsse die Steuern senken und so den Konsum ankurbeln - damit die Deutschen mehr Produkte aus Frankreich kaufen
    Die Steuern senken ist zwar immer gut – aber deshalb gleich Produkte eines speziellen Landes dafür kaufen zu müssen – das schmeckt verdammt nach nationaler Überheblichkeit. Die gute „Fee“ ist zwar jetzt in der IWF aber ihre neue Aufforderungen sollte man deshalb mit Sorgfalt zur Kenntnis nehmen, um die Feuerkraft ausgerechnet der IWF-Chefin Lagarde zu unterstützen.

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