Euro-Krise
Spekulationen über Spaniens „zweite Rettung“

Bislang will Spanien nur für seine Banken Gelder aus den EU-Rettungsfonds haben. Aber nun geraten auch die Staatsfinanzen der viertgrößten Euro-Volkswirtschaft in Not. Man spekuliert bereits über eine „zweite Rettung“.
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MadridDie Schlinge zieht sich allmählich zu. Die Lage der spanischen Staatsfinanzen wird von Tag zu Tag bedrohlicher. Es wächst die Gefahr, dass die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Euro-Zone zur Abwendung eines Staatsbankrotts die EU und deren Rettungsfonds um Hilfe bitten muss. Die Zinsen und Risikoaufschläge, die der spanische Staat für seine Anleihen bieten muss, sind auf ein Rekordniveau gestiegen. Mit Renditen von über sieben Prozent bei den Zehn-Jahres-Papieren sind sie nicht mehr weit entfernt vom Zinsniveau, das Griechenland, Portugal und Irland zur Flucht unter den EU-Rettungsschirm gezwungen hatte.

„Spanien ist ein solventes Land“, betonte Wirtschaftsminister Luis de Guindos. Er wiederholte den Satz am Rande des G20-Gipfels in Los Cabos in Mexiko gleich mehrmals, als wollte er das Gespenst einer EU-Rettungsaktion für Spanien vertreiben. Dabei hatte die spanische Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy in dieser Woche fest mit einer Entspannung der Lage auf den Finanzmärkten gerechnet. Sie hatte die Verschärfung der Schuldenkrise auf die unsichere politische Lage in Athen zurückgeführt und erwartet, dass nach den Wahlen in Griechenland der Druck der Märkte nachlassen würde.

Aber Madrid sollte sich täuschen. Spanien geriet noch stärker in Bedrängnis. „Griechenland ist unschuldig“, schrieb die Zeitung „El Mundo“ am Dienstag. „Das größte Problem Spaniens ist Spanien selbst.“ Gut eine Woche zuvor hatte die spanische Regierung sich schon einmal geirrt: Sie war davon ausgegangen, dass die - mit den Ländern der Euro-Zone vereinbarten - Hilfen von bis zu 100 Milliarden Euro für spanische Banken das Land in der Krise aus der Schusslinie nehmen würden.

Auch da trat genau das Gegenteil ein. Die Anleger kehrten den spanischen Staatsanleihen den Rücken, weil die Bankenhilfe wichtige Details im Unklaren gelassen hatte. Bis heute hat Madrid den Antrag auf eine Rettung maroder Banken in Brüssel nicht offiziell vorgelegt. Nun wird bereits über eine mögliche „zweite Rettung“ spekuliert. Diese würde sich dann nicht auf den Sektor der Banken beschränken, sondern eine umfassende Rettung der Staatsfinanzen bedeuten - wie in Griechenland, Portugal und Irland.

Spanien steht wieder im Epizentrum der europäischen Schuldenkrise. Das Land wird nach einhelliger Ansicht der Experten dem Druck der Märkte bei dem jetzigen Zinsniveau nicht lange Zeit standhalten können. Die konservative Regierung und auch die Opposition der Sozialisten forderten die Europäische Zentralbank (EZB) eindringlich auf, einzugreifen und spanische Staatspapiere zu kaufen.

Derweil stellte Rajoy fest, dass die geplante Milliardenhilfe für die Banken, die er vor gut einer Woche noch als einen Erfolg gefeiert hatte, wohl doch schädliche Nebeneffekte für die Staatsfinanzen haben könnte. Weil der spanische Staat die Kredite garantieren soll, sollen die bis zu 100 Milliarden Euro auf den Schuldenberg der öffentlichen Hand angerechnet werden. Dies hatte die Ratingagentur Moody's dazu bewogen, die Bonität Spaniens bis auf eine Stufe über dem Ramschniveau herabzusetzen. Beim G20-Gipfel wartete Rajoy mit der Forderung auf, die Hilfen direkt an die Banken zu vergeben. Dies hatte die EU mit Hinweis auf die bestehenden Verträge bislang stets abgelehnt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Dieser voellig unnoetige Artikel faellt schon in die Kategorie Hetze gegen den Euro. Renditen zu hoch blablabla, Bankenrettung zu teuer blablabla. Was ist die verstaeckte Agenda des HB? Gehoert das Blatt Robert Murdoch oder will das HB den Eliten zu einem Ausverkauf von europaeischen Assets verhelfen, oder steckt gar eine politische Agenda dahinter, indem man versucht die Bevoelkerung, durch das staendige beschwoeren der immer gleichen Krisenformeln, fuer radikale politische Veraenderungen in Europa empfaenglich zu machen?

  • Der Euro ist am Ende! Die jetzt schon bekannten Zahlen über die bestehenden Staatsschulden, Handelsblatt vom 17.06 "Die wollen nur die deutsche Kreditkarte" belegt diese Aussage nachhaltig.Wir haben nur das Problem, dass die Politik sich noch ziert diesen ideologischen Irrweg der Europäischen Politik einzugestehen. Aber volkswirtschaftliche realitäten lassen sich nicht ewig ignorieren und nich wegdiskutieren.Am Ende des Weges steht für mich daher jetzt schon die Frage, mit wieviel zusätzlichen Belastungen aufgrund abgegebener Garantien wird Deutschland aus diesem Chaos herauskommen, kommt dann der Euro-Soli, zuzutrauen ist der Deutschen Politik alles, wie die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts in Sachen Beteiligung des Bundestages bei Entscheidungen über das Geld der Bürger immer wieder belegen. Stoppt den Euro!!

  • Laut unserem klugen Finanzminister ist Spanien auf dem besten Weg... aber Don Quichote weisz es besser, dass der Weg tatsaechlich in den Abgrund fuehrt... Oh Schaeuble 'gib den Kampf gegen Windmuehlen auf.' Nur das Bekenntnis zum Staatsbankrott bietet eine Basis fuer einen Neubeginn.

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