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Euro-Krise: Spezialfonds des IWF soll Euro-Krisenländer stützen

Vor dem heutigen Treffen von Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy werden die Pläne zur Euro-Rettung immer konkreter. Eine Schlüsselrolle soll dabei offenbar der Internationale Währungsfonds spielen.

Die Direktorin des Internationalen Waehrungsfonds (IWF), Christine Lagarde. Quelle: dapd
Die Direktorin des Internationalen Waehrungsfonds (IWF), Christine Lagarde. Quelle: dapd

BrüsselDie US-Notenbank Federal Reserve ist einem Medienbericht zufolge zusammen mit den 17 Zentralbanken der Euro-Zone bereit, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) Geld für krisengeschüttelte Euro-Länder zur Verfügung zu stellen. Die Zeitung „Die Welt“ (Montagausgabe) berichtet vorab unter Berufung auf verhandlungsnahe Kreise, dass die Zentralbanken der Euro-Zone einen dreistelligen Milliardenbetrag in einen Spezialfonds einzahlen sollten, aus dem dann Programme für Krisenländer finanziert würden. Auch die Fed erwäge, einen Teil der Kosten zu finanzieren.

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Die europäischen Randstaaten straucheln: Jahrelang haben sie über ihre Verhältnisse gelebt, jetzt kämpfen sie mit enormen Schulden. Aber wie haben die anderen Länder Europas die Krise verkraftet? Eine Übersicht.

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US-Finanzminister Tim Geithner wird demnach diese Woche nach Europa kommen, um sich mit führenden Politikern und Notenbankern zu treffen. Ein solcher Rettungsfonds könnte ein Bestandteil der Pläne werden, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Montag in Paris besprechen wollen.

In Brüssel haben Diskussionen über die Summe möglicher Hilfen des IWF für klamme Euro-Länder begonnen. Auf Arbeitsebene werde darüber beraten, wie Zentralbanken der Eurozone dem Fonds dafür Kredite zur Verfügung stellen können, sagten Euro-Zonen-Vertreter am Wochenende in Brüssel. Bisher werde aber noch nicht über Größenordnungen gesprochen. „Deshalb sind sämtliche Zahlen im Moment reine Spekulation“, sagte ein hochrangiger Teilnehmer der Gespräche. Auf der Suche nach einem wirksamen Schutz für große Euro-Länder wie Italien und Spanien zieht die Euro-Zone ein stärkeres Engagement des IWF in Erwägung. Dafür sollen Zentralbanken der Währungsgemeinschaft dem Fonds weitere Darlehen gewähren.

Die EZB-Notoperation: Gutes oder schlechtes Signal?

  • Der Feuerwehreinsatz

    Der gemeinsame Feuerwehreinsatz der großen Notenbanken der Welt erinnert an die schlimmsten Zeiten der Finanzkrise. Zunächst reagierten die Börsen euphorisch auf die Ankündigung vom Mittwoch, die Geschäftsbanken leichter, billiger und länger mit US-Dollar zu versorgen. Doch weil die Probleme gewaltig sind - Euro-Schuldenkrise, Konjunktursorgen und fehlendes Vertrauen in die Finanzwelt - wird weiterhin mehr Einsatz vor allem von der Europäischen Zentralbank (EZB) gefordert.

  • Was brachten frühere Einsätze der EZB?

    Bereits im August 2007 griff die EZB erstmals seit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 zu einem drastischen Mittel und pumpte in großem Stil frische Milliarden in den Geldmarkt. Der Feuerwehreinsatz wurde zum Auftakt einer ganzen Serie solcher Hilfsaktionen rund um den Globus. Die Hoffnung, die Ausbreitung der US-Kreditkrise auf Europa im Keim zu ersticken, erfüllte sich damals nicht.

    Am 8. Oktober 2008, kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, senkten sechs große Notenbanken gleichzeitig ihre Leitzinsen. Die Panik an den Börsen konnten sie nur kurz eindämmen, aus der Finanzkrise wurde eine weltweite Bankenkrise.

  • Ist das jetzige Eingreifen der Notenbanken ein positives Signal?

    Einerseits zeigt der Schritt, dass die Notenbanken den Ernst der Lage erkannt haben. Die Maßnahme signalisiere „hoffentlich eine neue Phase in der wahrgenommenen Dringlichkeit, die negative Vertrauensspirale zeitnah zu stoppen“, erklärt Michael Krautzberger, Leiter des europäischen Rentenfondsteams von Blackrock. Die Zentralbanken beweisen Handlungsfähigkeit, während sich Europas Regierungen schwertun, gemeinsame Lösungen gegen die Krise umzusetzen. Anderseits belegt der überraschende Notfalleinsatz, dass die Lage an den Geldmärkten extrem angespannt ist. Viele Banken kamen zuletzt kaum noch an frisches Geld: Investoren hielten sich zurück, das Misstrauen der Institute untereinander nahm deutlich zu.

  • Was bringt die gemeinsame Aktion?

    Die Notenbanken kaufen Zeit. Banken, die in Finanznöte zu rutschen drohten oder schon Engpässe haben, verschafft die Dollar- Flut eine Atempause. Das könnte auch die Lage auf dem Kreditmarkt entspannen: Zuletzt war die Sorge größer geworden, die Banken würden den Kredithahn zudrehen, weil sie wegen neuer Regeln eigene Kapitalpuffer um Milliarden aufstocken müssen und zugleich immer schwerer an frisches Geld kommen. Die EZB kommt in einer aktuellen Befragung von mehr als 8300 kleinen und mittleren Unternehmen im Euro-Raum zu dem Ergebnis, von April bis September 2011 habe sich „der Zugang zu Bankkrediten verschlechtert“. Zudem seien „die Erfolgsquoten bei der Beantragung von Bankkrediten etwas gesunken“.

  • Konnten die Notenbanken die Lage entspannen?

    An den Börsen kam die Aktion der weltweit wichtigsten Notenbanken gegen eine Kreditklemme gut an. In vielen Euro-Ländern gingen die Risikoaufschläge für Staatspapiere zurück. Dagegen nahmen die Spannungen im europäischen Bankensystem zu: Erstmals seit fast eineinhalb Jahren parkten die Institute mehr als 300 Milliarden Euro bei der EZB. Normalerweise leihen sich Banken solches Geld untereinander, weil sie für kurzfristige Einlagen bei der Notenbank kaum Zinsen bekommen. Dass die „Übernacht-Einlagen“ bei der EZB nun auf den höchsten Stand seit Ende Juni 2010 gestiegen sind, zeigt, wie sehr sich die europäischen Banken mittlerweile wieder misstrauen.

  • Was muss noch passieren, um die europäische Schuldenkrise zu lösen?

    Mancher Volkswirt unterstützt inzwischen Forderungen etwa der französischen Politik, die EZB müsse noch aggressiver gegen die Krise vorgehen: Die Notenbank müsse endlich klar machen, dass sie bereit ist, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen. Nur so könne verhindert werden, dass mit Italien die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone stürze - und den Euro insgesamt mit in den Abgrund reiße. Die EZB pocht auf Unabhängigkeit, ihr Präsident Mario Draghi bekräftigte am Donnerstag, die EZB könne Schuldenstaaten nur in begrenztem Umfang mit dem Kauf von Staatsanleihen helfen: „Die Regierungen müssen - einzeln und gemeinschaftlich - ihre Glaubwürdigkeit gegenüber den Finanzmärkten wiederherstellen.“

  • Was ist die Kehrseite solcher Interventionen von Notenbanken?

    Kritiker warnen vor allem vor ausufernder Inflation infolge der Geldflut. „Wenn so viel Liquidität zusätzlich in Umlauf gesetzt wird, dann wird zwar nicht in den nächsten ein, zwei Jahren Inflation ausbrechen, aber danach muss man deutlich damit rechnen“, sagte Wim Kösters, Vorstand beim Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung, am Donnerstag im Deutschlandfunk. Das Geld der Zentralbanken sei „eine weitere Eskalation der Krise“. Befürworter weit geöffneter Geldschleusen halten dem entgegen, ein Großteil der Rettungsmilliarden komme nicht in der Wirtschaft an, weil die Banken vieles davon wegen der Krise derzeit nicht verliehen. Die EZB müsse nur rechtzeitig überschüssige Liquidität wieder aus dem Markt ziehen.

Vertreter der Euro-Zone haben verschiedene Summen genannt, die von den Zentralbanken dem Fonds als bilaterale Kredite zur Verfügung gestellt werden könnten. Sie reichen von „deutlich weniger als 100 Milliarden Euro“ bis hin zu „mehreren 100 Milliarden Euro“. Gestärkt durch dieses Geld soll der IWF einspringen können, falls Italien und Spanien kein Geld mehr an den Finanzmärkten bekommen und auf mehrjährige Notkredite des IWF angewiesen sein sollten.

Der IWF ist bisher schon mit einem Drittel an laufenden Rettungspaketen beteiligt, doch in den Schwellenländern wächst der Unmut gegen noch mehr Hilfe für die reiche Euro-Zone.

Die Chronik der Schuldenkrise

  • 25. März 2010

    Beim EU-Gipfel einigen sich die Euro-Länder auf einen Notfallplan für das hoch verschuldete Griechenland. Der Plan sieht freiwillige Hilfen einzelner Euro-Länder und des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor. Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou betont: „Griechenland ist entschlossen, mit seinen eigenen Problemen fertig zu werden.“

  • 7. Mai 2010

    Bundestag und Bundesrat stimmen dem Rettungspaket für Griechenland zu. Es beinhaltet deutsche Notkredite von bis zu 22,4 Milliarden Euro bis 2012. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagt: „Jede andere Alternative würde viel teurer, wäre viel gefährlicher, würde viel größere Risiken haben.“

  • 10. Mai 2010

    Um die Schuldenkrise einzudämmen, spannen die Finanzminister und der IWF einen Rettungsschirm (EFSF) für pleitebedrohte Euro-Mitglieder. Insgesamt 750 Milliarden Euro sollen im Notfall fließen. Der damalige Kanzleramtsminister Thomas de Maizière resümiert, jetzt komme „Ruhe in den Karton“.

  • 30. September 2010

    Irland gerät als nächstes Land in den Strudel der Krise, die ein Loch von 32 Prozent der Wirtschaftsleistung in seinen Staatshaushalt reißt.

  • 28. Oktober 2010

    Die EU-Staats- und Regierungschefs einigen sich auf einen ständigen Rettungsschirm, der den EFSF 2013 ablösen soll. Die Bundeskanzlerin erklärt: „Wir haben wesentliche Entscheidungen gefällt, dass wir die Stabilität des Euro auf Dauer garantieren können.“

  • 21. November 2010

    Als erstes EU-Land schlüpft Irland unter den EFSF. Europäer und IWF schnüren ein Hilfspaket von 85 Milliarden Euro. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hält Sorgen vor einem Überschwappen auf Portugal für unbegründet: „Gerede über eine Ansteckung hat keine wirtschaftliche oder rationelle Grundlage.“

  • 28. November 2010

    Irland bekommt als erstes Land Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds in Höhe von 67,5 Milliarden Euro zugesagt. Wie bereits in Griechenland muss die Regierung im Gegenzug ein hartes Spar- und Reformprogramm umsetzen.

  • 17. Dezember 2010

    Um die Ausbreitung der Krise zu verhindern, beschließen die Staats- und Regierungschefs einen ständigen Krisenfonds für die Zeit nach 2012.

  • 25. März 2011

    Der ständige Krisenfonds wird mit über 700 Milliarden Euro ausgestattet. Der Stabilitätspakt wird verschärft, Defizitsündern drohen auch bei einer zu hohen Gesamtverschuldung Sanktionen. Die 17 Euro-Länder wollen sich in der Sozial-, Steuer- und Haushaltspolitik enger abstimmen.

  • 6. April 2011

    Nach langem Zögern kündigt auch Portugal an, dass es seine Schulden nicht in den Griff bekommt und Notkredite braucht.

  • 8. April 2011

    Nach einem Hilferuf aus Lissabon setzt die EU ein Rettungspaket für Portugal in Gang. Höhe: Rund 80 Milliarden Euro. Schäuble sieht die Gefahr einer Ausbreitung der Krise zunächst als gebannt an: „Die Ansteckungsgefahr ist geringer geworden.“

  • 5. Mai 2011

    EU und IWF sagen Lissabon Hilfen in Höhe von 78 Milliarden Euro zu.

  • 20. Juni 2011

    Die EU-Finanzminister beschließen eine Ausweitung des EFSF. Deutschlands Anteil steigt von 123 auf 211 Milliarden Euro. Damit bis zu 440 Milliarden Euro an Krediten gezahlt werden können, müssen die Euro-Länder ihre Garantien auf 780 Milliarden Euro erhöhen. Merkel verteidigt das: „Scheitert der Euro, scheitert Europa.“

  • 23. Juni 2011

    Athen beantragt ein zweites Hilfspaket. Es beläuft sich schließlich auf 159 Milliarden Euro. Erstmals beteiligen sich auch private Gläubiger Athens, ihr Anteil beträgt rund 50 Milliarden Euro.

  • 29. Juni 2011

    Das griechische Parlament stimmt im Gegenzug Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen von 28 Milliarden Euro und umfangreichen Privatisierungen von rund 50 Milliarden Euro zu.

  • 21. Juli 2011

    Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder einigen sich bei einem Krisengipfel auf ein neues Hilfspaket für Griechenland. Umfang: 109 Milliarden Euro. Banken und Versicherungen ziehen mit einem Beitrag von zusätzlich 37 Milliarden Euro mit. Merkel: „Mit diesem Programm wollen wir die Probleme auch wirklich an der Wurzel anpacken.“

  • 8. August 2011

    Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft nun auch Staatsanleihen von Italien und Spanien auf, um beide Länder zu stützen.

     

  • 13. September 2011

    Die EU-Taskforce nimmt die Arbeit in Griechenland auf. Experten aus Brüssel sollen Athen beim Steuereintreiben und bei Konjunkturprojekten unter die Arme greifen.

  • 29. September 2011

    Der Bundestag billigt die von den Euro-Ländern geplante Aufstockung des Rettungsfonds EFSF auf 780 Mrd. Euro, von denen 440 Mrd. an überschuldete Euro-Staaten verliehen werden können. Treten die geplanten Änderungen in Kraft, steigen die deutschen Garantien um 88 Mrd. auf 211 Mrd. Euro. Zudem erhält der Fonds dann weitere Kompetenzen: Künftig soll er an der Börse Staatsanleihen von Krisenstaaten kaufen, um deren Kurse zu stabilisieren.

  • 23. - 27. Oktober 2011

    Nach einem Doppelgipfel beschließen die Euro-Länder das bislang dickste Paket zur Eindämmung der Krise: Griechenlands Schulden werden um 50 Prozent gekappt. Das im Juli beschlossene 109-Milliarden-Programm wird modifiziert: Nun soll es zusätzliche öffentliche Hilfen von 100 Milliarden Euro geben, sowie Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird. Die Schlagkraft der EFSF soll auf rund eine Billion Euro erhöht werden. Zudem müssen Europas Banken ihr Kapital um mehr als 100 Milliarden Euro aufstocken. „Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen“, bilanziert Merkel. Und Frankreichs Finanzminister François Baroin sagt erleichtert: „Es gab ein Explosionsrisiko. Das Abkommen von heute Nacht ist eine freundschaftliche, globale und glaubwürdige Antwort.“

  • 25. Oktober

    Am Abend berät der Haushaltsausschuss des Bundestages über die bisherigen Vereinbarungen zur Stärkung des EFSF und die Linie der Bundesregierung beim Gipfel am Mittwoch. Der Ausschuss muss Änderungen an den Leitlinien des EFSF zustimmen. Vor allem wäre die diskutierte „Hebelung“ der EFSF-Milliarden zur Vergrößerung der Schlagkraft des Rettungsschirms nicht ohne eine Zustimmung des Haushaltsausschuss möglich.

  • 31. Oktober 2011

    Kaum scheint den Euro-Rettern ein kurzes Durchatmen vergönnt, sorgt der griechische Premierminister Georgios Papandreou wieder für Aufregung. „Der Bürger wird aufgerufen sein, zu der neuen Schuldenvereinbarung laut 'Ja' oder 'Nein' zu sagen“, sagt der Regierungschef montags im Parlament. Das Volk solle entscheiden, ob die Beschlüsse des EU-Gipfels umgesetzt werden. Prompt wird die nächste Rettungspaket-Tranche eingefroren. Die Abstimmung soll am 4. Dezember statt finden.

  • 01. November 2011

    Verärgert über Papandreous Abstimmungs-Alleingang zitieren Merkel und Sarkozy den griechischen Staatschef zum Appell. Am Vorabend des G20-Treffens in Cannes setzen sie sich mit dem Griechen, IWF-Chefin Christine Lagarde und Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker zusammen. „Wir haben Papandreou, ohne ihm einen wirklichen Vorwurf zu machen, darauf hingewiesen, dass sein Benehmen illoyal ist“, wird Juncker am Tag darauf im ZDF-„Morgenmagazin“ sagen. Der unerwartete Vorstoß habe nun zu erheblichen Verstimmungen an den Finanzmärkten und in europäischen Regierungskreisen geführt. Die wichtigste Frage sei, ob Griechenland in der Euro-Zone bleibt oder nicht, so Juncker: „Wir hätten gerne, dass Griechenland Mitglied bleibt, aber nicht zu jedem Preis.“

  • 02. November 2011

    Kaum eine Woche im Amt überrascht der neue Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) die Öffentlichkeit: Aus Sorge um die Wirtschaft in der anhaltenden Griechenland-Krise, senkt Mario Draghi den Leitzins von 1,5 auf 1,25 Prozent. Gleichzeitig wird die bereits gebilligte Kreditauszahlung von acht Milliarden Euro an Griechenland auf Eis gelegt.

  • 4. November 2011

    Papandreou erhält Rückendeckung und gewinnt nach einer engagierten Rede eine Vertrauensabstimmung im griechischen Parlament. Zuvor hatte er mit dem Satz, „ich klebe nicht an irgendeinem Stuhl“, bereits die Bereitschaft zum Rückzug signalisiert. Gleichzeitig nimmt auch der Druck auf Italien zu. Am Rande des G20-Gipfels in Cannes stimmt Berlusconi zu, sein Reform- und Sparprogramm künftig vom Internationalen Währungsfonds (IWF) überwachen zu lassen. Die internationale Kontrolle soll mehr Vertrauen an den Märkten schaffen.

  • 6. November 2011

    Nach einer quälenden Hängepartie einigen sich die beiden großen politischen Lager in Athen auf eine Übergangsregierung. Hauptziel soll die Umsetzung der EU-Beschlüsse vom 27. Oktober sein. Später soll es Neuwahlen geben. Wer die neue Regierung führen soll, darüber wird noch tagelang gestritten. Die Konservativen fordern weiterhin zuerst einen Rücktritt des Sozialisten Papandreou.

  • 8. November 2011

    Nun steht auch Silvio Berlusconi vor dem Aus. Bei der Abstimmung über den Rechenschaftsbericht 2010 verfehlt er im italienischen Parlament die absolute Mehrheit. Am Abend kündigt er seinen Rücktritt an. Zuvor sollen aber noch die Brüssel zugesagten Reformen beschlossen werden.

  • 9. November 2011

    Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou kündigt in Athen seinen Rücktritt an. Im italienischen Parlament drücken die Fraktionschefs derweil aufs Tempo und einigen sich darauf, dass die Reformen innerhalb weniger Tage durchs Parlament gehen sollen. Staatspräsident Giorgio Napolitano ernennt den ehemaligen EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti überraschend zum Senator auf Lebenszeit - das wird in Rom als Signal gedeutet, dass Monti Nachfolger von Berlusconi werden könnte.

  • 10. November 2011

    Die Akteure in Athen einigen sich auf einen neuen Ministerpräsidenten: Der frühere EZB-Vizepräsident Lucas Papademos (parteilos) soll eine Übergangsregierung bis zu Neuwahlen führen und im Parlament die von den internationalen Geldgebern verlangten Reformen durchsetzen. In Italien scheint Silvio Berlusconi mit Mario Monti als neuem Regierungschef einverstanden zu sein.

  • 11. November 2011

    Das italienische Parlament beginnt mit der Abstimmung über die Sparpläne. In Athen wird die neue griechische Übergangsregierung vereidigt.

  • 29. November 2011

    Die Euro-Finanzminister beschließen, den EFSF mit einem Hebel erheblich zu stärken. Der Fonds soll Kredite privater Anleger absichern und deren Ausfallrisiko teilweise übernehmen. Allerdings räumen mehrere Euro-Minister ein, dass weniger Geld eingesammelt wird als geplant: Es besteht also die Gefahr, dass die im EFSF verbliebenen Mittel nicht auf die gewünschte Billion Euro vermehrt werden.

  • 01. Dezember 2011

    Merkel wirbt für eine „neue europäische Schuldenbremse“, damit die Euro-Länder ihre Finanzen in den Griff bekommen. Deutschland und Frankreich streben Änderungen der EU-Verträge an. Am 5. Dezember will Merkel mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in Paris Details präsentieren - vier Tage vor dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel. EU-Währungskommissar Olli Rehn ist sich sicher: „Wir kommen nun in die kritische Phase von zehn Tagen, um die Krisenantwort der EU zu beschließen.“

  • 05. Dezember 2011

    Merkel und Sarkozy einigen sich darauf, automatische Sanktionen und Schuldenbremsen in der Eurozone einzuführen. Standard & Poor's droht mit der Herabstufung von Deutschland, Frankreich und 13 weiteren Euroländern.

  • 09. Dezember 2011

    Nahezu alle Mitgliedstaaten einigen sich beim EU-Gipfel in Brüssel nach zähen Verhandlungen auf eine Fiskalunion. Großbritannien steht im Abseits. Eine Spaltung der EU wird abgewendet.

  • 12. Dezember 2011

    Eine OECD-Studie warnt vor einem Abflauen der Konjunktur in Europa. Die Einlagen der Banken bei der EZB steigen auf ein Jahreshoch. Griechenland steigt mit der Troika in erneute Gespräche über sein zweites Rettungspaket ein.

  • 14. Dezember 2011

    Der Bund setzt Anleihen für 4,2 Milliarden Euro zu 0,29 Prozent ab.

  • 15. Dezember 2011

    Die Ratingagentur Fitch stuft die Kreditwürdigkeit von fünf europäischen Banken um eine Stufe herab. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, warnt vor den Folgen einer Kreditklemme.

  • 16. Dezember 2011

    Nur eine Woche nach dem Gipfelbeschluss schickt EU-Ratschef Herman Van Rompuy den Entwurf für eine Fiskalunion an die Hauptstädte. Die Ratingagentur Fitch bestätigt die Kreditwürdigkeit Frankreichs mit der Note AAA. Moody's senkt die Kreditwürdigkeit Belgiens um zwei Stufen.

  • 30. Dezember 2011

    Bundesfinanzminister Schäuble lehnt eine Beteiligung der öffentlichen Gläubiger an der Umschuldung Griechenlands ab.

  • 09. Januar 2012

    Merkel und Sarkozy machen Druck für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Merkel erklärt, sie persönlich könne sich eine solche Abgabe auch auf Ebene der Euro-Länder vorstellen, auch wenn es dazu noch keine Einigung in der Bundesregierung gebe. Die FDP lehnt Merkels Vorstoß ab.

  • 12. Januar 2012

    In Athen beginnt eine wichtige Verhandlungsrunde über einen Schuldenschnitt der privaten Investoren für Griechenland.

  • 13. Januar 2012

    Standard & Poor's senkt die Bonität Frankreichs um eine Stufe auf AA. Acht weitere Euro-Länder sind ebenfalls betroffen.

  • 29. Januar 2012

    Sarkozy kündigt die Einführung einer Finanztransaktionssteuer im Alleingang an. Der Steuersatz soll 0,1 Prozent betragen.

  • 30. Januar 2012

    In Brüssel beraten die Staats- und Regierungschefs beim ersten EU-Gipfel des Jahres über Möglichkeiten, Wachstum und Beschäftigung zu stärken. Das Treffen wird von der Debatte über einen Sparkommissar für Griechenland überlagert.



  • 05.12.2011, 14:00 UhrAnonymer Benutzer: yoski

    1. Der globale Markt besteht nicht nur aus Europa. Auch wenn Euro Phantasten das nicht wahr haben wollen, es gibt da noch USA, China, Russland, Korea, Indien, Japan, Brasilien, Australien, Kanada, usw. ...und natuerlich haben die auch alle ihre eigenen Probleme wie Korruption, Immobilienblasen, usw.
    2. Werden die Produktiven in Europa bestraft weil die faulen/unfaehigen nicht mithalten koennen wird sich dadurch die Situation im globalen Wettbewerb fuer Europa verschlechtern. Gewinner werden Volkswirtschaften ausserhalb Europas sein und der Verlierer wird die EU.
    3. Die einzigen Moeglichkeiten fuer die EU sich im globalen Wettbewerb durchzusetzen ist entweder alle Mitglieder konkurenzfaehig zu machen oder weniger produktive Volkswirtschften ihrem Schicksal zu ueberlassen.

    Ersteres wurde jahrzehnte lang durch Transferleistungen und Subventionen versucht ohne das es auch nur das Geringste gebracht haette. Realistisch beleibt also nur die Option das sich leistungfaehige Volkswirschaften vom Euro distanzieren um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Wie wir wissen ist dies politisch fast unmoeglich. Daher sehe ich fuer Europas Zukunft schwarz. Es ist an der Zeit daraus die persoenlichen Konsequenzen zu ziehen und sich aus Europa abzusetzen. Zurueck bleiben Fruehrentner, Steuerhinterzieher, HartzIVler, Subventionsempfaenger, 1 Euro jobber und natuerlich die parasitaere Finanz- und Politikerkaste. Die EZB kann dann nach Herzenslust Geld drucken um die vielen gierigen Maueler zu stopfen, aber ohne mich. Wie so etwas dann funktioniert, wenn man Leistung bestraft, kann man in Argentinien oder Venezuela bewundern.

  • 05.12.2011, 13:26 UhrAnonymer Benutzer: ursularenner

    Juma hat recht. Innerhalb Italiens hat es Italien nicht geschafft - sowenig wie wir in Ostdeutschland - den Süden "wettbewerbsfähig" zu machen: Süditalien ist ein Faß ohne Boden; das Einzige, was dort funktioniert, ist die Mafia. Um die Jugendarbeitslosigkeit zu senken, müssen diese Länder Strukturreformen durchführen (der hohe Mindestlohn wie in Frankreich und die Einbetonierung von Alt-Arbeitsverhältnissen wie in Spanien benachteiligen die Jungen systematisch.

  • 05.12.2011, 13:13 UhrAnonymer Benutzer: mmueller

    Interessant wird sein, ob der IWF die Zentralbankgelder wird in jedem Fall zurückzahlen müssen oder nur dann, wenn die Schuldnerstaaten die "durchgeleiteten" Darlehen ihrerseits an den IWF zurückzahlen.

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