Euro-Krise
Spezialfonds des IWF soll Euro-Krisenländer stützen

Vor dem heutigen Treffen von Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy werden die Pläne zur Euro-Rettung immer konkreter. Eine Schlüsselrolle soll dabei offenbar der Internationale Währungsfonds spielen.
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BrüsselDie US-Notenbank Federal Reserve ist einem Medienbericht zufolge zusammen mit den 17 Zentralbanken der Euro-Zone bereit, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) Geld für krisengeschüttelte Euro-Länder zur Verfügung zu stellen. Die Zeitung „Die Welt“ (Montagausgabe) berichtet vorab unter Berufung auf verhandlungsnahe Kreise, dass die Zentralbanken der Euro-Zone einen dreistelligen Milliardenbetrag in einen Spezialfonds einzahlen sollten, aus dem dann Programme für Krisenländer finanziert würden. Auch die Fed erwäge, einen Teil der Kosten zu finanzieren.

US-Finanzminister Tim Geithner wird demnach diese Woche nach Europa kommen, um sich mit führenden Politikern und Notenbankern zu treffen. Ein solcher Rettungsfonds könnte ein Bestandteil der Pläne werden, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Montag in Paris besprechen wollen.

In Brüssel haben Diskussionen über die Summe möglicher Hilfen des IWF für klamme Euro-Länder begonnen. Auf Arbeitsebene werde darüber beraten, wie Zentralbanken der Eurozone dem Fonds dafür Kredite zur Verfügung stellen können, sagten Euro-Zonen-Vertreter am Wochenende in Brüssel. Bisher werde aber noch nicht über Größenordnungen gesprochen. „Deshalb sind sämtliche Zahlen im Moment reine Spekulation“, sagte ein hochrangiger Teilnehmer der Gespräche. Auf der Suche nach einem wirksamen Schutz für große Euro-Länder wie Italien und Spanien zieht die Euro-Zone ein stärkeres Engagement des IWF in Erwägung. Dafür sollen Zentralbanken der Währungsgemeinschaft dem Fonds weitere Darlehen gewähren.

Vertreter der Euro-Zone haben verschiedene Summen genannt, die von den Zentralbanken dem Fonds als bilaterale Kredite zur Verfügung gestellt werden könnten. Sie reichen von „deutlich weniger als 100 Milliarden Euro“ bis hin zu „mehreren 100 Milliarden Euro“. Gestärkt durch dieses Geld soll der IWF einspringen können, falls Italien und Spanien kein Geld mehr an den Finanzmärkten bekommen und auf mehrjährige Notkredite des IWF angewiesen sein sollten.

Der IWF ist bisher schon mit einem Drittel an laufenden Rettungspaketen beteiligt, doch in den Schwellenländern wächst der Unmut gegen noch mehr Hilfe für die reiche Euro-Zone.



Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • 1. Der globale Markt besteht nicht nur aus Europa. Auch wenn Euro Phantasten das nicht wahr haben wollen, es gibt da noch USA, China, Russland, Korea, Indien, Japan, Brasilien, Australien, Kanada, usw. ...und natuerlich haben die auch alle ihre eigenen Probleme wie Korruption, Immobilienblasen, usw.
    2. Werden die Produktiven in Europa bestraft weil die faulen/unfaehigen nicht mithalten koennen wird sich dadurch die Situation im globalen Wettbewerb fuer Europa verschlechtern. Gewinner werden Volkswirtschaften ausserhalb Europas sein und der Verlierer wird die EU.
    3. Die einzigen Moeglichkeiten fuer die EU sich im globalen Wettbewerb durchzusetzen ist entweder alle Mitglieder konkurenzfaehig zu machen oder weniger produktive Volkswirtschften ihrem Schicksal zu ueberlassen.

    Ersteres wurde jahrzehnte lang durch Transferleistungen und Subventionen versucht ohne das es auch nur das Geringste gebracht haette. Realistisch beleibt also nur die Option das sich leistungfaehige Volkswirschaften vom Euro distanzieren um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Wie wir wissen ist dies politisch fast unmoeglich. Daher sehe ich fuer Europas Zukunft schwarz. Es ist an der Zeit daraus die persoenlichen Konsequenzen zu ziehen und sich aus Europa abzusetzen. Zurueck bleiben Fruehrentner, Steuerhinterzieher, HartzIVler, Subventionsempfaenger, 1 Euro jobber und natuerlich die parasitaere Finanz- und Politikerkaste. Die EZB kann dann nach Herzenslust Geld drucken um die vielen gierigen Maueler zu stopfen, aber ohne mich. Wie so etwas dann funktioniert, wenn man Leistung bestraft, kann man in Argentinien oder Venezuela bewundern.

  • Juma hat recht. Innerhalb Italiens hat es Italien nicht geschafft - sowenig wie wir in Ostdeutschland - den Süden "wettbewerbsfähig" zu machen: Süditalien ist ein Faß ohne Boden; das Einzige, was dort funktioniert, ist die Mafia. Um die Jugendarbeitslosigkeit zu senken, müssen diese Länder Strukturreformen durchführen (der hohe Mindestlohn wie in Frankreich und die Einbetonierung von Alt-Arbeitsverhältnissen wie in Spanien benachteiligen die Jungen systematisch.

  • Interessant wird sein, ob der IWF die Zentralbankgelder wird in jedem Fall zurückzahlen müssen oder nur dann, wenn die Schuldnerstaaten die "durchgeleiteten" Darlehen ihrerseits an den IWF zurückzahlen.

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