Euro-Krise und Griechenland
Tsipras besucht Russland – mitten in der Krise

Auf dem Höhepunkt der Krise besucht Tsipras Russland: Der russische Präsident Putin sendet eine Spitze an den Westen und empfängt den griechischen Regierungschef beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg.
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St. PetersburgIn den europäischen Hauptstädten laufen die Drähte wegen des ungelösten griechischen Schuldenproblems heiß, doch der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras nimmt sich erst einmal Zeit für eine Reise nach St. Petersburg: Tsipras wird am Freitag vom russischen Präsidenten Wladimir Putin als heimlicher Stargast beim alljährlichen russischen Wirtschaftsforum erwartet – dem russischen Pendant zum winterlichen Weltwirtschaftsforum von Davos.

Das Wirtschaftsforum in der Zarenstadt gerät leicht zu einem Forum mit anti-westlicher Spitze. Jeder Teilnehmer überlegt sich angesichts der Ukraine-Krise und der Einverleibung der Krim durch Russland, ob eine Reise nach St. Petersburg angezeigt ist.

Die Chefs mehrerer Energie-Konzerne – Patrick Pouyanné von Total, Ben van Beurden von Shell und Robert Dudley von BP – haben sich für die Teilnahme entschieden, doch zahlreiche andere hochrangige Unternehmensvertreter aus dem Westen bleiben dem Petersburger Forum diesmal fern.

Das dreitägige Forum beginnt am Donnerstag, der Freitag dürfte für die wichtigsten Schlagzeilen gut sein. Denn für Freitag ist ein Zusammentreffen Putins mit Tsipras angekündigt und für Freitagnachmittag dann eine Rede Putins.

Der russische Präsident hatte schon im April eine Gelegenheit, bei einem Besuch Tsipras' in Moskau eine Bresche in der westlichen Ukraine-Position aufzudecken. Der griechische Regierungschef sprach sich damals für ein Ende der EU-Sanktionen gegen Russland aus, er warnte vor einem „Teufelskreis der Sanktionen“.

Tsipras nutze seine Reisen nach Russland, um den anderen Europäern zu zeigen, „dass er noch weitere Karten hat“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Jewegenij Gontmacher von der Russischen Akademie der Wissenschaften. Russland sei aber „objektiv nicht in der Lage, die griechische Schuldenfrage zu lösen“.

Wenn überhaupt, soll der russische Beitrag indirekter geleistet werden. Schon beim Tsipras-Besuch im April war davon die Rede, der russische Gasriese Gazprom wolle die Verlängerung der Gas-Pipeline TurkStream in Griechenland finanzieren. Der griechische Energieminister Panagiotis Lafazanis bezifferte das Projekt auf zwei Milliarden Dollar (knapp 1,8 Milliarden Euro).

Aus russischer Sicht ist das griechische Dossier letztlich nur eines unter vielen. Die Regierung in Moskau setzt schon seit Monaten immer offener auf einen Ausbau der Beziehungen zu asiatischen Staaten. Mit dem Energieriesen BP wird nach Informationen der „Financial Times“ ein Gemeinschaftsprojekt in Sibirien angestrebt.

Der „erste Schock“ der Sanktionen und der Konfrontation mit dem Westen sei vorüber, sagt der Moskauer Wirtschaftswissenschaftler Nikolaj Petrow. Beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg gebe es reichlich „Gesprächsstoff“. So gehe er davon aus, dass dieses Jahr mehr ausländische Unternehmenschefs teilnähmen als 2014.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • es wird ihnen immr wieder gelingen. Soll Zipras doch mal schauen, wie weit er mit 1,8 Mrd. € aus Russland kommt. Kredite wird er dort nicht erhalten. Auf solche Partner können wir verzichten.

  • Wie kann man sich soweit demütigen lassen und einen Staat anbetteln, doch
    bitte die Milliarden fremdes Geld zu nehmen, dessen Representanten sich so aufführen?
    Es gibt in der EU und angrenzende Staaten gewiss bedürftigere Menschen
    als in Griechenland, die jahrzehntelang wie die Made im Speck gelebt haben.
    Wann findet Europa endlich seine Selbstachtung wieder?
    Ein Ende mit Schrecken ist besser als ein Schrecken ohne Ende!
    Sollte es diesen politischen Hasardeuren noch einmal gelingen Europa am
    Nasenring herumzuführen?

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