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Euro-Krise: Ungarns Ruf ramponiert

Mit ihren Warnungen und Griechenland-Vergleichen hat die ungarische Regierung viele Investoren verschreckt. Es dürfte Monate dauern, um das Vertrauen an den Finanzmärkten zurückzugewinnen. Dabei gehen viele Beobachter davon aus, dass die Aussagen innenpolitisch motiviert waren und es Ungarn tatsächlich deutlich besser geht als befürchtet.

Vor schmerzhaften Einschnitten: Ungarns Regierungschef Viktor Orban. Quelle: dpa
Vor schmerzhaften Einschnitten: Ungarns Regierungschef Viktor Orban. Quelle: dpa

HB BUDAPEST. Nach dem Griechenland-Vergleich durch hochrangige Regierungsvertreter dürfte Ungarn Monate brauchen, um sich das Vertrauen der Finanzmärkte zurück zu erobern. Im Fokus wird dabei auch stehen, wie die Details einer Vereinbarung mit EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) zum Schuldenabbau des Landes aussehen werden. Experten gehen davon aus, dass sich Märkte und Investoren erst dann wieder beruhigen werden, wenn die Regierung den Beweis für die Sanierung der Staatsfinanzen liefert. "Wir brauchen vollständige Details für die Wirtschafts- und Finanzpolitik, aber auch umfassende Vorhaben für Strukturreformen", sagte Peter Attard Montalto von Nomura in London. "Ungarn hat einen schweren Image-Schaden erlitten und es wird sehr lange dauern, und eine Menge harter Daten wird nötig sein, um die Glaubwürdigkeit wiederherzustellen."

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Die Renditen der ungarischen Staatsanleihen verteuerten sich am Freitag in Reaktion auf die Äußerungen; der Euro sank auf den tiefsten Stand seit vier Jahren. Zuvor war der stellvertretende Vorsitzende der Regierungspartei Fidesz, Lajos Koza, mit den Worten zitiert worden, Ungarn habe nur eine geringe Chance, das Schicksal Griechenlands zu vermeiden. Ein Sprecher von Regierungschef Viktor Orban hatte gesagt, dieser teile die Einschätzung. Am Wochenende war Budapest dann um Schadensbegrenzung bemüht. Auch am Montag versuchte Wirtschaftsminister Gyorgy Matolcsy, die Wogen zu glätten. „Wir werden an unserem Defizit-Ziel von 3,8 Prozent für dieses Jahr festhalten. Dies wurde mit dem IWF und der EU verabredet und es wurde auch von der ungarischen Regierung abgesegnet, also besteht kein Zweifel daran.“

Die Aufregung war vermutlich unnötig, denn viele Ökonomen sind sehr wohl der Meinung, dass Ungarn nicht das nächste Griechenland ist. Die Zahlen für das Haushaltsdefizit sind ebenso wie die für die Staatsverschuldung nicht annähernd so hoch wie in Griechenland. Die Staatsverschuldung lag 2009 bei 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP); bei den Griechen dürfte diese Kennzahl dieses Jahr auf 133 Prozent steigen. Das Defizit lag in Ungarn 2009 bei vier Prozent und vor den jüngsten Ereignissen hatten Analysten für dieses Jahr mit fünf Prozent gerechnet. Zudem hat Ungarn die Rezession hinter sich gelassen, was wiederum für Griechenland nicht gilt.

Auch steht Ungarn, das kein Mitglied der Euro-Zone ist, nicht unter demselben Druck wie Griechenland, sich über die Finanzmärkte refinanzieren zu müssen. Sollt es bei fälligen Anleihen in diesem Jahr doch knapp werden, hätte das Land Experten zufolge ausreichend Liquidität, um sich zumindest bis zum Jahresende über Wasser zu halten. Zudem belaufen sich die Reserven der Zentralbank auf rund 34 Milliarden Euro.

Viele Beobachter gehen ohnehin davon aus, dass die Aussagen der Vertreter der erst seit Ende Mai amtierenden neuen Mitte-Rechts-Regierung eher ans ungarische Volk gerichtet waren denn an die Finanzmärkte: Die Regierung, die vor der Wahl Steuersenkungen versprochen hat, will die Ungarn offenbar auf schmerzhafte Einschnitte oder Wirtschaftsreformen einstimmen. In jedem Fall legen die Ereignisse nahe, dass die neue Regierung auf gefährliche Weise unsensibel ist im Umgang mit den Finanzmärkten. „Für Anleger heißt das, dass sie auf weitere Überraschungen und damit verbundene Kursausschläge vorbereitet sein müssen“, sagte Christian Keller von Barclays. Doch auch für Ungarn ist es wichtig, das Vertrauen der Märkte zu haben, da das Land wegen Krediten in Euro und Schweizer Franken ein hohes Währungsrisiko hat.

"Was nun gebraucht wird, sind Lösungen, die vom IWF und der EU abgesegnet werden", sagte Aegon-Securities-Analyst Gabor Orban. Die Europäische Kommission forderte die Regierung am Donnerstag auf, die Haushaltskonsolidierung zu beschleunigen. Der IWF hat sich bislang noch nicht zu den Plänen der neuen Regierung geäußert. „Ich denke, sie haben sich nun von EU und IWF noch abhängiger gemacht als sie es selbst wollten“, sagte Barclays-Analyst Keller.

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