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Euro-Krise: Union bei Zypern-Hilfe zu Gesprächen mit SPD bereit

Die SPD hat ihre Zustimmung zu Hilfen für Zypern an Bedingungen geknüpft. Unionsfraktionschef Kauder zeigt sich offen für Gespräche. Zunächst müsse aber geklärt werden, ob Zyperns Banken überhaupt systemrelevant seien.

Unionsfraktionschef Volker Kauder geht bei der Zypern-Hilfe auf die SPD zu. Quelle: dapd
Unionsfraktionschef Volker Kauder geht bei der Zypern-Hilfe auf die SPD zu. Quelle: dapd

BerlinUnionsfraktionschef Volker Kauder ist offen für Gespräche über die Bedingungen der SPD für eine Zustimmung zum Hilfspaket für Zypern. "Darüber können wird reden, wenn es soweit ist", sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe) laut Vorabbericht. Vor einer Entscheidung über Hilfen müsse aber geklärt werden, ob die Banken Zyperns für die Euro-Zone überhaupt systemrelevant seien, sagte Kauder. In jedem Fall müsse die Europäische Union Zyperns Banken streng kontrollieren und reglementieren, forderte Kauder. Außerdem müsse der überdimensionierte Bankensektor des Euro-Landes verkleinert werden. Eine weitere Voraussetzung sei die Selbstverpflichtung Zyperns, "kein Schwarzgeld mehr anzunehmen", fügte Kauder hinzu.

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Vier Bedingungen für Hilfe Steinbrück will es Zypern nicht leicht machen

Die SPD will keinen Blanko-Scheck für Zypern-Hilfen ausstellen.

Die SPD verlangt, dass ein Hilfspaket für Zypern auch Maßnahmen gegen Geldwäsche, Steuerdumping und Steuerhinterziehung in dem Land vorsehen müsse. Die Liberalen haben ihre Zustimmung zu Hilfen vom Kampf gegen die Geldwäsche abhängig gemacht. Auch in der Unionsfraktion gibt es Vorbehalte gegen Finanzhilfen für Zypern.

Warum Hilfe für Zypern kein Selbstläufer ist

  • Widerstand im deutschen Bundestag

    Im deutschen Bundestag, der einem ESM-Hilfsprogramm für Zypern zustimmen muss, scheint es derzeit keine Mehrheit für ein Rettungspaket zu geben. SPD und Grüne haben deutlich gemacht, dass sie einem Hilfsprogramm für Zypern nur zustimmen werden, wenn damit keine Schwarzgelder gerettet und Maßnahmen gegen die vermutete Geldwäsche im Land ergriffen werden. Ohne Stimmen aus dem Oppositionslager dürfte ein Hilfsprogramm für Zypern aber keine Mehrheit im Parlament erhalten. Denn in der Regierungskoalition gibt es zahlreiche Abgeordnete, die die Rettungspolitik grundsätzlich ablehnen.

  • Fehlende Zustimmung des IWF

    Der Internationale Währungsfonds (IWF) bezweifelt, dass mit den diskutierten Hilfsmaßnahmen die Schuldentragfähigkeit Zyperns hergestellt werden kann. Das ist aber eine Bedingung für IWF-Hilfen. Deshalb fordert der Fonds, dass die zyprischen Banken vom europäischen Rettungsfonds (ESM) rekapitalisiert werden. Doch Voraussetzung hierfür ist eine gemeinsame europäische Bankenaufsicht, die es aber nicht vor Mitte 2014 geben wird. Alternativ könnte die Schuldentragfähigkeit durch einen Schuldenschnitt wiederhergestellt werden. Doch dies ist laut EU-Kommissar Rehn keine Option.

  • Schuldenmanagement ohne Aussicht auf Erfolg

    In Zypern drohen die Staatsschulden in den kommenden Jahren auf 160 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu steigen. Bereits Ende 2012 lag die Schuldenquote wegen der hohen Haushaltsdefizite in den zurückliegenden Jahren wohl bei knapp 90 Prozent. Und ohne Einnahmen aus dem Verkauf von Staatsvermögen wird der zyprische Staat bis 2015 zur Finanzierung seiner laufenden Ausgaben neue Schulden in Höhe von 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes machen müssen. Wird dem Staat auch noch die Rettung seiner Banken aufgebürdet, wie von den Euro-Finanzministern gefordert, kommen nochmals mehr als 10 Milliarden Euro bzw. 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes hinzu. Diese Summe benötigen die zyprischen Geschäftsbanken, um die Verluste aus ihrem Griechenland-Geschäft und den steigenden Kreditausfällen im Inland auszugleichen sowie die höheren Eigenkapitalanforderungen der Europäischen Bankenaufsicht zu erfüllen.

  • Widerstand Zyperns gegen EU-Forderungen

    Die Troika fordert von Zypern, die Steuern zu erhöhen, die aufgeblähte öffentliche Verwaltung zu verkleinern, die Banken schärfer zu regulieren und Staatsunternehmen zu verkaufen. Doch dagegen wehrt sich die zyprische Regierung. Denn das Wirtschaftsmodell des Landes zielt darauf ab, durch niedrige Steuersätze und eine laxe Regulierung Dienstleistungsunternehmen und Kapital anzulocken. Allein der Finanzsektor wuchs von 1995 bis 2011 um 240 Prozent. Sein Anteil an der Gesamtwirtschaft erhöhte sich von 4,9 auf 8,8 Prozent.

  • Wirtschaftsmodell ohne Zukunft

    Finanziert wurde das Wirtschaftswachstum bisher vor allem mit ausländischem Kapital, vornehmlich aus Griechenland und Russland. Dies spiegelt sich in der tief roten Leistungsbilanz des Landes wider. Ein alternatives Wirtschaftsmodell ist aber nicht in Sicht. Die Industrie ist mit einem Anteil von 6 Prozent an der Gesamtwirtschaft zu klein, um die negativen Effekte der Umstrukturierung im Finanzsektor und im öffentlichen Dienst zu kompensieren. Und auch das zweite wirtschaftliche Standbein der Insel, der Tourismus, kann das nicht leisten. Er steht in direkter Konkurrenz zu Griechenland, Türkei und Nordafrika, die alle versuchen, ihren Tourismus auszuweiten.

Zypern verhandelt seit Monaten mit der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) über Finanzhilfen in Höhe von gut 17 Milliarden Euro. Davon sollen zehn Milliarden Euro zur Rekapitalisierung angeschlagener Banken eingesetzt werden. Ohne grünes Licht des Bundestages kann kein Geld des Euro-Rettungsschirms ESM nach Zypern fließen.

  • 04.02.2013, 18:49 Uhrmerkle

    Außer von den Linken wird Deutschland so oder so ausverkauft. Die Altparteien sind nicht mehr wählbar. Und die Energiepreise explodieren dermaßen, dass Wahlen nur noch gemieden werden können.

  • 04.02.2013, 13:43 UhrGoldfibau24

    Hallo,

    sehr interessant ist auch die Problematik über die Wahrheit der “Goldrückholung”. Der Artikel ist zwar auf Englisch aber sehr gut. ->

    http://www.weiter-lesen.net/305/dailyresourcehuntercomtherealstorybehindgermanysgoldrecall

  • 04.02.2013, 12:31 Uhrlensoes


    CDU Kauder, CDU Öttinger, SPD Schulzchen etc etc, erkennen sehr wohl die Systemrelevanz Zyperns uneingeschränkt an.

    Bravo, ein Hoch auf Geldwäsche/Offshore, verständlich ebenfalls die Nichtfreigabe der kontrollierten Drogenabgabe, somit Entkriminalisierung Drogenhandel.

    Würd ja das "Geschäft der Herren" beeinträchtigen.

    Man darf ruhigen Gewissens von eine Interessensmischpoge sprechen. Jeder fand/findet sein Plätzchen/Auskommen.

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