Euro-Krise

Warnschuss für Athen

Der Internationale Währungsfonds reagiert auf die Regierungskrise in Griechenland und setzt die Gespräche mit Athen über Hilfszahlungen aus. Auch Bundesfinanzminister Schäuble warnt die Griechen.
Update: 29.12.2014 - 20:42 Uhr 23 Kommentare

„Endlich sind wir die Blutsauger los!“

AthenDer Internationale Währungsfonds (IWF) setzt die Gespräche mit Griechenland über Hilfszahlungen bis zur Bildung einer neuen Regierung aus. Die nächste Kredittranche könne erst ausgezahlt wenn, wenn nach der für Januar geplanten Neuwahl eine neue Regierung gebildet worden sei, teilte der IWF am Montag in Washington mit. Er reagierte damit auf die endgültig gescheiterte Wahl eines Staatschefs im griechischen Parlament, was die Auflösung der Volksvertretung und eine vorgezogene Parlamentswahl nach sich zieht.

Die Verhandlungen über die nächste Tranche an Notkrediten führt der IWF gemeinsam mit Vertretern der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Gespräche der Troika mit Athen würden erst wieder aufgenommen, „wenn eine neue Regierung steht“, sagte IWF-Sprecher Gerry Rice. Er fügte hinzu, Griechenland habe keinen „unmittelbaren“ Finanzierungsbedarf.

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warnte Griechenland angesichts der anstehenden Parlamentswahl vor einer Abkehr vom Sparkurs. „Wenn Griechenland einen anderen Weg einschlägt, wird es schwierig“, hieß es in einer Mitteilung seines Ministeriums vom Montag.

Ökonom Michael Hüther hält die Konsequenzen der Entwicklungen in Athen für überschaubar. Ein geordneten Austritt Griechenlands sei für der Euro-Zone ungefährlich. „Ich glaube, die Währungsunion könnte heute einen Austritt Griechenlands verkraften. Die Ansteckungseffekte auf andere Länder wären gering›, sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) der „Welt“.

„Eine griechische Regierung unter Tsipras wäre gegenüber der EU in einer schlechten Verhandlungsposition“, ergänzte Hüther. „Die Erpressbarkeit Europas ist deutlich geringer als vor drei Jahren. Andere Länder wie Irland und Portugal haben sich aus der Krise gearbeitet, und es gab institutionelle Fortschritte wie die Banken-Union.„ Die griechische Bevölkerung werde sich bei dem Wahlgang „dreimal überlegen, ob sie einen anderen Weg einschlagen will“, so der Ökonom. „Bei einem Euro-Austritt droht dem ganzen Land eine gewaltige Verarmung und der Austritt aus der EU.“

Am Vormittag konnte das griechische Parlament auch im dritten Wahlgang keinen neuen Präsidenten wählen. Die Verfassung sieht in diesem Fall vorgezogene Wahlen vor. Nun hat das griechische Volk das Wort. Am 25. Januar soll es entscheiden, wer das von der Pleite bedrohte Land führen soll. Viele sprechen von einem „Showdown“ zwischen dem konservativen noch amtierenden Regierungschef Antonis Samaras mit dem Chef der Linken Alexis Tsipras.

Tsipras hat sein erstes Ziel erreicht. Er benutzte die Wahl eines Präsidenten im Parlament als Hebel, um die vorgezogene Wahl zu erzwingen. Diese erste Machtprobe hat er für sich entschieden. Jetzt will er auch die Wahlen gewinnen. Wenn er an die Macht kommt, sollen seinen Worten zufolge „die Märkte nach der Musik Griechenlands tanzen“ und nicht wie bisher umgekehrt. Tsipras will auch einen Schuldenschnitt. Und die Privatisierungen stoppen. Entlassene Staatsbedienstete sollen wieder eingestellt werden. Und Löhne und Renten wieder steigen.

Der Vorsprung der Syriza-Partei schrumpft
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23 Kommentare zu "Euro-Krise: Warnschuss für Athen"

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  • Wenn ein Hüther so spricht, verfolgt er - wie meistens oder besser immer - Lobbyinteressen. Einfach mal unter "Hüther" googeln. Der spricht nie nach bestem Gewissen, sondern nach dem, der ihn füttert.

  • Hüther:„Bei einem Euro-Austritt droht dem ganzen Land eine gewaltige Verarmung und der Austritt aus der EU.“

    Die meisten Griechen SIND bereits gewaltig verarmt und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, das sich ihre Lage verschlimmert, wenn Griechenland aus dem EURO austritt.

  • EUR-Zone - Game Over

    ... und jetzt auch noch die Semi-Demokratie in der EU gefährdet.

    Wo kommen wir da hin, wenn jeder wählt wie er will. Merkel, Schäuble und die Brüder-im-Geiste wie JC Juncker, EU-KP, bekennender Lügner und größter Steuerdieb aller Zeiten, werden die Griechen schon erpressen ... das ist hier bevorzugtes Handwerk.

  • Tsipras ante portas
    -----------
    Und die Eurokraten schalten in den Panikmodus.
    Tspras will die Vereinbarungen mit der Troika nicht mehr einhalten.
    Er fordert einen Schuldenschnitt für die griechischen Schulden.
    Er will den Mindestlohn um 30% erhöhen, die Renten anheben, eine freie Heilvorsorge etc.
    Ebenfalls plant er, die wenigen bisher freigesetzten Beamten und Staatsdiener rückgängig zu manchen. Ebenfalls die Privatisierung.

    Bisher flossen die "Hilfskredite" zu fast 100% an die Banken und Hedgefonds. Die Bevölkerung sah davon nichts, musste aber die Sparorgien aushalten.

  • Eine gewisse Analogie ist schon mit der SPD vorhanden.
    Tsipras, der eine Seelenverwandtschaft zur deutschen Partei "Die Linke" nicht leugnet, könnte doch ruhig ein Grusswort auch an die Thüringer SPD schicken. Wenn er es schon nicht gemacht hat. Die sind ja jetzt Cheek to Cheek. Dies Linke bekennt sich wiederum ganz kar zu Putin. Ist deren Meister sozusagen. Dieser Meitser Putin umgarnt, wenn ich der HB Reaktion glauben schenken darf, die sogenannten Rechten.
    Tja, was soll man davon halten.

  • Also wenn der Schuss mal nicht nach hinten los geht. Wer stolzen Menschen droht bekommt selten was er will.

  • Sehr geehrter Herr Aaron Hirschberger
    Hn. Tsipras mit Adolf Hitler in einem Atemzug zu nennen, ist völlig daneben!

    Im Alter von 40J. hatte AH in seiner politischen Biographie schon einiges mehr hinter sich, als ein paar populistische Sprüche eines Hn. Tsipras.

    Solche Vergleiche sind unangebracht, da sie AH völlig unangemessen egalisieren und einen Hn. Tsipras entspr. überhöhen sollen.

    Und weiterhin: Der jiddische Spruch mag für den Kleinbürger gelten, was aber genauso unangebracht ist, da die politische Adresse, an die Sie Ihre Mahnung zu richten gedenken, damit aber auch gar nichts anzufangen weiß!

  • Alles ein großer Sturm im Wasserglas. Hier geht es um Bankgelder und die wird kein EU-Politiker gefährden.

  • Die Griechen dürfen gerne wählen wen sie wollen, aber sie müssen dann halt auch mit den Konsequenzen leben:

    Wenn die Griechen einen Herrn wählen, der ihnen verspricht, dass die Bürger anderer Staaten ihm jenes Geld geben müssen, welches er verteilen will, dann kann es schon einmal passieren, dass jene Bürger diesem Herrn und seinen Wählern sagen, dass sie nicht bereit sind, jenes Geld zu liefern.

    Wenn also die Bürger Griechenlands die Staatspleite und den Rauswurf aus der EU wählen, dann müssen sie natürlich auch die Folgen tragen.

    Finden Sie nicht, dass man die Bürger Griechenlands vor jenen Folgen warnen sollte?

  • ich bin sprachlos ! Dürfen die Griechen wählen wen sie wollen oder müssen sie wählen was ihnen aus Brüssel und dem IWF vorgeschrieben wird ? Ist das noch Demokratie ? Das kling eher wie die sogenannte Demokratie einer Diktatur. Traurig, traurig....

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