Euro-Krise
Warum Wachstum für Spanien nicht reicht

Die Lage in Spanien ist dramatisch: Jeder Vierte ist arbeitslos, eine wirkliche Trendwende ist nicht in Sicht. Wissenschaftler und Politiker streiten darüber, was jetzt noch helfen kann.
  • 4

Madrid/DüsseldorfSchon seit Monaten spaltet ein Möbelstück die iberische Halbinsel: Hinter den Schreibtischen der Arbeitsämter herrscht Vollbeschäftigung. Davor stehen Millionen Schlange. Denn obwohl die Arbeitslosenquote zuletzt leicht sank, ist immer noch jeder Vierte arbeitslos. Damit führt Spanien die europäische Statistik an, übertroffen nur von Griechenland.

Doch hinter den Zahlen steht mehr als eine Krise: Seit Jahren gilt der spanische Arbeitsmarkt als Sorgenkind Europas. Schon lange ringen Politik und Wissenschaft um eine Lösung für immer mehr erwerbslose Spanier. Es geht um die Frage, ob der Arbeitsmarkt zu rigide ist, ob er Jugendliche benachteiligt, ob Unternehmen produktiver arbeiten müssen – oder ob Spanien nur auf Wachstum warten muss.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Internationale Währungsfonds (IWF) fordern eine Flexibilisierung: Sie wollen, dass der Kündigungsschutz gelockert wird und Unternehmen mit Kurzarbeit oder Lohnkürzungen auf weniger Aufträge reagieren können. Die Regierung um Premierminister Mariano Rajoy hat im Februar 2012 schließlich eine Reform verabschiedet, die jene Forderung erfüllen sollte.

Obwohl die Arbeitslosenquote in diesem Jahr höher ist als im vergangenen: Die Arbeitsmarktreform habe den Jobabbau im privaten Sektor abgeschwächt, urteilen die Experten im Arbeitsministerium. Unternehmen konnten erstmals den Lohn senken, statt Kündigungen auszusprechen. Gleichzeitig wurden aber Abfindungszahlungen verbilligt – was letztlich doch zu einer Kündigungswelle und damit dem Anstieg der Quote geführt hat.

„Die Reform ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, meint Professor Jordi Costas von der Business School eada in Barcelona. Der Arbeitsmarkt Spaniens sei viel zu rigide, neue Jobs könnten nur entstehen, wenn die Lohnkosten nicht horrend hoch seien. Die Maßnahmen der Regierung allein könnten die hohe Arbeitslosigkeit aber nicht ändern, dafür müsse auch über Spanien hinaus eine wirtschaftliche Erholung einsetzen.

Für 2014 prophezeit die OECD dem Land ein Wachstum von 0,4 Prozent – im Arbeitsministerium ein Grund zum Jubeln. Allerdings: In der Vergangenheit sind in Spanien erst ab einem Wachstum von zwei Prozent überhaupt neue Jobs entstanden, von saisonalen Schwankungen einmal abgesehen.

Seite 1:

Warum Wachstum für Spanien nicht reicht

Seite 2:

Gespaltener Arbeitsmarkt

Kommentare zu " Euro-Krise: Warum Wachstum für Spanien nicht reicht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • aber der schäuble sagt doch immer, dass alle auf einem guten Weg sind. hat der wieder, oder pausenlos gelogen?

  • eine Verbeamtung waere statt dessen zu erwaegen. Es koennte dann geistiger Wildwuchs beschnitten werden.

  • Der Teufel steck im Detail. Man schwadroniert über Arbeitsmarktflexibilisierungen und erreicht dennoch nichts! Warum schafft man denn keine Versorgung seiner Bürger und bürded stattdessen immer weniger arbeitenden immer mehr auf? Auf der anderen Seite möchte man anti westliche Kulturen hier ansiedeln. Die Politik der Eurokraten und Eliten ist einfach nicht zu verstehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%