Euro-Krise
Weidmann fordert erneut Reformen

Bundesbankpräsident Weidmann will den Staaten der Eurozone die notwendigen Reformen ins Gedächtnis rufen. Die Hilfsmaßnahmen der Notenbanken seien befristet und damit nicht die langfristige Lösung der Krise.
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FrankfurtBundesbank-Präsident Jens Weidmann hat von den Eurostaaten erneut Reformen der Finanz- und Wirtschaftspolitik gefordert. Die Sondermaßnahmen der Notenbanken der Eurozone seien begrenzt und befristet und sie dürften keinesfalls einen Vorwand liefern, die notwendigen Reformen aufzuschieben, schrieb Weidmann in einem Gastbeitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

„Für mich ist es ein zentrales Anliegen, dass hierdurch keine Stabilitätsrisiken entstehen, etwa wenn der Eindruck entstünde, die Geldpolitik gerate ins Schlepptau der Finanzpolitik.“ Weidmann forderte ein zügiges Konzept, wie die derzeit sehr umfangreiche Unterstützung der Banken wieder zurückgefahren werden kann.

„Die Risiken, die das Eurosystem übernimmt, sind zu einem gewissen Grad unvermeidlich, aber wir setzen uns mit Nachdruck dafür ein, dass sie in vertretbaren Grenzen bleiben“, erklärte Weidmann. „Dazu trägt auch bei, dass das Eurosystem zügig ein Konzept entwickelt, wie die umfangreiche Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken zeitgerecht zurückgeführt wird, damit daraus keine Inflationsgefahr entsteht.“

Der Schlüssel zur Lösung der Krise liege am Ende nicht bei den Notenbanken, sondern bei den Mitgliedstaaten. Der seit Mai vergangenen Jahres amtierende Bundesbank-Präsident und frühere wirtschaftspolitische Berater der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte erneut, dass Geld- und Finanzpolitik strikt zu trennen und hierbei insbesondere das Verbot der monetären Staatsfinanzierung zu achten sei. „Es ist nicht Aufgabe der Geldpolitik, marode Banken künstlich am Leben zu erhalten oder die Zahlungsfähigkeit von Staaten abzusichern“, schrieb er. Weidmann gilt im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) als Mahner vor einer zu expansiven Geldpolitik.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • ... hier treten nur wenige zurück. sie wollen nicht die folgen sehen. sie wollen es wissen. genau wie das politbüro. und dann kommt das große staunen. ja, wer hätte das gedacht?

  • ‚Es ist nicht Aufgabe der Geldpolitik, marode Banken künstlich am Leben zu erhalten oder die Zahlungsfähigkeit von Staaten abzusichern“, schrieb er.'

    Man muss sich bewusst machen, welche Margen die Banken für die Durchleitung der EZB-Mittel für die Staatsfinanzierung machen. Im zivilen Leben würden diese Gewinne wegen Geldwäsche einkassiert. Das ist im vorliegenden Fall ebenso nachzuholen.

    Es ist doch ganz klar, dass die Bankvorstände daraus ihre Boni schröpfen.

    Wie kann man als Politiker dagegen "anstänkern" und andererseits den "Zucker" für diese Spur auslegen. Es ist doch wirklich nichts anderes und von Anfang an darauf ausgelegt.

  • Nachdem was und wie Sie es schreiben, suchen Sie eine Form des Geldes, das nicht von Politikern beeinflusst wird oder werden kann. Da müssen sie dann schon auf die zweitbeste Lösung zurückgreifen. Das mag nicht die beste aber die risikoärmste und robusteste Lösung sein.

    Man muss sich also aus Geldanlagen, die politisch motiviert manipuliert werden können zurückziehen.

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