Euro-Krise
Wie die EZB Griechenland am Leben hält

Nicht nur die Rettungspakete haben eine griechische Pleite verhindert. Auch die EZB hilft dem Krisenland – mit Krediten für die Banken. Dabei sind die Sicherheiten der Kreditinstitute im Ernstfall wenig wert.
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Die europäischen Regierungen und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben Griechenlands Regierung mit zwei Rettungspaketen von insgesamt 240 Milliarden Euro vor dem Bankrott bewahrt. Doch mindestens ebenso wichtig ist die laufende Unterstützung durch Kredite von der Europäischen Zentralbank (EZB).

Dabei spielen die Käufe griechischer Staatsanleihen durch die EZB ab Mai 2010 eine untergeordnete Rolle. Wie groß genau sie waren, gibt die EZB nicht offiziell bekannt, aber inoffiziell ist die Rede von einer Größenordnung von rund 40 Milliarden Euro. Die eher zaghaften Käufe verhinderten nicht, dass die Renditen der griechischen Anleihen durch die Decke gingen, und die EZB stellte die Käufe recht bald wieder ein.

Über Wasser hält die EZB Griechenland stattdessen durch großzügige Auslegung der eigenen Regeln für die Finanzierung von Kreditinstituten. Die griechischen Banken sind auf ständigen Liquiditätsnachschub von der Notenbank angewiesen, weil das Geld schnell wieder von ihren Konten abfließt – in Form von Bargeld, das die Menschen horten, zur Bezahlung der Importe und des Schuldendienstes ans Ausland, und weil viele Anleger ihr Geld ins Ausland bringen.

Eigentlich leiht die EZB nur Banken mit guter Bonität Geld gegen gute Sicherheiten. Im Verlauf der Krise hat sie jedoch immer wieder die Anforderungen an diese Sicherheiten gesenkt, wenn den Banken der Krisenländer die guten Sicherheiten ausgingen. Für Griechenland und die anderen Länder mit einem vereinbarten Sanierungsprogramm hat die EZB sogar auf das Mindestrating für solche Anleihen verzichtet.

Seit Mai allerdings hängt die Finanzierung der griechischen Banken am seidenen Faden. Die EZB hat entschieden, keine griechischen Anleihen mehr als Sicherheiten zu akzeptieren, weil das Sanierungsprogramm für Griechenland aus der Spur geraten ist. Stattdessen verweist sie die griechischen Banken an die griechische Notenbank, die sie nun mit frischen Euro versorgen darf.

Die Details des Notprogramms sind geheim, aber es ist klar, dass die Sicherheiten, die die Bank von Griechenland hereinnimmt, im Ernstfall wenig wert sind. Der EZB-Rat kann diese Nothilfen jederzeit stoppen. Dann wäre das griechische Bankensystem pleite.

Solange die Hilfen aber laufen, sammelt die griechische Notenbank im Rahmen des Zahlungsverkehrssystems Target-2 Verbindlichkeiten gegenüber der EZB an. Rund hundert Milliarden Euro sind es derzeit. Auf der anderen Seite hat die Bundesbank gegenüber der EZB eine Target-Forderung von 730 Milliarden Euro.

Doch dieser Tage hat die EZB sogar noch eins draufgesetzt. Weil Griechenland Geld brauchte, um eine auslaufende Anleihe, die bei der EZB lag, zurückzuzahlen, erlaubte die EZB eine Vereinbarung zwischen Notenbank, Regierung und Banken in Griechenland. Die Bank von Griechenland gibt den Banken zusätzliche Kredite, mit denen diese kurzfristige Schuldtitel der Regierung kaufen. Die Regierung verwendete den Erlös, um die Anleihe bei der EZB zu bedienen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Euro-Krise: Wie die EZB Griechenland am Leben hält"

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  • Würde der griechische Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

    Griechenland hätte dann einfach keine Schulden und wir keine Krise.

    Aber so verdienen immer nur die Banken auf Kosten der Steuerzahler. Ein einzigartiges Betrugssystem.

    Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt.

  • @robert.schmid
    Ich möchte es folgend formulieren: Deutschland ist durch diese Target2-Salden erpressbar geworden. Diese Salden können von den Schuldnern niemals durch Realwerte beglichen werden. Die Target2-Salden stehen somit für Verluste für die deutschen Steuerzahler, die weiter anwachsen werden. Nur ein Ausstieg aus dem Euro stoppt diesen Irrsinn.

  • @corry
    Dann sind diese Target2-Salden bei einer Insolvenz wertlos?

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