Euro-Krise: Wie die Griechen an neue Milliarden kommen

Euro-Krise
Wie die Griechen an neue Milliarden kommen

Griechenland braucht mehr Geld, um über die Runden zu kommen. Ab 2014 tut sich in Athens Finanzplan eine neue Lücke auf. Um sie zu stopfen gibt es verschiedene Optionen. Überall gilt: Die Rechnung trägt der Steuerzahler.

DüsseldorfWolfgang Schäuble hat ausgesprochen, womit viele erst nach der Wahl gerechnet haben. „Es wird in Griechenland noch einmal ein Programm geben müssen“, sagte der deutsche Finanzminister auf einer CDU-Wahlkampfveranstaltung in Hamburg. Vor ihm hatte bereits der Internationale Währungsfonds (IWF) klar gemacht, dass die beschlossenen Hilfen für Griechenland nicht ausreichen.

Der IWF gehört mit der EU und der EZB zur Troika der Griechenland-Gläubiger. In ihrem aktuellen Griechenland-Bericht geht die Troika für den Zeitraum von Frühjahr bis Ende 2014 von einer Finanzierungslücke von 10,7 Milliarden Euro aus. Außerdem läuft Ende 2014 das zweite Hilfspaket für Griechenland aus. Nach der ursprünglichen Planung sollten sich die Griechen bis dahin selbst am Markt finanzieren können. Doch danach sieht es nicht aus. „Bislang ist nicht absehbar, dass sich Griechenland wieder am Markt finanzieren kann“, sagt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. Deshalb müssten die Euro-Länder eine Lösung für 2014 und die Zeit danach finden.

Nach den Planungen der Troika soll Griechenland ab 2014 einen Primärüberschuss erzielen. Das bedeutet: Die Einnahmen sollen größer sein als die Ausgaben vor Abzug der Zinsen. Doch selbst wenn die Griechen das schaffen, brauchen sie Hilfen, um Zins und Tilgung für ihre alten Kredite zu leisten. Das Geld, was sie hierfür bekommen, fließt aber nicht nach Athen, sondern bleibt bei den Gläubigern.

Das Volumen eines dritten Programms wird wahrscheinlich deutlich kleiner als das der vorherigen Hilfspakete. Aus dem ersten Hilfspaket wurden 73 Milliarden Euro ausgezahlt, das zweite hat ein Volumen von 163,7 Milliarden Euro. Wie groß die Lücke ab 2014 ausfällt, lässt sich nicht genau beziffern. Dies hängt vor allem von der Entwicklung der Wirtschaft ab.

Die grobe Rechnung geht so: In diesem Jahr braucht Griechenland vermutlich nicht ganz so viel Geld, wie die Gläubiger überweisen. Die Griechen können vermutlich einige Milliarden ins nächste Jahr verschieben. 2014 dann tut sich eine Lücke von 10,7 Milliarden Euro auf. Dies liegt unter anderem daran, dass einige Notenbanken der Euro-Länder nicht auf Zinsen für von ihnen gehaltene griechische Staatsanleihen verzichteten.

Unterm Strich bleibt bis Ende 2014 ein Loch von weniger als 10 Milliarden Euro. Um dieses Geld aufzubringen werden verschiedene Optionen diskutiert.

Kommentare zu " Euro-Krise: Wie die Griechen an neue Milliarden kommen"

Alle Kommentare
  • Die Rechnung wird scheibchenweise präsntiert
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    ■ Erst heiß es: "Griechenland ist ein einmaliger Fall, der sich NIE wiederholen wird"!
    ■ Dann hieß es: "Es sind doch NUR Bürgschaften, die NIE eingelöst werden"!
    ■ Dann hieß es: "Mit uns wird es KEINEN Schuldenschnitt geben"!
    Dann kam plötzlich, und völlig unerwartet das zweite "Hilfspaket" und der "Schuldenschnitt"!"
    Und jetzt kommt das nächste Hilfspaket, welchem noch viele weitere folgen werden (müssen), und der nächste Schuldenschnitt nach dem 22.9.13
    Griechenland ist ein Faß ohne Boden, und das ist jedem klar.

    "Wenn es um Griechenland und seine Schulden geht, wird Jürgen Stark, der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, deutlich. "Spätestens seit 2011 ist Griechenland zu einem Fass ohne Boden geworden", so Stark zur "Welt am Sonntag". "Gleichgültig, ob es den Euro behalten kann oder nicht, es ist seit Langem klar, dass es nur noch teure Lösungen gibt und dass es ein Fehler war, die Erweiterung des Euro-Gebiets aus rein politischen Gründen zu forcieren"."

  • Rechner schreibt:

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    Zitat AS: Aber bei genauerem Hinsehen zeigen sich große Probleme:
Der Rückgang des Leistungsbilanzdefizits ist zum einen dem Rückgang der IWarenimporte geschuldet: Das Problem dabei ist, dass sich dahinter ein starker Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen des verarbeitenden Gewerbes verbirgt- mit anderen Worten: der Kapitalstock wird gerade kaputtgespart.
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    Können Sie das auch irgendwie belegen?

    Oder ist das nur eine Vermutung?

    (Ich dachte, der Rückgang des kreditfinanzierten Konsums wäre für den Importrückgang verantwortlich)
    ...
    Anyway - anyhow:

    Ich bedanke mich dafür, daß hier zur Abwechslung 'mal jemand sachlich fundiert diskutiert anstatt mit halbverdautem um sich zu werfen.
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    Hallo Rechner;

    vielen Dank für Ihre Worte des Respekts, die ich gerne zurückgebe. Auch ich schätze Sie bei aller Schärfe der Diskussion als sehr guten Kenner der Materie. Die Diskussionen mit Ihnen sind für mich stets ein Gewinn.

    Zu Ihrer Frage: natürlich haben Sie recht, dass sich hinter dem Rückgang des Handelsbilanzdefizits vor allem ein Rückgang des Konsums steckt- aber eben auch ein Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen- und das ist m.E. ein ganz kritischer Punkt in Hinblick auf die Frage, ob der jetzige Kurs nachhaltig ist.
    Hier nun in aller Kürze eine Zahl zur Entwicklung der Ausrüstungsinvestitionen der spanischen Industrie, die ich der Internetseite "querschuesse" entnommen habe.

    In Q1 2013 sanken die unbereinigten realen Investitionen in Ausrüstungen der Industrie um -7,7% zum Vorjahresquartal. Zum saisonbereinigten Hoch aus Q1 2008 ging es um -32,2% abwärts.

    Ich werde in nächster Zeit mal versuchen, die Entwicklung der Ausrüstungsinvestitionen sämtlicher Krisenstaaten zusammensuchen.

    Ich klinke mich jetzt aber erstmal aus privaten Gründen für einige Zeit aus der weiteren Diskussion aus

  • @Rechner: Gerne.

  • "These credit claims simply moved into the possession of an entity (SAREB) which, for statistical purposes, is classified in an institutional sector other than that of credit institutions."

    Yep.

    Vielen Dank.

  • @Rechner: Hier nachzulesen: http://www.bde.es/f/webbde/SES/Secciones/Publicaciones/InformesBoletinesRevistas/BoletinEconomico/13/Feb/Files/art1e.pdf

  • @Rechner: Erholung sehe ich tatsächlich auch bei den Italienischen Banken. Selbst bei Portugal bin ich vorsichtig optimistisch. Bei Spanien neige ich zu gewisser Skepsis, da der Bestand an Schrottimmobilien, Bauruinen und zugehöriger Kredite enorm ist.

  • 'Vicario' sagt
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    Die Aussage eines Affen ist nichts wert !
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    Ja und?

    Wollen Sie etwa ihre Aussagen verkaufen?

  • @Nachrechner

    Nichtsdestotrotz - woher wissen wir eigentlich, daß die Zählung der spanischen Zentralbank die Kredite im SAREB nicht mitzählt.

    Der FAZ-Artikel IMPLIZIERT zwar, daß das nicht der Fall ist. Denn WENN es der Fall WÄRE, dann wäre die Behauptung, "Der Anstieg bedeutet, dass die Wirkung der Schaffung einer „Bad Bank“ weitgehend verpufft" sei, Unsinn.

    Es wäre aber auch nicht das erste Mal, daß ein Journalist grundlegende Voraussetzungen seiner Thesen nicht überprüft hat.

  • @Nachrechner

    I stand corrected.

    Vielen Dank für die Quellen.

    ...

    Nichtsdestotrotz erlaube ich mir kräftig in die Optimismus-Tröte zu pusten.

    DENN:

    In vergangenen Krisen haben die Banken ihre faulen Kredite mitgeschleift, solange sie selbst Angst um ihr Überleben hatten.

    Erst wenn sie eine Verbesserung ihrer Gewinnsituation sahen, haben Sie die eigentlich schon früher erforderlichen Abschreibungen vorgenommen und aus diesen Gewinnen finanziert.

    In Abwandlung von Warren Buffet:

    It's when the tide comes in, that those without their pants on dare to stand up in the water.

    ...

    Weshalb ich die derzeitige Abschreibungswelle bei spanischen Banken als ein Zeichen für ihre Erholung werte.

    ...

    Ich weiß ja, das mich viele hier für einen Erbsenzähler mit Brillenstärke 1000 halten.

    Insbesondere die Kollegen aus der Schnaps&Lebenserfahrung-Fraktion (Thailandaussteiger etcpp).

    Könnte sein, daß sich diese Leute täuschen.

    Time will tell.

  • Muss natürlich FROB (Fondo de reestructuración ordenada bancaria) heißen. www.frob.es

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