Euro-Länder einig

Athens Rückkehr zur Drachme ist keine Option

Griechenland soll Euroland bleiben, darin sind sich die Partner einig. Doch ohne Sparkurs und Reformen läuft nichts. Darum drängen die Finanzminister Athen, die Absprachen einzuhalten. Doch noch fehlt eine Regierung.
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Der Euro-Club ist gegen einen Austritt der Griechen. Quelle: dpa

Der Euro-Club ist gegen einen Austritt der Griechen.

(Foto: dpa)

BrüsselDie Eurostaaten lehnen eine Verschnaufpause für das krisengeschüttelte Griechenland und Abstriche am drakonischen Sparprogramm strikt ab. Angesichts einer chaotischen Lage in dem südeuropäischen Land fordern mehrere Euro-Finanzminister, auch eine neue Regierung müsse auf Sparkurs bleiben und Reformen umsetzen. Die Parteien in Athen müssten nach den jüngsten Wahlen eine Koalitionsregierung bilden, die das vereinbarte Spar- und Reformprogramm einhält, hieß es bei einem Treffen der Ressortchefs in Brüssel.

Finanzminister Wolfgang Schäuble drückt aufs Tempo. Quelle: dpa

Finanzminister Wolfgang Schäuble drückt aufs Tempo.

(Foto: dpa)

Ein Austritt Griechenlands aus dem gemeinsamen Währungsraum - auf den die Finanzmärkte derzeit spekulieren - gilt nicht als Option. Auf die Frage, ob die Minister darüber beraten wollten, sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker kurz und knapp: „Nein.“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äußerte sich ablehnend gegenüber Forderungen, Griechenland angesichts der unsicheren politischen Lage bei der Umsetzung seines Sparprogramms mehr Zeit zu geben. „Das Problem bei Griechenland ist ja nicht eine Frage der Großzügigkeit.“ Es gehe vielmehr darum, dass Griechenland aus der schwierigen Lage heraus und an die Finanzmärkte zurückkehren müsse, sagte Schäuble am Montag in Brüssel vor einem Treffen der Euro-Finanzminister. Derzeit sind auf griechische Anleihen mit 10 Jahren Laufzeit rund 26 Prozent fällig - ein Niveau, bei dem eigene Anleihen am Kapitalmarkt undenkbar sind.

Bei dem Treffen sollte es auch um die Lage des hochverschuldeten Landes gehen, wo nach den Parlamentswahlen vor einer Woche unsicher ist, ob eine künftige Regierung den vereinbarten Sparkurs fortsetzt.

Um Griechenland langfristig wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu bringen, seien im vergangenen Jahr große Anstrengungen unternommen worden, bis hin zum „Äußersten, was überhaupt noch vertretbar erschienen ist“, sagte Schäuble. „Ich sehe nicht, was in den Verhandlungsergebnissen noch mehr hätte getan werden können, um diese schwierige Aufgabe zu lösen.“

Nach mehreren gescheiterten Versuchen einer Regierungsbildung in Athen war die öffentliche Debatte über einen möglichen Austritt des hochverschuldeten Landes wieder aufgeflammt. Denn die Parteien, die das Spar- und Reformprogramm in Athen mittragen, sind nach den Parlamentswahlen nicht mehr mehrheitsfähig. Da es nach wie vor keine neue Regierung gibt, erwarteten Diplomaten von dem Treffen keine Entscheidungen zu Griechenland. Mit der Auszahlung von 4,2 Milliarden Euro aus dem Hilfsfonds EFSF in der vergangenen Woche ist das Land mindestens bis Juni finanziert.

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41 Kommentare zu "Euro-Länder einig: Athens Rückkehr zur Drachme ist keine Option"

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  • Juncker hat vollkommen recht: Griechenland schafft gerade in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht Fakten, die eine Rückkehr zur Drachme nicht als Option offen, sondern zur Pflicht werden lässt!

  • Dieses Festhalten der Politik an Griechenland im Euro-Raum ist mir ebenfalls unerklärlich. Wahrscheinlich hat die Politik schon viel zu häufig getrickst und geschummelt und das würde bei einem Austritt Griechenlands auffliegen.
    Für mich ist es Fakt, dass Griechenland aus dem Euro raus muss und zwar zum Schutz seiner eigenen Bürger und des Euro, je schneller, desto besser. Sollte das nicht gelingen, wird es den Euro bald nicht mehr geben...

  • Und wissen Sie auch, wer diese CDS konzipiert hat? Eine griechische Bankerin bei JP Morgan mit einem Stab Mathematiker! Warum wenden sich die Griechen nicht dorthin?

  • ausgeliefert in seiner Schuld wird er ausgesaugt

    Ihre Argumentation, was die Banken betrifft, ist korrekt. Doch ist es nur ein Teil des Bildes. Zur Kreditaufnahme gehören zwei: der Kreditgeber und der Kreditnehmer. Logisch wäre es, dass der Kreditgeber prüft und kaufmännische Sorgfalt walten lässt. Der Kreditnehmer hingegen hat die Verantwortung über die eigenen Finanzen. Es kann doch nicht eine Bank sein, die bestimmt, was man tun kann oder nicht. Ein verantwortumgsvolles Management eines Staates bzgl. der Finanzen ist doch eine Grundvoraussetzung, vor allen Dingen, wenn man einem internationalen Währungsverbund angehören will. Und da gibt es noch einiges zu lernen, befürchte ich.
    Dass diese Rettungsaktionen ein total falsches Signal an den Bankensektor geben, ist jedem deutlich. Wenn man Gelegenheitsputzfrauen Kredite über 250000 € gibt, um ein Haus zu kaufen. Dann ist dies eine total unsolide Art der Bankenführung. Aber das bedeutet nicht, dass ich der Putzfrau ihr Hirn abspreche.

  • ja aber wenn der Hosenanzug, Rolli und Lügenjuncker der ganzen Welt immer wieder erklären, dass die Deutschen soooooooo viel und am meisten und als einziges Land vom Euro profitiert haben, dann müssen wir doch jetzt auch endlich einmal solidarisch sein und ein ganz paar klitzelkleine Billionen unverdient gebunkerte Euro für unsere lieben Freunde locker machen. Man soll nicht kleinlich sein, hat auch die Nahles gesagt.

  • ja und? Ob die Geldquelle EUROBOND oder DICKE BERTA oder BIG BAZOOKA oder TARGET2 heißt ist doch sowas von egal. Der EURO ist das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt ist. Das muss man leider so realisieren. Das Vertrauen in den Euro ist von unseren unfähig, naiven und ökonomisch unterbelichteten Politeliten leichtfertigst verzockt worden. Oder glaubt hier ernsthaft irgendjemand noch daran, dass wir in 10 Jahren noch mit Euronen bezahlen???

  • @MLeiner

    Danke für Ihre Meinung.
    Das Sie meiner Meinung offenkundig versuchen einen negativen Touch zu geben, indem Sie diese als „dunkle Verschwörungstheorien“ titulieren, kann ich nur bedingt nachvollziehen.
    Das GR, seine Politiker und Bürger, diese Misere mitverschuldet haben, sehe ich auch so.
    Anhand dem Beispiel Amerikas 2008 und der damaligen Immobilienblase, die zum Platzen gekommen war, möchte ich eine Brücke schlagen zum Bankensystem und deren Schuld.
    Auch Heute wurden seitens der Banken Kredite gegeben, ohne dass die Bonität des Landes (Griechenland) geprüft worden ist. Auch im Land selbst, sind an Menschen Kredite gegeben, sogar aufgedrängt worden, obwohl klar sein musste, dass die Mehrzahl der Kreditnehmer diesen Kredit nicht zurückzahlen können. Das ist meistens der Fall, wenn man an Arbeitslose Menschen Kredite gibt, siehe Amerika und Griechenland.
    Nun ausgeliefert in seiner Schuld wird er ausgesaugt. Im Falle Griechenlands, kommen die Gläubiger (Banken: IWF, Weltbank, EZB… die üblichen Verdächtigen), und drängen auf die Privatisierung aller Staatlicher Unternehmen. Am besten zu Billigpreisen. Der Mensch spielt dabei keine Rolle.
    Thema GR und Euro: Möchte Griechenland im Euro bleiben? Wissen Sie das genau?
    Stichwort Rating (für Deutschland): Meinen Sie das Rating was private Unternehmen geben dürfen, die damit über wohl und wehe von Unternehmen und Nationen urteilen, ohne die nötige Transparenz und Kontrolle darüber?
    Oder Meinen Sie die Wetteinsätze auf Staatsanleihen (siehe Griechenland), die durch die genannten Hedgefonds in Verbindung mit der Ratingagentur, in Manipulierender Art und Weise, für Milliarden Gewinne der Banken geführt haben, und zum unerträglichen Zins für Griechenland von ca. 28% in der Spitze, und somit Auslöser war, für deren Bankrott?

  • @MLeiner
    Danke für Ihre Meinung.
    Das Sie meiner Meinung offenkundig versuchen einen negativen Touch zu geben, indem Sie diese als „dunkle Verschwörungstheorien“ titulieren, kann ich nur bedingt nachvollziehen.
    Das GR, seine Politiker und Bürger, diese Misere mitverschuldet haben, sehe ich auch so.
    Anhand dem Beispiel Amerikas 2008 und der damaligen Immobilienblase, die zum Platzen gekommen war, möchte ich eine Brücke schlagen zum Bankensystem und deren Schuld.
    Auch Heute wurden seitens der Banken Kredite gegeben, ohne dass die Bonität des Landes (Griechenland) geprüft worden ist. Auch im Land selbst, sind an Menschen Kredite gegeben, sogar aufgedrängt worden, obwohl klar sein musste, dass die Mehrzahl der Kreditnehmer diesen Kredit nicht zurückzahlen können. Das ist meistens der Fall, wenn man an Arbeitslose Menschen Kredite gibt, siehe Amerika und Griechenland.
    Nun ausgeliefert in seiner Schuld wird er ausgesaugt. Im Falle Griechenlands, kommen die Gläubiger (Banken: IWF, Weltbank, EZB… die üblichen Verdächtigen), und drängen auf die Privatisierung aller Staatlicher Unternehmen. Am besten zu Billigpreisen. Der Mensch spielt dabei keine Rolle.
    Thema GR und Euro: Möchte Griechenland im Euro bleiben? Wissen Sie das genau?
    Stichwort Rating (für Deutschland): Meinen Sie das Rating was private Unternehmen geben dürfen, die damit über wohl und wehe von Unternehmen und Nationen urteilen, ohne die nötige Transparenz und Kontrolle darüber?
    Oder Meinen Sie die Wetteinsätze auf Staatsanleihen (siehe Griechenland), die durch die genannten Hedgefonds in Verbindung mit der Ratingagentur, in Manipulierender Art und Weise, für Milliarden Gewinne der Banken geführt haben, und zum unerträglichen Zins für Griechenland von ca. 28% in der Spitze, und somit Auslöser war, für deren Bankrott?

  • @MartinusEleftheros
    Guten Abend ebenfalls,

    was für eine Aneinanderreihung von Verdrehungen und dunklen Verschwörungstheorien über Banken, Medien, Politiker etc.
    Dass die Griechen und die von ihnen gewählten Politiker den größeren Teil der Schuld an der giechischen Tragödie haben und hatten, ist Ihnen noch nicht in den Sinn gekommen? Es ist nun in Demokratien so, dass wir Wähler halt mit unserer mehrheitlichen Wahlentscheidung ebenfalls Verantwortung für das Wohl und Wehe unseres Landes tragen. Die Griechen tragen heute die Folgen von Missmanagement und Korruption ihrer geistigen und politischen Eliten.
    Fakt ist ökonomisch ebenso, dass Griechenland sich seit 2003 ein sogenanntes „Primärdefizit“ leistet. D.h. es macht Schulden, selbst wenn die Zinszahlungen nicht berücksichtigt werden. 2009 belief sich dieser Fehlbetrag auf 10,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), noch bevor überhaupt ein Euro für Zinsen ausgegeben war. Hier zu behaupten, die bösen Gläubiger (Banken) hätten den armen Griechen die Luft zum Atmen genommen, ist faktisch falsch.
    Die Griechen wollen doch jetzt nur im Euro bleiben, damit das System dieser Alimentierung von außen aufrecht erhalten bleibt. Der Weg dahin ist dornenreich.
    Vielleicht auch mal drüber nachdenken: die Abschreibung deutscher Milliarden (Spareinlagen der Bürger, Lebensversicherungen, Steuergelder etc.) hat nicht nur wirtschaftliche Folgen für die hiesigen Banken und ihre Aktionäre. Es wird auch direkte Folgen für die Finanzierung von Investitionen und das Rating Deutschlands haben. Damit ist u.U. auch ihr Arbeitsplatz betroffen, oder z.B. die Finanzierung unseres Sozialwesens. Wir sollten nicht so tun, als ginge uns das Wohl und Wehe unserer Banken nichts an. Bei einem Bank-Run werden Sie wohl ganz vorne an der Spitze laufen, oder?

  • Teil II
    Warum versuchen die Europäischen Mächte mit aller Macht zu verhindern, dass GR aus EUROPA austritt?
    Das ist ein Thema für sich. Nur so viel meiner Meinung nach:
    Europa soll unter allen Umständen zusammenwachsen, koste es was es wolle.
    Wer hat was davon? Die Bürger Europas? > NEIN!
    Wenn ich sehe was der Euro seit seiner, unter damals wie heute, ergaunerten Einführung den Menschen gebracht hat, dann würde ich aus heutiger Sicht sagen, NEIN.
    Dazu passt folgendes Zitat von dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, das er Rückblickend als Antwort auf Frage eines Reporters sagte: welches sei seine größte Errungenschaft in seiner 16 jährigen Amtszeit?
    „Die Menschen nicht gefragt zu haben, bei der Einführung des EURO.“
    Die einzigen Profiteure von der Welt wie sie heute ist, sind die Eliten dieser Welt!
    An erster Stelle nenne ich die Banken! Sie bestimmen das geschehen!
    Ein zersplittertes Europa, wäre von ihnen nicht zu kontrollieren. Sie werden das nicht zulassen, davon bin ich überzeugt.
    Kontrolle des Individuums ist ein, wenn nicht das, großes Ziel von denen!
    Die Möglichkeit eines Auseinanderbrechens von Europa, weil eventuell Nachahmer (Portugal, Spanien, Italien…) geben könnte, werde sie nicht riskieren.
    Daher denke ich, dass der politische Druck, und die Erpressungsversuche, seitens der Europäischen Marionetten (Politiker), die für diese Kräfte arbeiten, und dabei das Wohl der Bürger ihrer Länder vernachlässigen, sich auflösen würde, wenn Griechenland NEIN! Sagt.
    Man müsste auf Griechenland zugehen, und vielleicht versuchen zu helfen.
    Stichwort „Marschall-Plan“.
    Auf jeden Fall kann es mit einem NEIN! Griechenlands nicht schlechter kommen, eher besser für die Menschen dort.
    In einem Europa, wo jeder sich selbst der nächste ist, und wo man bereit ist andere Menschen ausbluten zu lassen, um die Gier eines Elite-Systems zu stillen, ist es meiner Meinung nach nicht erstrebenswert, Mitglied zu sein!

    Nein zu diesem Europa!

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