Euro-Rettung
Merkels Mission Impossible

Tom Cruise darf ab heute im Kino wieder als Geheimagent ran. Sein Auftrag: er muss einen Bombenleger zur Strecke bringen. Doch die wahre Mission Impossible wartet auf Angela Merkel. Sie muss heute den Euro retten.
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Brüssel/DüsseldorfWenn heute die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten in Brüssel zusammenkommen, um über weitere Schritte im Kampf gegen die Schuldenkrise zu beraten, dann steht eine Person im Zentrum des Geschehens. Alle werden auf Bundeskanzlerin Angela Merkel blicken. Denn sie ist es, die derzeit den Ton angibt in der Europäischen Union. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy erscheint da eher wie Beiwerk. Auch wenn er mit Merkel zusammen einige grundlegende Änderungen der EU-Verträge ausgetüftelt hat, ist es doch die Kanzlerin, die darauf pochen wird, dass Schuldensünder sich künftig einer schärferen Haushaltsdisziplin unterwerfen müssen. Streit ist vorprogrammiert, da vor allem kleinere EU-Länder ein „Diktat“ der beiden Großen nicht akzeptieren wollen. Auch der britische Premierminister David Cameron hat harte Verhandlungen angekündigt.

Noch vor dem Brüsseler Gipfel, der Abend mit einem gemeinsamen Essen beginnt, wird Merkel an einem Parteitag der europäischen Konservativen in Marseille teilnehmen. Der Kongress der Europäischen Volkspartei (EVP) steht ebenfalls ganz im Zeichen der Schuldenkrise. Auch Sarkozy und zahlreiche andere europäische Regierungschefs und EU-Spitzenpolitiker werden dazu in der Mittelmeer-Hafenstadt erwartet.

In Brüssel würden keine faulen Kompromisse gemacht, sagten hohe Regierungsbeamte am Mittwoch in Berlin. Merkel und Sarkozy hatten bereits am Montag die Marschrichtung für den zweitägigen Gipfel vorgegeben. Automatische Sanktionen sollen alle EU-Mitglieder zu einem Stabilitätskurs zwingen. Die deutsch-französischen Vorgaben sind allerdings nicht unumstritten.

Notfalls müsse der Gipfel verlängert werden. Ein hoher Diplomat betonte, Merkel sei ausdrücklich offen für eine Einigung über die Gruppe der 17 Euro-Staaten hinaus, sozusagen für ein „17 plus“. Es werde keine abgeschottete Eurozone angestrebt. Aber: „Unabdingbar sind die 17“, hieß es mit Blick auf Länder mit der Euro-Währung. In Brüssel wurden die Ankündigungen aus dem Bundeskanzleramt mit Skepsis aufgenommen. Bei der neuen Stabilitätsunion sollten alle 27 Staaten an Bord sein, sagte ein hoher EU-Verantwortlicher.

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  • Wenn Sie meinen?

  • Na, das is ja witzig: jetzt sind es also die Roten, die den Karren in den Dreck gefahren haben! Wie war das nochmal mit den privaten selbsternannten Systemrelewanzen, die sich erst ihr Geld selbst gemacht und es dann verzockt hatten, wofür nun die blöden Steuerzahler herangezogen werden?

    Die wirksamste Waffe der Geldeliten sind inzwischen die Schulden der anderen geworden. Aufwachen Alter! Hier geht es nicht mehr um den Euro - hier geht es um die gewaltsame Demontage unserer demokratischen Rechte.

    Wieso bestimmen jetzt "nicht gewählte" Bankvertreter wohin die Reise im Süden gehen soll? Das ist Verrat, das ist Abzocke! Den Bock zum Gärtner gemacht! Warum? Weil jetzt noch mehr Schulden mit Schulden bezahlt werden sollen und gleichzeitig die Wirtschaft abgewürgt und die Bevölkerung versklavt werden wird. Sprich: weniger Lohn für mehr Arbeit.

    Wers nicht glaubt kann ja noch ne Weile zusehen. Aber bitte dann auch handeln wenn die Einsicht kommt!!!

  • Wie kann man nur so blauäugig sein und gerade von Merkel eine Lösung des Dilemmas erwarten? Die hat uns doch erst da hinein laviert. Die ist ja heute noch der Meinung, alles richtig gemacht zu haben und ein Segen für Deutschland zu sein. Die lebt doch in einer völlig anderen Welt. Die Franzmänner haben seinerzeit Ludwig XVI. recht rabiat in die Wirklichkeit zurückgeholt. Vorbildlich, finde ich, wenn da einige wenige zum Schaden von vielen agieren....

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