Euro-Rettungsprogramm
Finanzbedarf in Zypern höher als erwartet

Bis zum Jahr 2016 braucht die Kriseninsel 23 Milliarden Euro. Das geht aus der Vereinbarung mit dem Euro-Rettungsfonds ESM hervor. Aufstocken müssen die Gläubiger ihre finanziellen Zusagen deshalb aber nicht.
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DüsseldorfZyperns Finanzbedarf während der Laufzeit des Euro-Rettungsprogramms ist mit 23 Milliarden Euro größer als erwartet. Das geht aus der Vereinbarung mit dem Euro-Rettungsfonds ESM hervor, die dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe) vorliegt. Laut dem Papier steuert Zypern allerdings 13 Milliarden Euro selbst bei. Die Summe kommt durch die Nutzung der Sparguthaben bei der Bankenrekapitalisierung und zusätzliche Sparmaßnahmen zusammen. Somit bleibt das Rettungspaket der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei zehn Milliarden Euro.

Die Geldgeber rechnen mit einem deutlichen Einbruch von Zyperns Wirtschaft. Im laufenden Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 8,7 Prozent schrumpfen, wie es in der Schuldentragfähigkeitsanalyse der Troika heißt, die dem Handelsblatt ebenfalls vorliegt.

Nach der Prognose wird der Schuldenstand Zyperns im Jahr 2015 seinen Höhepunkt erreichen und 126,3 Prozent des BIP betragen. Am Ende des Hilfsprogramms im Jahr 2016 soll der Schuldenstand 121,9 Prozent betragen. Die Euro-Finanzminister wollen am Freitag über das Rettungsprogramms beraten. Kleine Änderungen sind dann noch möglich.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " Euro-Rettungsprogramm: Finanzbedarf in Zypern höher als erwartet"

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  • Dass Zypern teurer würde, hatte ich hier schon vor 2 Wochen geschrieben -die "Salamitaktik" ist ja sozusagen die Gründungsfeste der EU-Politik geworden.

    Dazu passt das hier natürlich auch prima:

    "Aufstocken müssen die Gläubiger ihre finanziellen Zusagen deshalb aber nicht"


    Genau, denn das muss noch warten, bis das erste Zypernpaket erst mal durch die deutsche Volkskammer durchgewunken wurde.
    Danach dauert es dann maximal eine Schamfrist von 1 Monat, bis die "unerwartete" Erkenntnis kommt, dass es weiteres Hilfspaket braucht.

    -Wer anderes glaubt, hat die letzten Jahre irgendwie im Winterschlaf verbracht..

  • Ich finde es bemerkenswert, dass bei der Zypern-"Rettung"
    ein Packet beschlossen wird, welches auf Jahre hinaus irgend welche Zahlen (Verschuldung) in den Raum stellt, obwohl kurzfristig keine verlässlichen Zahlen aufzutreiben sind. Vermögen über 100000 Euro werden zu 35% fest einbehalten, der Rest über Monate zunächst eingefrohren, wieviel davon irgendwann möglicherweise mal freigegeben wird ist unklar. Und dann prangert man neue
    Parteien als unseriös und populistisch an, wenn sie diese
    Handlungsweise anprangern und auf den unglaublichen
    Vertrauensverlust der "seriösen" etablierten Politik
    hinweisen ! Auch wundert es mich, dass hier nirgends zu
    lesen war, dass während die zypriotischen Banken auf
    Zypern viele Tage geschlossen waren, deren Filialen in
    Griechenland und in London geöffnet gewesen seien.
    Logisch, dass dann etliche hohe Guthaben noch abgezogen
    wurden, nur die terminlich fest gebundenen Vermögen sind
    noch da. Wen wundert es also, dass die Summe der einbe-
    haltenen Vermögen kleiner ist als errechnet, der noch
    aufzubringende Teil also grösser und noch grösser wird ?

  • Hieß es sonst nicht immer, "mehr als gedacht" ?
    Jetzt wird nicht mehr gedacht, jetzt wird erwartet!
    Oh je!
    Von Slowenien oder Kroatien wird demnächst was erwartet....
    von Italien auch..
    von den Franzosen sowieso..
    und von den Deutschen erst..

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