Euro-Rettungsschirm

Deutschland könnte mit 465 Milliarden haften

Nach Berechnungen des ifo-Insituts würden Euro-Rettungsmaßnahmen Deutschland im Extremfall mit 465 Milliarden Euro belasten. Unrealistisch, heißt es aus Berlin - die Anhaltspunkte werden jedoch konkreter.
Update: 17.09.2011 - 13:35 Uhr 33 Kommentare
Ein Schirm von Demonstranten im Frankfurter Bankenviertel. Quelle: Reuters

Ein Schirm von Demonstranten im Frankfurter Bankenviertel.

(Foto: Reuters)

Berlin/München/FrankfurtIm schlimmsten Euro-Krisenfall wäre Deutschland nach unterschiedlichen Experten-Berechnungen mit 400 beziehungsweise 465 Milliarden Euro im Risiko. „Die Euro-Krise wird für die deutschen Steuerzahler potenziell immer teurer“, erklärte der Chef des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, am Samstag. Laut einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ müsste Deutschland im äußersten Extremfall mit Garantien von bis zu 400 Milliarden Euro für den erweiterten EFSF einspringen.

Das ifo-Institut legt bei seiner Berechnung nicht nur Risiken aus den aktuellen Hilfsprogrammen für wankende Euro-Staaten zugrunde. Zusätzlich berücksichtigen die Münchner Ökonomen die laufenden Staatsanleihen-Ankäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB). Weiterhin zählen sie Verbindlichkeiten der Krisenländer hinzu, die innerhalb des Eurozahlungssystems aufgehäuft wurden. Diese sogenannten Target-Salden interpretiert das ifo-Institut nicht als normale Begleiterscheinung im laufenden Zahlungsverkehr des Eurosystems, sondern als faktische Hilfskredite für Krisenländer.

Die bisherige Bilanz der Rettungsmaßnahmen: Insgesamt werden die Hilfskredite für notleidende Euro-Staaten auf bislang 802 Milliarden Euro beziffert. Diese Summe steige mit den Gipfelbeschlüssen vom 21. Juli auf bis zu 1,67 Billionen Euro. Allein das deutsche Haftungsrisiko betrage 465 Milliarden Euro.

Neben den laufenden Hilfspaketen für Griechenland, Irland und Portugal berücksichtigt das Institut dabei die vollen Haftungssummen des Rettungsschirms EFSF sowie 143 Milliarden Euro für die von der EZB angekauften Staatsanleihen aus Krisenländern. Die laut ifo-Institut „versteckten Target-Kredite“ Griechenland, Italien, Portugal und Spanien machen demnach 327 Milliarden Euro aus.

Sinn erklärte dazu: „Die Märkte beobachten die deutsche Beteiligung an den Rettungspaketen mit zunehmender Nervosität und verlangen immer höhere Versicherungsprämien für deutsche Staatspapiere.“

Laut „FAZ“ kämen im Extremfall Garantien von bis zu 400 Milliarden Euro für den erweiterten EFSF auf Deutschland zu. Das berichtet das Blatt  unter Berufung auf Berechnungen der Deutschen Bank. Danach würde sich unter Einschluss der Zinszusagen, die der Hilfsfonds eingeht, wenn er sich refinanziert, der eigentliche Garantierahmen im Extremfall verdoppeln. Das Bundesfinanzministerium sprach am Freitagabend in Berlin von „sehr hypothetischen Grundannahmen“ und einem „unrealistischen Extremszenario“.

Nach Informationen der dpa würde dieser Fall etwa eintreten, wenn ein Land die maximale Summe von EFSF-Hilfskrediten von 440 Milliarden Euro auf einen Schlag bekäme und es dennoch am nächsten Tag zahlungsunfähig würde. Auch enthalten die Berechnungen der Deutschen Bank zahlreiche Variablen.

Der EFSF-Garantierahmen soll im Zuge der vereinbarten Erweiterung auf 780 Milliarden Euro aufgestockt werden. Davon schultert Deutschland Bürgschaften in Höhe von 211 Milliarden Euro, einschließlich eines Risikopuffers könnten es bis zu 253 Milliarden Euro sein.

  • dpa
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33 Kommentare zu "Euro-Rettungsschirm: Deutschland könnte mit 465 Milliarden haften"

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  • Die Rechnung des Ifo-Instituts ist durchaus nachvollziehbar und realistisch als maximales Risiko. Es gibt genügend Einzelquellen im Internet, die zusammen genommen ähnliche Ergebnisse liefern.

  • Diese Persoenen gehören ins Gefängnis und nicht zum Arzt, die könnten sonst auf die Idee kommen, sich für "unzurechungsfähig" erklären zu lassen, was einer angemessenen Aburteilung dann im Wege stehen würde.

  • Herr Schäuble ist wichtigster Bestandteil dieses "Finanzbetrugssystems"! Er besorgt die Kohle.

  • Warum nicht 1000 oder 1000000 Milliarden?

  • Aha, der Herr (Un)Sinn wieder mal...

    Bei uns in Frankfurt bekommen alte Männer, die nur noch dummes wirres Zeug erzählen, eins mit der Schippe vorn Kopp.

    Der Herr (Un)Sinn hätts auch schon lange verdient !!!

  • Sehe ich genauso, Gelddrucken und Schuldenwirtschaft dienen nur einem Festhalten an einem überholten Modell des (Zusammen)Lebens, welches aber an den wahren Bedürfnissen vorbeigeht. Von den bunten Konsum-Glasperlen, die immer nur versprechen ihn satt zu machen, es aber nie tun, wird der Mensch aber erst lassen, wenn der Schmerz groß genug ist und Besinnnung erzwingt, denn WIR sind das System nicht nur die Profiteure. Deswegen ist Schulden-/Gelddruck-Morphium die falsche Medizin, die die Motivation nimmt an die eigentliche Wurzel des Übels zu gelangen -vielleicht ein Irrtum darüber, was eigentlich Glück ist und warum wir hier sind.

  • Das ist kein Problem, aber Herr Sinn mit seinem Unsinn. Dem müsste man seinen Laden schließen. Der hat nämlich in den letzten zwanzig Jahren nur Unfug verbreitet. Das kann er ja, aber, dass derartige Fanatiker immer noch das Wort gerdet wird, ist ein Skandal.

  • Schluss jetzt mit dem Gezerfe! Geht zur WIESN oder zum WASEN und "Hua den Lukas", dann wirds etwas leichte und zum Nachspülen ein paar Maß. Ein schöner Tag!
    Am Montag dann nochmals Schulden machen auf Teufel komm raus, aber keine Sicherheiten einbringen! Wenn dann ein paar Nullen mehr auf den Scheinen aufgedruckt werden in ein paar Tagen, kann das Ganze ja ganz locker getilgt werden. Und neu gestartet, ganz Schuldenfrei mit 100 Reichsmark Kopfgeld ist alles auf Reset und es enstehen für viel die gleichen Startbedingungen! Jede Krise ist ne Chance! Nur das nächste mal wird kommen, ganz sicher, aber eben erst in ein paar Jahren, wenn sich das System wieder selbst zertstört. Jedoch haben dann einige Bürger Erfahrungen, die die Politclowns nie erreichen werden.

  • Warum wollen sie Eurobonds? Ein zeitlich und in der Höhe unbegrenzter Transferschirm ist doch das selbe. Eine risikoverschleiernde Finanzinnovation wie Eurobonds (raten Sie mal in wessen Laboren solche Dinge gezüchtet werden und wem sie vor allem nützen - an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen) ist doch überflüssig und unnötig intransparent.

  • Euro-Bonds der einzig gangbare Weg sind, um ein friedvolles Miteinander in Europa zu gewährleisten, indem wir in Deutschland künftig am besten wachsen und gedeihen können.

    Denn EU und Euro bedeuten Frieden und Wohlstand für alle von Nord bis Süd, und von West bis Ost.

    Lasst uns Euro-Bonds einführen. Hoch lebe das vereinigte Europa. Go for United States of Europe, die systemische Logik der Globalisierung.

    Bitte hier die Petition mitzeichnen:

    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=19494

    Danke :-)

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