Euro-Rettungsschirm EFSF
Ein Hebelchen für Europa

Privatkapital soll den Rettungsschirm EFSF verstärken, doch der „Hebel“ wird deutlich kleiner ausfallen als geplant: Investoren sind rar. Nun soll der IWF für die Eurozone einspringen, doch niemand weiß, ob das reicht.
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BrüsselDie Finanzminister der 17 Staaten mit Euro-Währung haben einen Rückschlag in der Euro-Krise hinnehmen müssen: Zwar einigten sie sich auf neue Regeln für den Einsatz des Rettungsfonds EFSF. Doch sie räumten ein, dass die geplante Stärkung des Rettungsfonds nicht so gut vorangeht wie erhofft. Deshalb hoffen die Euro-Länder nun auf ein verstärktes Engagement des Internationalen Währungsfonds (IWF) in der Krise.

Der Vorsitzende der Eurogruppe, Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, sagte, die meisten Eurostaaten seien bereit, dem IWF mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Der IWF solle gemeinsam mit dem Euro-Rettungsfonds „jenen Eurostaaten, die Hilfe benötigen“, beispringen. Über Details müsse noch mit dem IWF verhandelt werden.  

Zuvor hatte der niederländische Finanzminister Kees de Jager gesagt, die geplante Vervierfachung des EFSF-Kreditvolumens durch eine „Hebelung“ werde vermutlich nicht erreicht. Derzeit stehen dem Fond noch 250 Milliarden Euro zur Verfügung - zu wenig, um nötigenfalls auch großen Ländern wie beispielsweise Italien helfen zu können. De Jager sagte, vermutlich sei nur etwa eine Verdopplung des Kreditvolumens möglich. Die Eurogruppe erklärte hingegen, sie gehe mindestens von einer Verdreifachung des Kreditvolumens aus, möglicherweise sogar von einer Verfünffachung.

Auf dem Euro-Gipfel Ende Oktober war beschlossen worden, dass der EFSF verstärkt werden soll, indem er Geld bei privaten Investoren einwirbt und als Versicherer für Staatsanleihen von Euro-Schuldenländern auftritt. Damals hieß es noch, durch diese Hebel-Modelle sollten die verbleibenden Mittel von rund 250 Milliarden Euro des Rettungsfonds vervier- oder sogar verfünffacht werden. Dieses Ziel ist nun offenbar in weite Ferne gerückt.

Wie groß die Schlagkraft des erweiterten Rettungsschirms genau wird, bleibt offen. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble meinte ebenso wie EFSF-Chef Klaus Regling, es sei einfach nicht möglich, eine genau Summe zu nennen. Dies hänge von den Bedingungen an den Finanzmärkten ab. Klar ist dagegen, dass der EFSF soll künftig Käufer von Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder in Höhe von 20 bis 30 Prozent gegen einen Verlust versichern soll, damit seine Schlagkraft vervielfacht werden kann. Das Versicherungsmodell soll nach den Worten von Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker im Dezember einsatzbereit sein, die EFSF-Sondertöpfe, an denen Privatinvestoren beteiligt sind, im Januar.

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  • Danke für den Tip. Die Zahl ist genauso nach unten manipuliert wie in Deutschland. Ich bin jedes Jahr für mehrere Monate in Japan und kenne daher die Entwicklung der Lebenshaltungskosten recht gut.

  • Japan
    1. Japan hat einen riesigen Handelsbilanzueberschuss, $166 billionen in 2010. Deutschland $162 billionen, EU $-265 (MINUS!!!) billionen.
    http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_sovereign_states_by_current_account_balance
    2. Die Japaner sind Sparer und kaufen ihre eigenen Staatsanleihen. Da jetzt viele geburtenstarke Jahrgaenge jetzt auf Rente gehen wird sich dieser Trend bald umkehren. Dann ist auch in Japan Schluss mit lustig.
    3. Offizielle Inflationszahlen werden oft schamlos frisiert. Hier in den USA wird jeder Trick angewandt um diese Zahl niedrig zu halten. Googeln Sie mal Boskin Commission. Damals (1996) wurde die ofizielle Inflationsrate um 1 - 1,5% gesenkt damit Rentenanpassungen niedriger ausfallen und das Wirtschaftswachstum hoeher. Seitdem ist es mit unserer Kaufkraft langsam aber stetig bergab gegangen, jedes Jahr so zwischen 1-1,5%. Nach 16 Jahren macht sich das dann schon bemerkbar.
    4. Wenn sich mit Gelddrucken alle Probleme loesen lassen wieso arbeiten wir dann eigentlich noch? Jedem Trottel eine Notenpresse in die Hand druecken und fertig.

  • Herr Schäuble, Her Steinbrück, ich hätte da ne Idee, wie man das Hebelchen mit richtigem Geld und nicht nur mit Hebelgeld aufbessern könnte:
    Seriöse Quellen (neben Zitaten aus dem Euro-Parlament berichtete auch das HB darüber) belegen, dass 200 Milliarden muntere Euros von Griechenland in die Schweiz transferiert worden sind.

    200 Milliarden sind auch im Vergleich zu den genannten Zahlenwerken kein Pappenstiel.

    Herr Steinbrück, Herr Schäuble, haben Sie schon Strategien entworfen, wie Sie die Steuer aus diesen 200 Milliarden, die Sie jedem deutschem Steuerzahler unerbittlich abnehmen würden, (wenn er solche Beträge je hätte) eintreiben können?

    Wahrscheinlich sind Sie noch nicht einmal auf die Idee gekommen, denn 46% Ihrer Mitbürger, die noch nicht von Transferleistungen leben, stehen Ihnen melk-bereit zur Verfügung.

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