Euro-Rettungsschirm
Versicherungsmodell soll EFSF mehr Feuerkraft geben

Die Lösung für eine Hebelung der Mittel des Euro-Rettungsfonds wird konkreter: Durch eine Versicherungslösung soll der EFSF seine Feuerkraft in der Finanzkrise verfünffachen. Die Idee einer Banklizenz ist vom Tisch.
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BrüsselIm Streit über eine Hebelung der Mittel des Euro-Rettungsfonds EFSF zeichnet sich EU-Kreisen zufolge als einzige Lösung ein Versicherungsmodell bei der Ausgabe neuer Staatsanleihen ab. Nach dem Konzept würden 20 bis 30 Prozent des Emissionsvolumens neuer Anleihen von Ländern, denen hohe Finanzierungskosten am Markt drohen, vom EFSF gegen Verluste abgesichert.

Diese Idee setze sich durch, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Dienstag. Ein anderer Insider bestätigte, Alternativen wie die einer Banklizenz für den EFSF seien verworfen, weil dies die Mitwirkung der Europäischen Zentralbank (EZB) erfordere, die das aber ablehne.

Nach dem jetzt diskutierten Modell würde der EFSF den privaten Investoren zusichern, das Verlustrisiko von 20 bis 30 Prozent der neu begebenen Anleihen zu übernehmen. Der Fonds könnte mit einem Einsatz von beispielsweise 100 Milliarden Euro eine Finanzierung von 300 bis 500 Milliarden Euro etwa für Spanien oder Italien sicherstellen. Mit der Garantie des Fonds in der Tasche werden die Investoren dann mit niedrigeren Zinsen zufrieden sein, so die Hoffnung.

Der EFSF würde jedoch nur für die 20 Milliarden Euro haften, das Restrisiko liegt beim Investor. Als Nebenwirkung erhoffen sich die Politiker davon auch einen Rückgang der stark gestiegenen Zinsen auf schon umlaufende Staatspapiere.

Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder wollen bei ihrem Krisengipfel am Sonntag über die Einsatzmöglichkeiten des EFSF und das gesamte weitere Vorgehen im Kampf gegen die Euro-Krise entscheiden.

Kommentare zu " Euro-Rettungsschirm: Versicherungsmodell soll EFSF mehr Feuerkraft geben"

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  • Ich fürchte das sehen Sie ganz falsch.

    Die (mit Sicherheit) eintretenden 80% der Verluste werden dann natürlich auch wieder über eine neue "Rettungsaktion" von Merkel und Schäuble auf den Steuerzahler transferiert.

    Sie wissen doch, die Banken sind in einer EU "Systemrelevant"!

    Somit bleibt (leider) ein 0%-Risiko für den Investor.
    Willkommen in EUROPA der Haftungsgemeinschaft, äh.. ich meine natürlich der Schicksalsgemeinschaft europäischer Steuerzahler für Frieden und Wohlstand aller (Banker).

  • Zitat @ Dagobert:
    "Man kann auch alles schlecht reden wenn man will.
    Insgesamt sicherlich keine schlechte Lösung, die aber nur funktioniert, wenn glaubhaft vermittelt wird, wie der Schuldenirrsinn beendet werden kann (auch für Deutschland, das mit "Schattenverpflichtungen" wie Renten, Pensionen etc bei einer Schuldenquote von 200% liegt)."

    Woher nehmen Sie den Optimismus, das ausgerechnet die Schuldenstaaten -nachdem man ihnen mit dieser Methode das "weiter verschulden" faktisch erleichtert- "glaubhaft" anfangen werden Schulden zu verringern?

    Schäubles weltfremder Hebel wird lediglich dazu führen, das besagte Staaten wieder bis zu einer Billionen weiterer Schulden aufnehmen können (und die Banken erneut bereichern werden) die dann in einem großen Knall vom Steuerzahler "sozialistisch getragen" werden.

    Hier wird wieder nur -wie gewohnt- auf Zeit gespielt um das kranke System unverändert am Leben zu erhalten.
    Angesichts dieser gigantischen Summe dürfte das dann aber entgültig die letzte "gekaufte Zeit" gewesen sein!

  • Die Einzigen, die durch diesen EFSF mehr Feuerkraft bekommen, sind die Ratingagenturen. Welcher Investor, der noch alle Tassen im Schrank hat, wird denn ohne Zwang faule Anleihen kaufen, auch wenn diese zu 20% "garantiert"(!) sind? Es winken immerhin noch 80% Verlust! Na, das ist doch was, oder? 20% entsprechen Default-Niveau, wenn ich da an die Russland-Krise denke, da waren die Bonds auch bei um die 20%... Wenn ich so von den feuchten Hebel-Träumen dieser Euro-Retter lese, dann denke ich, diese Herren sollten den Kauf von Gummilaken ins Auge fassen, ernsthaft!

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