Euro-Rettungsschirm

Wie der Rettungsfonds gehebelt werden könnte

Auch nach der EFSF-Abstimmung könnte der Rettungsschirm zu klein sein. Nun wird über Tricks diskutiert, um seine finanzielle Feuerkraft zu erhöhen - mit mehr Schulden. Dem Steuerzahler drohen damit noch höhere Risiken.
Update: 29.09.2011 - 08:53 Uhr 6 Kommentare
Ein Schirm mit dem EU-Enblem vor dem EU-Parlament in Brüssel. Quelle: dpa

Ein Schirm mit dem EU-Enblem vor dem EU-Parlament in Brüssel.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/BerlinVor der Bundestagsentscheidung über die Ausweitung des europäischen Rettungsfonds ist für viele Experten klar, dass die finanziellen Mittel auch danach nicht ausreichen. Derzeit verfügt die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) über Garantien in Höhe von 440 Milliarden Euro. Dieses Volumen kann sie jedoch nicht voll ausschöpfen, da sich nicht alle Garantieländer zu den günstigen Triple-A Bedingungen refinanzieren können. Durch die Erweiterung soll das Garantievolumen auf 780 Milliarden Euro steigen - damit könnte der Fonds Kredite über 440 Milliarden Euro an finanzschwache Staaten vergeben.

Sollten Italien und Spanien in Schieflage geraten, würde der Fonds schnell an seine finanziellen Grenzen stoßen. Diese Ansicht teilt auch Bundesfinanzminister Schäuble. „Ohne Hebelwirkung reicht die Finanzausstattung der EFSF nicht“, hieß es in der Spitze des Finanzministeriums.

Eine nochmalige Aufstockung des EFSF scheint aber politisch nicht durchsetzbar. Also wird nach anderen Wegen gesucht, um an mehr Geld zu kommen. Das Zauberwort hierfür heißt Leveraging. Damit ist die Möglichkeit einer Verschuldung des EFSF gemeint. Ziel dabei ist es, die Garantien der EFSF so zu vergeben, dass möglichst ein Vielfaches der 440 Milliarden Euro eingesetzt werden kann, ohne dass die tatsächlichen Mittel des Fonds erhöht werden.

Bislang dementiert Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble solche Pläne. Schäuble nannte eine Aufstockung des Fonds eine „dumme Idee“. Auf die Leveraging-Tricks ging er aber nicht explizit ein.

Vorbild für die „Hebel-Idee“ beim Euro-Rettungsfonds EFSF ist das Vorgehen des US-Finanzministeriums und der US-Notenbank Fed während der Finanzkrise 2008. Die Fed hatte ein Kreditprogramm mit einem Volumen von 200 Milliarden Dollar aufgelegt, die das Finanzministerium mit nur 20 Milliarden Dollar garantierte - so wurden die Mittel verzehnfacht. Die Haftungssumme bliebe in diesem Fall gleich. Allerdings steigt das Risiko eines Ausfalls.

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6 Kommentare zu "Euro-Rettungsschirm: Wie der Rettungsfonds gehebelt werden könnte"

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  • hervorragende idee. bei einem angriff des marktes auf den efsf hat die spekulation es dann leichter die eu in die knie zu zwingen. der fond wird genau so stark sein, wie die europaeischen staaten und ihre politischen institutionen. eine zentralisierung von schwaeche wird nicht zur staerke. das gegenteil ist der fall.

  • Die Lasten, die diese Politiker uns und unseren Kindeskindern aufbürden, sind größer als alles, was besiegte Staaten nach verlorenen Kriegen an die Sieger zahlen müssen.

    Was hier und heute passiert, ist schlichtweg Landesverrat, in einer noch nie zuvor dagewesenen Größenordnung.

  • Schäubles "Schönsprech":

    Der EFSF soll von 440 Mdr€ auf 780 Mrd€ aufgestockt werden.
    Dadurch würde die duetsche Haftungssumme von 123 Mrd€ auf max. 253 Mrd€ ansteigen.
    Mit Zinsen, die nach Schäuble nicht eingerechnet wurden, können es auch 400-450 Mrd€ sein.
    Aber das ist alles Schnee von Gestern.
    Wie aus informierten Kreisen zu erfahren ist, soll der "erweiterte EFSF" nochmals "ertüchtigt" - was für ein Schönsprech - werden. Auf über 1 Billion Euro.
    Die Verhandlungen sollen am Montag beginnen. Schäuble dementiert das (noch).
    Aber nach der Abstimmung wird es es wohl zugeben (müssen).
    Somit wird das Volk wieder einmal (bewust) betrogen.
    .
    Zitat:
    Die EFSF-Ertüchtigung bedeutet, dass das Fondsvolumen von 440 auf 780 Milliarden Euro aufgestockt wird. Um dem EFSF sein Top-Rating ("AAA") zu erhalten, ist dafür eine Ausweitung des EFSF-Volumens auf 780 Milliarden Euro notwendig. Falls Länder, die bisher als Garantiegeber eingeplant sind, selbst an den Märkten unter Druck geraten sollten und als gute Gläubiger ausfallen, kämen auf Deutschland gegebenenfalls weitere Lasten zu.
    Zitat Ende:
    .
    Welch ein "Schönsprech"!
    - Ertüchtigung
    - Ausweitung
    Das ist Volksverdummung pur!

  • Worüber heute abgestimmt wird, ist nachzulesen im "Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Gesetzes zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen eines europäischen Stabilisierungsmechanismus".

    Nachzulesen als PDF-Datei:
    http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/069/1706916.pdf

  • Vier Horrorszenarien; aber genauso wird es kommen!
    Das Schäuble vor der Abstimmung dementiert, ist normal; aber er hat ja selbst eine "Hebelwirkung" gefordert, von der er jetzt "angeblich" nichts mehr wissen will.
    Informierte Kreise sprechen schon von einem Volumen von 2-4 Billionen Euro, auf daß der EFSF aufgestockt werden muß/soll. Darüber wird dann ab Montag gesprochen.

    Gute Nacht, Deutschland! Alea iacta est.

  • Verflucht...


    Wir brauchen Sicherheiten!!

    Ohne diese geht schon mal gar nichts..

    WAS will Griechenland uns anbieten. Was verlangt die Bundesregierung, und was verlangt die Angela für Sicherheiten..

    SO wie das bisher abläuft wird das meiner Ansicht nach nichts..

    Daher:

    Finger weg von "ungedeckten" Schecks

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