Euro-Schuldenkrise
Der Gipfel der Erwartungen

Rebellierende Märkte, meuternde Parteifreunde, FDP-Blockadekurs: Vor dem Treffen mit Präsident Sarkozy überschlagen sich die Erwartungen an Kanzlerin Merkel. Das brisanteste Thema will sie angeblich nicht anschneiden: Eurobonds.
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Paris/Berlin/Düsseldorf/Halle/MünchenSchon in normalen Zeiten hat Angela Merkel kein leichtes Amt. Doch in Zeiten abstürzender Börsen und schwelender Schuldenkrisen wird der Druck auf die deutsche Kanzlerin schier unerträglich: Vor dem Krisentreffen mit Frankreichs Präsident Sarkozy könnten die Erwartungen an sie kaum höher sein.

Kein Wunder: Merkel und Sarkozy wollen am Nachmittag in Paris neue Maßnahmen zur Stabilisierung der Euro-Zone erörtern. Bei dem Treffen geht es nach Berliner Regierungsangaben um konkrete Vorschläge, um das Krisenmanagement und die wirtschaftspolitische Steuerung der Eurozone zu verbessern. Sie sollen EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy vorgelegt werden.

Die Enttäuschung nach dem Treffen könnte deshalb umso größer werden. „Den Paukenschlag wird es nicht geben, es geht um einen Prozess“, dämpfte Regierungssprecher Steffen Seibert schon am Montag die Erwartungen. Vor allem ein Instrument, über dessen Einführung Finanzmärkte und Medien seit Tagen spekulieren, stünden überhaupt nicht auf der Agenda, betonten Kanzleramt und Elysee-Palast unisono: Eurobonds, gemeinsame Staatsanleihen aller Euro-Länder.

Gemeinsame Staatsanleihen können die Zinslast für besonders stark verschuldete Länder der Euro-Zone senken. Gegner warnen, dass Deutschland dafür gezwungen sein könnte, höhere Zinsen zu zahlen. Damit drohten Milliarden-Mehrbelastungen für die deutschen Steuerzahler. Zudem würden Eurobonds erhebliche Änderungen der EU-Verträge erfordern, denen alle Staaten zustimmen müssten.

Größer kann die Lücke zwischen öffentlichen Äußerungen und öffentlichen Erwartungen kaum werden. Die Märkte drängen Merkel und Sarkozy immer stärker, die Schuldenkrise dauerhaft zu lösen. Investoren hoffen, dass dabei der große Befreiungsschlag herauskommt. Das Merkel und Sarkozy nicht über die Gemeinschaftsanleihen sprechen werden, glaubt am Markt niemand.

„Die wichtige Botschaft, die Merkel und Sarkozy senden können, ist, dass sie diese Dinge nun ernsthaft in Erwägung ziehen", sagte Myles Bradshaw, Vermögensverwalter bei Pimco im Interview mit Bloomberg. "Ein Signal von Merkel würde am Markt für größere Entspannung sorgen. Es würde zeigen, dass die Deutschen ihre Position wirklich verändern.“

Noch bleibt es verdächtig ruhig an den Märkten. Staatsanleihen für Deutschland und Frankreich bewegten sich am Morgen kaum vom Fleck, in den vergangenen Tagen war die Rendite um neun bzw. 19 Basispunkte gesunken. Auch die Preise für Ausfallversicherungen der beiden Länder sind in Erwartung des Gipfels gefallen.

Wer französische Anleihen im Wert von zehn Millionen Dollar absichern will, muss dafür 148.000 Dollar jährlich bezahlen, rund 30.000 Dollar weniger als vor einer Woche. Die Ausfallversicherung für Deutschland kostet 74.000 Dollar, etwa 10.000 Dollar weniger.

Doch das könnte sich schnell wieder ändern. Mit den Erwartungen wächst der Druck auf die Politik. Sollten Merkel und Sarkozy das Thema Euro-Bonds tatsächlich ausklammern, könnte die Enttäuschung an den Märkten groß sein.

"Wir bewegen uns auf eine Situation zu, wo es entweder auf Eurobonds oder ein Zusammenbrechen der Währungsunion hinausläuft", sagte Nick Kounis, Chefvolkswirt der ABN Amro in Amsterdam der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Wir stehen am Rande extremer Entscheidungen".

Kommentare zu " Euro-Schuldenkrise: Der Gipfel der Erwartungen"

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  • Der "Nettozahler" ergibt sich aus der Wirtschaftskraft bezogen nur auf die Agragwirtschaft. Unser Ossten hat nicht nur Agrargelder bekommen.

    Beneiden sie die Griechen für ihr Sozialsystem, oder warum führen sie die Renten an?
    Dass unsere Renten nicht gestiegen sind, liegt an unserem System. Da die Löhne zu Dumpinglöhne verkommen sind, konnten auch die Renten nicht steigen.

    Sowas kann man aber auch nachlesen.

  • Nettozahler heisst, dass wir mehr an Brüssel zahlen als bekommen, und in dieser Rechnung ist die Hilfe für Ostdeutschland schon berücksichtigt. Wir hatten seit 2001 mehrmals Nullrunden für Rentner, in Griechenland auch?

  • Jetzt gerade kommt die Meldung, dass es eine EU-weite Finanztransaktionssteuer kommen soll.
    Und ich wette, dass wenn der Rauch an der Börse verzogen ist, Frau Merkel am politisch für den Eurobond werben wird.

    Hatten die 7 Schwaben Erfolg?

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