Euro-Schuldenkrise

Deutsche Wirtschaft fordert Eurobonds

Vor dem morgigen Treffen von Merkel und Sarkozy fordert erstmals auch ein hochrangiger deutscher Wirtschaftsvertreter die Einführung von Eurobonds. Die Bundesregierung gerät mit ihrer Ablehnung in die Defensive.
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Eine Euro-Münze aus Italien. Quelle: dpa

Eine Euro-Münze aus Italien.

(Foto: dpa)

BerlinDer Präsident des Außenhandelsverbandes (BGA), Anton Börner, hat sich als erster Chef eines wichtigen deutschen Wirtschaftsverbandes für die rasche Einführung von Eurobonds ausgesprochen. „Man muss den Märkten erklären, wir ergreifen jetzt die notwendigen Maßnahmen, und das heißt: Eurobonds mit deutscher Handschrift“, sagte Börner am Montag in einem Reuters-Interview. „Wir brauchen Eurobonds mit strengen Auflagen.“

Dazu müsse unter anderem die Aufnahme einer Schuldenbremse in die Verfassungen der Euro-Länder gehören. Wenn diese Auflage nicht erfüllt würden, müsse es Konsequenzen für die betreffenden Länder geben - etwa ein Stimmrechtsentzug in der EU.

„Das ist erforderlich, und zwar ganz schnell“, drängte Börner. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy müssten am besten schon bei ihrem Treffen am Dienstag den Weg für gemeinsame europäische Staatsanleihen freimachen. Merkel und Sarkozy seien die einzigen, die das tun könnten. Volumenbegrenzungen für solche Eurobonds dürfe es keine geben. „Das muss ohne Limits sein.“ Ohne diese Gemeinschaftsanleihen droht nach Börners Worten eine Abwärtsspirale, in der immer neue Euro-Länder ins Visier der Märkte kämen und am Ende eine weltweite Depression stehe.

Die Bundesregierung lehnt Eurobonds ab. Dies machte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) noch einmal deutlich. „Es bleibt dabei: Es gibt keine Vergemeinschaftung von Schulden und keinen unbegrenzten Beistand“, sagte Schäuble dem „Spiegel“ zu den sogenannten Eurobonds. Diese seien ausgeschlossen, „solange die Mitgliedstaaten eine eigene Finanzpolitik betreiben“.

Unterstützung bekommt Schäuble von DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben: "Ohne europäischen Bundesstaat machen Eurobonds keinen Sinn", sagte Wansleben dem Handelsblatt. Eurobonds setzten einen umfassenden Eingriff in die nationalen Politiken der Mitgliedsstaaten voraus - der sei nicht gegeben. "Es führt kein Weg daran vorbei: Die Staaten müssen ihre Reformen jetzt zügig voranbringen, in enger Abstimmung mit der Gemeinschaft, so wie dies mit bisheriger Beschlusslage vereinbart worden ist", sagte Wansleben.

"Einen Teil der Souveränitätsrechte abgeben"
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127 Kommentare zu "Euro-Schuldenkrise: Deutsche Wirtschaft fordert Eurobonds"

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  • Gegen den Zusammenbruch können wir uns nicht wehren, er wird kommen.
    Wenn nicht in FOrm von Eurobonds, dann in Form von immer weiter aufgeblasenen Rettungsschirmen, für die die Hauptlast duch Deutschland zubtragen ist oder eben die EB kauft solange schlechte Staatsanleiehn auf, bis jemand auffällt, dass die EZB das gar nicht mehr zurückbekommt. Da dann keiner zahlen kann, ists auxch passiert.

    Also, was sollten wir machen. Wir machewns wie die anderen. Schuldenbremse raus, Geld her und alles verprasssen. Dann hatten wir vorher wenigstens noch ein bisschen Spass und haben nicht bis zum Schluss wie die blöden gebuckelt. Und wenn man dann nix in der Tasche hat (wie alle anderen auch) dann gehts wenigstens schnell.
    Dann kann man wieder von vorne anfangen. Schulden- und Währungskrisen lösen in diesem Sinne Kriege ab, bei denen auch imnmer alles oder vieles kaputt geschlagen wurde. Der Mensch scheint das zu brauchen. Früher führte die Gier zu Kriegen, heute eben zu Finanzkatastrophen.

    Als nächstes würde ich eine Weltwährung befürworten, dann ists wurscht, ob ein Staat pleite ist, das ist dann wie eine Firma, die pleite geht, die anderen betriffts nicht, die anderen können weitermachen.
    Dann gibts auch kein Gezeter, der Yuan ist zu niedrig bewertet, der Dollar zu schwach, der Euro ist sowieso schon halb tot etc.

  • Das Durcheinander der Meinungen von angeblich fachkundigen Finanzexperten ist atemberaubend. Eben noch hat Experte Hüther die Eurobonds abgelehnt. Spricht der nicht auch für die Wirtschaft??? Die gegenteilige Meinung ist wohlfeil. Soll der deutsche Steuerbürger tatsächlich für die Versäumnisse und Sexaffären eines Berlusconis aufkommen müssen? Vorher müssten sich diese MP's und Länder erst einmal umorientieren, bevor solche Zumutungen durch deutsche Stimmen, wie etwa die von SPD Chef Gabriel oder auch von MP Junker/Luxemburg unterstützt werden. Ersterer denkt nur an Wahlen, der andere nur an die geringer werdende Belastung des eigenen Haushalts.

  • Der Schuldenstand Italiens ist bekannt, seit das Land Mitglied im €-Club ist. Mitten in der großen Krise 2009 betrug seine Neuverschuldung nur 3% - mit am geringsten von allen €-Ländern. Warum dieses Land plötzlich gefährdet sein soll, ist Stimmungsmache von Spekulanten. Dass es höhere Zinsen zahlen muß als solider wirtschaftende Länder ist doch in Ordnung. Wenn die Regierung umknickt und Eurobonds zuläßt, flieht jeder deutsche Anleger aus dem €, und dann ist das Chaos perfekt.

  • Die sogenannte " Einlagensicherung " dientze nur datzu, die Märkte zu beruhigen. Eine Absichtserklärung unseres Hosenanzuges, mehr nicht. Nie hat das Parlament darüber abgestimmt, nie wurde auch nur eine Gesetzesvorlage eingebracht. Wer soll haften ? Der Hosenanzug ?
    Sich darauf zu berufen, ist so naiv, wie daran zu glauben, daß Santa Claus mit seinen Rentieren zu Weihnachten die Geschenke durch den Kamin bringt.
    Kann man als erwachsener Mensch noch so naiv sein ?
    Nicht zu fassen, was ich hier erleben muß...

  • Etwas Off-Topic, aber auch interessant.

    Ich frage mich gerade welche Möglichkeiten ihr "unsozialer" (im Sinne von egoistisch) Charakter ihnen in einer Gesellschaft wie Griechenland eröffnen würde.

    Anderseits wären sie ein gutes Beispiel für alle Deutsche.
    Wenn mehr Menschen in Deutschland weniger arbeiten würde, würde aus dem Arbeitgebermarkt wieder ein Arbeitnehmermarkt und wir hätten Vollbeschäftigung. Arbeitgeber müssten sich wieder bewerben um gute und reichliche Mitarbeiter zu bekommen.
    Wir hatten ja schon mal fast bundesweit die 35-Stundenwoch bei vollem Lohnausgleich. Leider wurde durch die Schwächung der Gewerkschaften durch die Agenda2010 wieder alles über Bord geworfen. Heute kämpfen wir gegen die 42-Stundenwoche und für einen Mindestlohn.

    Mit Verlaub, sie benehmen sich wie ein Grieche. Beneidenswert :-)

  • nur für die, die nicht verstehen, dass es ein Mega-Geschäft ist.

  • Faszinierend unlogisch.

  • @ Profit

    Sorry, wenn ich da noch einmal widerspreche, aber im Sozialismus (so wie der Begriff eigentlich definiert ist) würde es keine Banken in der heutigen Form und keine Privatindustrie geben. Man sollte sich die Begriffsdefinition mal anschauen (nicht Begriff und Realität vermischen - real war der "Sozialismus" keiner, real war es eine Diktatur).

    Das Prinzip: Gewinne privatisieren und Schulden verallgemeinern hat nichts mit Sozialismus zu tun. Das zieht sich schon seit Anbeginn des Geldwesens durch die Geschichte.Schon die Römer, Ägypter und auch die Kaiser in China und Japan haben ihr Schulden an das gemeine Volk vererbt während sie die "Gewinne" vereinnahmt haben, damit sie in Saus und Braus leben konnten(von den Eroberungsgewinnen hat das Volk nichts abbekommen). Dieses Prinzip auf ein bestimmtes, (ungeliebtes) System zu beziehen ist also nicht wirklich fördernd. Eurobonds sind nichts anderes als die Umlage der Schulden auf die Allgemeinheit mit dem Ziel möglichst viel Gewinne SICHER zu erzielen. Das diese Gewinne nicht fürs Volk bestimmt sind, versteht sich ja von selbst.

    Kapitalismus (in dem wir numal leben) ist nichts weiter als ein auf Ausbeutung der Massen aufbauendes System(wie Feudalismus, Diktatur ect. auch). Genau das wird hier umgesetzt. Und da man eben in Ländern wie Griechenland ect. gerade nichts mehr ausbeuten kann, versucht man es halt unter dem Deckmantel der "Solidarisierung" (ja, der passt in dem Zusammenhang) bei den anderen Euroländern einzutrieben in Form von besagten Eurobonds. Das davon die "Großkopferten" dieser Länder kurzfristig profitieren ist ein für diese Leute schöner Nebeneffekt. Das Volk dort wird davon nichts abbekommen (wie immer in der Geschichte). Weshalb denken Sie denn, warum diese Länder so für die Bonds sind?

    Von dem her hat das nichts mit dem eigentlichen Begriff "Sozialismus" zu tun, sondern nur mit dem, was wir unter dem Begriff "Sozialismus" verstehen/kennen, und das war wie gesagt keiner ;-)

  • Mein Nachbar hatte neulich auch erwähnt, er wäre für Eurobonds. Ich bitte Sie deshalb, die Überschrift in "Die gesamte deutsche Bevölkerung fordert Eurobonds" zu ändern. Vielen Dank!

  • Es gibt immer eine Alternative. Wenn die Finanzamateuere, die seit und bei der Euroeinführung am Werk sind (warum haben die noch ihren Posten?) sagen, es ist nötig, sonst wird das oder jenes eintreten, kann man getrost sagen: Mit höchster Wahrscheinlichkeit liegen diese eurofanatischen vergreisten pro- Euro-Politiker auch diemal falsch.
    Die ganzen lobyistischen Politiker sollen zurücktreten, versagt ghaben sie genug, ihre Fehler sollen die Steuerzahler ausbaden, und die nächsten Generationen.

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