
ZürichAuch die Schweizer Regierung reagiert jetzt auf den starken Franken: Der Bundesrat will die Export- und Tourismuswirtschaft mit zwei Milliarden Franken (1,74 Milliarden Euro) unterstützten, kündigte Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann an. Die Hilfen sind dazu gedacht, die Folgen der starken Frankenaufwertung zu mildern. Welche Form die Hilfen konkret haben werden, solle im Herbst entschieden werden. In die „Feinprüfung“ kämen dabei zum Beispiel Sozialabgabenerleichterungen für die Unternehmen, erklärte Schneider-Ammann. Die Pläne der Regierung müssen noch vom Parlament gebilligt werden, wo es am Mittwoch bereits deutliche Kritik gab.
Zuvor war erwartet worden, dass die Schweizer Regierung womöglich verkünden wird, dass die Notenbank künftig einen Euro-Mindestkurs definieren wird. Auf die Frage erklärte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf, dass Maßnahmen wie Wechselkurs-Ziele oder Untergrenzen allein Sache der Notenbank seien.
Im Kampf gegen die weitere Aufwertung des Franken könnte die schweizerische Notenbank noch in dieser Woche zur ultimativen Waffe greifen. Laut übereinstimmenden Schweizer Presseberichten erwägt die Notenbank die zeitweise Anbindung des Franken an den Euro in absehbarer Zeit zu verkünden, laut „SonntagsZeitung“ lägen die „Pläne dazu in den Schubladen“.
Unicredit-Bank-Volkswirt Alexander Koch sagte, die Zentralbank warte wohl auf den richtigen Moment, um ihre „letzte Waffe“ einzusetzen.
Thomas Jordan, Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), hatte in einem Interview mit dem „Tagesanzeiger“ eine solche Anbindung nicht explizit ausgeschlossen. „Solange dies mit Preisstabilität in der langen Frist vereinbar ist, sind vorübergehende Maßnahmen, die den Wechselkurs beeinflussen, in unserem Mandat enthalten“, hatte er Ende vergangener Woche zur Frage einer möglichen Franken-Bindung gesagt.
Die Intervention einer Notenbank bezieht sich immer auf die eigene Landeswährung. Die Zentralbanker kaufen oder verkaufen am Devisenmarkt die eigene Währung in großen Mengen, um deren Kurs in die gewünschte Richtung zu bewegen. Durch einen Kauf soll die Devise auf- und durch einen Verkauf abgewertet werden.
Generell werden durch eine Abwertung die Exporteure im eigenen Land meist gestärkt, weil sie ihre Waren im Ausland günstiger verkaufen können. Allerdings schmeckt dies oft anderen Ländern nicht, da ihre Firmen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Zentralbanken und Staaten sehen nur selten tatenlos zu, wenn sich die Bedingungen für ihre Exporteure massiv verschlechtern. Im schlimmsten Fall droht ein Abwertungswettlauf der Währungen.
Ein Eingriff in den Devisenmarkt ist also meist nur dann erfolgreich, wenn er mit anderen Notenbanken abgesprochen ist. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Federal Reserve (Fed) in den USA haben im vergangenen Jahr nur wenig Bereitschaft erkennen lassen, sich an einer Interventionen ihrer Kollegen zu beteiligen.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat während der europäischen Schuldenkrise 2010 schon einmal versucht, die Aufwertung des Franken zum Euro zu stoppen. Dafür deckte sich die Nationalbank im großen Umfang mit Euro ein. Kritiker werfen der SNB vor, dass der Alleingang am Devisenmarkt nichts gebracht hat - der Franken legte sogar weiter zu.
Die EZB intervenierte zum ersten und bisher einzigen Mal im Herbst 2000 an den internationalen Währungsmärkten. Damals hatten EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro gekauft, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cents.
Dank dieser Verbal-Intervention hatte der Euro einige Tage gegenüber dem Franken wieder an Wert gewonnen, um einen Kurs von bis knapp 1,15 Franken je Euro zu erreichen. Nun verpuffte der Effekt zusehends wieder, der Franken verteuerte sich erneut. Am Donnerstag reagierten Investoren offenbar enttäuscht auf die Ergebnissen des deutsch-französischen Gipfels vom Dienstag Abend.
Die Schweizerische Nationalbank bezeichnete ihre Währung heute erneut als „massiv“ überbewertet und erklärte, Maßnahmen gegen die Frankenstärke würden „intensiviert“. Die SNB will die Sichteinlagen der Banken von bislang 120 Mrd. Franken auf 200 Mrd. Franken erhöhen. Doch trotz dieser Ankündigung zeigten sich die Devisenmärkte unbeeindruckt: Der Schweizer Franken stieg um 1,2 Prozent zum Euro, der in London bei 1,13 Franken lag. Der Dollar verlor 1,3 Prozent und wurde mit 0,7859 Franken gehandelt. Investoren hatten erwartet, dass ein Kursziel für den Franken festgesetzt würde.
Der starke Franken droht zunehmend für die Schweizer Wirtschaft zum Bremsklotz zu werden. So haben die Volkswirte der Bank Sarrasin wegen der anhaltenden Franken-Stärke ihre Wachstumsprognose für das nächste Jahr bereits von 1,2 auf nur noch 1 Prozent gesenkt.
Zu den lautesten Wortführern im Kampf gegen den starken Franken hat sich Swatch-Chef Nick Hayek aufgeschwungen. In einem Interview wetterte er gegen den „Missbrauch“ des Franken zu Spekulationszwecken und warnte düster: „Wir werden das alles noch massiv spüren.“ Im ersten Halbjahr zehrte die Frankenaufwertung rund die Hälfte des Umsatzwachstums der Swatchgroup auf, die trotzdem einen Rekordgewinn schaffte.
„Wenn der Franken gegenüber dem Euro und Dollar längere Zeit so hoch bleibt, wird es natürlich nicht einfach sein, unsere Profitabilität auf den Niveau von heute zu halten“, so Hayek. Daher fordert er, dass die Notenbank ohne Rücksicht auf Inflation am Devisenmarkt interveniere, um der Industrie einen Wechselkurs von 1,35 Franken je Euro zu garantieren.
Ich fasse also mal zusammen:
Die Schweiz hat eine niedrige Inflation. Laut Handelsblatt ist das schlecht. Die Schweiz hat niedrige Zinsen, die für günstige Kredite und günstige Investitionen sorgen. Laut Handelsblatt ist das schlecht. Die Schweiz hat eine niedrige Staatsquote. Laut Handelsblatt ist das schlecht. Und solch ein Stuß steht im handelsblatt
Oh Mann, was ist nur aus der Wirtschaftszeitung Handelsblatt geworden? Nur beruhigend zu wissen, daß die Auflage des Handelsblattes seit Jahren sinkt. Vielleicht lernen es die verantwortlichen Journalisten ja so einmal. Schließlich müssen sie sonst irgend wann einmal auf der Straße sitzen.
Da heulen sie wieder rum, die Deutschen. Noch geht es uns Schweizern gut, aber die Auswirkungen des starken Franken können viele Unternehmen bereits deutlich spüren. Klar haben wir Vorteile beim Einkaufen in der EU, aber wie soll das Geld verdient werden, wenn unsere Produkte sich kaum noch einer leisten kann in Europa. Und das Gejammere der Deutschen kann ich kaum nachvollziehen. Kaum ein Land ist so gut durch die Krise gekommen, die Arbeitslosigkeit ist auf dem Tiefststand. Wahrscheinlich ärgern sich die meisten, dass sie anderen EU-Staaten helfen müssen. Ist nur teilweise verständlich, denn als Einzelkämpfer hat Deutschland in der Welt kaum eine Chance.
Was wäre denn daran so schlimm. Wir könnte Rohstoffe für nichts importieren und auf Lager legen.
Allerdings wäre das auch eine erzwungene Binnennachfrage.
Und nach 10 Jahren Reallohnverlust kann sich der durchschnittliche Deutsche ja nichts mehr leisten.
Das ist in der Tat ein Problem.
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