Euro-Schuldenkrise

Mein Name ist Bond, Euro-Bond!

Die Märkte wollen sie, die Schuldenländer fordern sie, doch Angela Merkel versucht sie mit aller Macht zu verhindern. Denn die Gemeinschaftsanleihen haben die Lizenz zum Töten: Sieben Argumente gegen Euro-Bonds.
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Über Euro-Bonds sollen Staaten gemeinsam einen Teil ihrer Schulden refinanzieren Quelle: dpa

Über Euro-Bonds sollen Staaten gemeinsam einen Teil ihrer Schulden refinanzieren

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DüsseldorfGiulio Tremonti, Italiens Finanzminister, plädierte schon vor vielen Jahren dafür, dass Euro-Länder ihren Finanzbedarf über gemeinschaftliche Anleihen decken sollten. Doch erst die Schuldenkrise im Euro-Raum, in der die Länder ohnehin zusammenrücken und bereits Griechenland, Irland und Portugal mit Kredithilfen auffangen mussten, hat die Vorschläge wieder ins Gespräch gebracht.

Im November hatte Jean-Claude Juncker, Leiter der Gruppe der Euro-Finanzminister, den Vorschlag erstmals wieder unterbreitet. Grundlage dafür war eine Studie des Brüsseler Forschungsinstituts Bruegel vom Mai. Im Kern geht es darum, dass die Staaten – auf freiwilliger Basis und nach Abstimmung durch die nationalen Parlamente – einen Teil ihrer Schulden gemeinsam über sogenannte „Blue Bonds“ refinanzieren.

Dabei stellen sich die Ökonomen vor, dass die Blue Bonds für eine Gesamtverschuldung von bis zu 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der jeweiligen Länder stehen können. Dies entspricht genau der Höchstgrenze, die der Maastricht-Vertrag den Euro-Mitgliedern vorschreibt. Weil für diese Anleihen die teilnehmenden Staaten gesamtschuldnerisch haften müssten, wäre allen eine Sockelfinanzierung mit niedrigen Zinsen gesichert.

Staaten, die mehr Schulden machen, müssten diese gemäß Bruegel-Vorschlag ausschließlich in nationaler Verantwortung über sogenannte „Red Bonds“ finanzieren. Für diese nachrangigen Anleihen sollte es Umschuldungsklauseln und definitiv keine Unterstützung der anderen Euro-Länder geben. Entsprechend hohe Zinsen und Risikoaufschläge würden Investoren für diese Anleihen verlangen.

Genau das würde die Länder zur Haushaltsdisziplin zwingen, um die Kosten für die Red Bonds nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Mit den Red Bonds würde man quasi eine Sollbruchstelle schaffen, damit ein geordnetes Insolvenzverfahren für Staaten auch praktikabel wird.

Um die Haushaltsdisziplin zu stärken, dürfen nach Ansicht der Bruegel-Forscher nicht alle Länder tatsächlich 60 Prozent ihrer Schulden über die Gemeinschaftsanleihen begeben. Die Zuteilungsquoten der Blue Bonds für die teilnehmenden Länder sollten von einem unabhängigen Stabilitätsrat als Paket vorgeschlagen werden. Dieser Vorschlag müsste von allen nationalen Parlamenten der beteiligten Länder abgesegnet werden, bevor er in Kraft tritt. Formal wären also alle Länder gleichberechtigt, faktisch würden wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland oder Frankreich den Ton angeben.

Das Konzept ist finanztechnisch gut durchdacht. Und doch gibt es wichtige Gründe, die dagegensprechen.

Euro-Bonds bringen ökonomisch nichts Neues
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  • EURO-Bonds????
    ...ist nur etwas für Schmarotzer...

  • Auch wenn es 1 Prozent an Wähler kosten kann .
    Emotional bewertet Deutschland die Euro Bonds viel zu schlecht .Der Weltmarkt , ( länder der ganzen Welt suchen nach alternativen für ihre Geld die die USA evtl nicht mehr bieten können ).
    Lasst euch in Deutschland nicht alles politisieren .
    Weil einige Parteinen Nutzen mit der Stimmung ziehen wollen .
    Euro Bonds sind nicht das Thema um Wähler zu fangen .

  • Wenn die Griechen gehen wollen Bitte . No problem . Rausschmeißen aus Europa können wir die nicht .
    Das geht nicht .
    Wir könne kein Europa sein wo alle nur Nutzen daraus ziehen . Deutschland geht es momentan ganz gut , aber es gab auch Zeiten da brauchten wir die Gemeinschaft Europa . Deutschland ist stark zyklisch . Es kann hier schnell abwärts gehen . Wir brauchen wieder Politiker die für Menschen stehen . Für Menschen in Europa .
    Und keine die nur alles schlecht reden .

  • Nach den sehr ausführlichen Darstellungen ist es eindeutig; Überschuldete Staaten müssen die Möglichkeit haben bzw. nutzen, aus dem Euro Raum auszusteigen. Nur über die Abwertung der eigenen Währung kommt die Wirtschaft wieder ins Gleichgewicht, ohne dass den Bürgern dieser Staaten Sparen von anderen europäischen Staaten aufgezwängt werden muß. Von den Piefkes und Krauts will sich doch bestimmt keiner was sagen lassen, bei der Historie.
    Die Abwertung der Währung wird automatisch zu Sparzwängen in den betroffenen Ländern führen.

    Natürlich wird es bei den Ausstieg von Griechenland und evtl. Portugal Verwerfungen auf dem Kapitalmarkt geben, diese sind dann jedoch vergleichbar mit einem reiningenden Gewitters, danach ist die Luft bekanntlich besser und klarer als zuvor.

    Mein persönliche Befürchtung ist, dass diese Finanzkrise Europa sehr schnell in eine gefährliche politische Krise stürzen und im Extremfall Meinungsverschiedenheiten auch mit Androhung von Gewalt gelöst werden könnten.

    Ich wünsche mir ein Europa des friedlichen Nebeneinanders, mit Reisefreiheit und Meinungsfreiheit. Meine Kinder sind es schon gewohnt, mit Anfang 20 locker und frei durch die Welt zu tingeln, irgendwann in zwei drei oder mehr Generationen kann es dann soweit sein, dass Europa natürlich zusammenwächst.

    Zu Schluß noch eines, finanziell hat Europa dem Durchschnittsdeutschen ja wenig gebracht, die Realeinkommen sind in den letzten 20 Jahren bekanntlich im Schnitt nicht gestiegen.

  • Die €-Bonds führen dazu, dass wir in Dt auf einen Schlag dopplt so viel Zinsen zahlen
    und die dolce-Vita Staaten werden spürbar entlastet.

    Allerdings darf man den Fehler nicht machen und denkt, dass die dolce-Viat Länder so denken wie wir. Wenn die weniger Zinsen zahlen, ist das für diese Länder eine Einladung sich noch merh zu verschulden.

    Mücken und Zecken bekämpft man auch nicht, indem man ihnen den Blutzugang erleichtert.

  • Herr Leichner,
    Als damals die Lehmankrise uns ueberraschte hat man Sicht bekommen auf die desastroesen Verbindungen der Baenke. Leider hat man nie versucht in Europa die Verbindlichkeiten zu aendern. Dadurch sind die Systembanker heute noch viel gefaehrlicher fuer unsre Wirtschafft geworden als damals. Wenn wir jetzt gemeinsam Entscheidungen treffen wuerden om als Land und dass gilt fuer alle Eurolaender unsre Schulden zu maessigen dann waere es auch denkbar die Systembanker neue Regeln zu setzen womit sie ob einverstanden sind oder ins Ausland verschwinden aber die Maerkte die sie aufgebaut haben werden immerhin auch in Zukunft von ihnen bedient, es gibt heutzutage keinen deutschen Bank oder Franzoesischer Bank mehr,sie sind nur sesshaft hier weil dass ihnen Vorteile gibt, also weshalb haften fuer dass was uns nur weiter in Schulden versetzt weil die Verbindungen der Baenke nicht mehr sind als einen Finanzkarussel wovon die Gewinne nicht uns gehoeren doch die Verluste schon.

  • Ich glaube Sie haben mit Ihre Meinung ganz gut verstanden weshalb es nicht am richtigen Zeitpunkt eine Loesung gab fuer das Problem Griechenland. Die gesammte Unterstuetzung belaeuft ja ungefaehr die ganse Summe der Staatsschulden von diesem Land.

  • Die Krise mit Staatsanleihen wird verursacht durch Misstrauen an Laender mit hohen Schulden. Wenn ein Land konfrontiert wird mit hoehere Zinsen macht er eine Geste und sagt zum Beispiel die Grenze von 3% wird wieder erreicht schon im Jahre 2014, ach genuegt Ihnen das nicht, nah dan wird es erreicht im 2013. Dass sind ja lauter Worte.
    Wenn ein Land ohne das es bestraft wird mit hoehere Zinsen und seine Verantwortung nimmt und versucht so schnell wie moeglich sein Defizit zurueck zu bringen bekommt keinen Aerger mit Investoren.
    Als beschlossen wurde eine gemeinsame Waehrungsunion zu gruenden gab es fuer die heutige Problemlaender ein niedriger Zins als zuvor mit der eigene Waehrung.
    Dieses Vorteil hat man nicht benuetzt Stabilitaet zu erschaffen.
    Wenn Eurobonds fuer diese Laender einen niedrigeren Zins bringen wird kaum zu erwarten sein dass es jetzt eine Aenderung gibt. Fuer gesunde Laender bringt es aber ein Nachteil dass in der Zukunft um so groesser wird.

  • Sie erwarten doch nicht ernsthaft, dass Sie meine Informationen bei Wikipedia finden. Was Sie gefunden haben sind die off. Angaben, wie für andere Staaten auch. Die Garantien verstecken sich in Schattenhaushalten, siehe Deutschland. Also bitte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Aber immerhin, Sie haben sich informiert. Alle Achtung.

  • --@ der-oekonomiker.

    Schon mal mit objektiven Dartstellungen gearbeitet???

    Wikipedia schreibt:

    1. Entwicklung der Schweizer Bundesfinanzen bis 2003.
    Obwohl die Schweiz im europäischen Vergleich über eine recht geringe Schuldenquote (Verhältnis von Schulden zu Bruttoinlandsprodukt) verfügt, wurden dort die Probleme einer stark ansteigenden Verschuldung erkannt.

    2Die Schweizer Bundesfinanzen seit Einführung der Schuldenbremse.

    Seit dem Jahr 2003 wird die Schuldenbremse in der Schweiz angewandt. Seitdem hat sich der Schuldenstand ungefähr stabilisiert und die Verschuldungsquote ist rückläufig. Zu einer genauen Bewertung der Wirksamkeit wird man jedoch erst nach Durchlaufen eines kompletten Konjunkturzykluses kommen können.

    Evtl doch erst informieren, bevor man Zahlen aus der Glücksspirale veröffentlicht? Hilfreich wäre auch den Begriff DEMOKRATIE verstehen zu können. Man sagt, wikepedia macht es möglich.

    Sorry, Ch ist eines der ältesten Demokratien








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