Euro-Schuldenkrise
S&P nimmt Euro-Zone in die Zange – Politik schäumt

Die Rating-Drohung gegen die Euro-Zone sorgt für großen Unmut. Euro-Gruppenchef Juncker spricht von einer unfairen Entscheidung der Agentur S&P. Auch in Berlin ist der Ärger groß. Der Ruf nach Konsequenzen wird laut.
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Düsseldorf/Paris/BerlinDie drohende Herabstufung von 15 Ländern der Eurozone durch die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) stößt in Europa auf große Empörung. Nahezu alle Euro-Staaten mit einem negativen Ausblick zu versehen sei eine „unfaire“ und „komplett exzessive“ Entscheidung, sagte der Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, im Deutschlandfunk.

Am späten Montagabend hatte S&P in einem Rundumschlag 15 Länder der Eurozone mit einem negativen Ausblick versehen. Damit könnten mit Deutschland und Frankreich auch die führenden Volkswirtschaften der Eurozone ihre Bestbewertung „AAA“ verlieren.

Die Drohung durch die Ratingagentur sei ein K.O.-Schlag für alle Staaten, die sich bemühen, ihre Haushaltsdefizite zu senken, sagte der Luxemburgische Regierungschef am Dienstag in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

Vor allem der Zeitpunkt der Drohung kurz vor einem entscheidenden EU-Gipfel zur Schuldenkrise sein „erstaunlich“. Trotz der negativen Aussagen durch S&P rechnet Juncker mit schnellen Fortschritten im Kampf gegen die Schuldenkrise. Nach Worten des Eurogruppen-Chefs könnten die EU-Verträge bis Ende März 2012 geändert werden. #

In Frankreich schrillen nach dem S&P-Warnschuss die Alarmglocken. Nach Einschätzung von Außenminister Alain Juppe muss sein land nun größere Anstrengungen als andere Länder unternehmen, wenn es sein „AAA“-Rating behalten will. „Wir wissen, dass wir uns mehr anstrengen müssen als andere, das steht fest“, sagte Juppe dem Radiosender RTL. „Es ist eine Drohung, aber es ist keine Entscheidung. Es versteht sich, dass sie ernst genommen werden muss“, ergänzte der Minister. Frankreichs Bewertung könnte um zwei Stufen gesenkt werden.

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  • Das Rating ist natuerlich gerechtfertigt. Das Timing, unmittelbar vor dem Gipfeltreffen der Eurolaender, macht jedoch die politische Orientierung der Agenturen offensichtlich. Sobald auch nur ein Vorschlag zur Eurorettung kommt, wird von jenseits des Atlantiks sofort dagegen geschossen. Da steckt System dahinter.

  • @Roadrunner: Sie haben natürlich recht. Die Konsequenzen trägt aber sowieso der Bürger. Leider können wir uns es nicht aussuchen, wie wir im Namen der Euroreligion rasiert, geschoren oder enteignet werden.

    Je länger diese sogenannte Euro-Rettung läuft, desdo mehr Schulden werden zum Schaden des Steuerzahlers der Nordländer vergesellschaftet.
    Das ist ja genau das, was die Banken und privaten Kreditgeber wollen. Deswegen diese gigantische Medienkampagnie pro Eurobonds und pro EZB Gelddruckerei.

    Die bisherigen EFSF-Bürgschaften, die Target2-Kredite (500Mrd€?) der Bundesbank und sonstige Rettungsgelder können wir schon jetzt größtenteils abschreiben. Das sehen wir niemals wieder. Selbst wenn Teile davon zurückkommen, werden sie für die weitere Dauerrettung benötigt.

    Die Bürgschaften haben für die Politik auch den netten Effekt, das sie noch nicht als Schulden in der Statistik auftauchen. Aber die Rating Agenturen sollten das natürlich schonmal mit einkalkulieren.

    Die Anpassung an die Realität wird sowieso kommen, und je eher das passiert desdo besser. Wenn die natürliche Volatilität als Anpassung an die Realität unterdrückt wird, werden die Konsequenzen zwar in die Zukunft verschoben, aber die Folgen werden umso dramatischer sein.

    Siehe auch "How Suppressing Volatility Makes the World LessPredictable and More Dangerous": http://www.docstoc.com/docs/106722411/Taleb_Blyth_Foreign-Affairs_Black-Swan

  • Es ist schon recht fragwürdig, warum gerade Europa von den Ratingagenturen angegriffen wird und die USA verschont bleiben. In einem Interview in den "Deutschen Mittelstandsnachrichten" spricht Max Otte von einem Wirtschaftskrieg zwischen den USA und Europa. Da kommen die großen Gewichte der US-Ratingagenturen gerade recht.
    Außerdem geht es den USA deutlich schlechter als Europa und trotzdem bekommen sie keine negativen Ratings mehr. Warum? Weil ein Deal zwischen den Ratingagenturen und der US-Regierung läuft. Ziel ist es, Europa sturmreif zu schießen und von den amerikanischen Problemen abzulenken. Und ein Indiz für die schlechte Wirtschaftsentwicklung der USA sind die Bezieher von Lebensmittelmarken. Seit Sommer ist die Zahl von 45 Mio. auf jetzt über 46 Mio. gestiegen. Von soetwas ist Europa noch lange entfernt.

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